Auf diesem Bild versteckt sich der Nachwuchs aus dem Amazonas-Haus. Finden Sie ihn? © Marcel Stawinoga
Nachwuchs im Zoo

Versteckt sich hier Dortmunds hässlichstes Tierbaby?

Im Dortmunder Zoo ist ein neues Tierkind zur Welt gekommen. Doch dieser Nachwuchs wird wohl nicht zum nächsten Publikumsliebling. Er ist ungefähr so niedlich wie sein Geburtsjahr 2020.

Das zierliche Oncilla-Kätzchen, kleine Schildkrötenbabys und das putzige Nashornkind – das waren nur einige der Geburten, die 2020 im Dortmunder Zoo gemeldet wurden. Der neueste Ankömmling wird voraussichtlich weniger Menschen verzücken.

Es ist ein Tier wie eine Parabel auf das Jahr 2020: verbringt die meiste Zeit allein, bewegt sich wenig, ist aber gefährlich und wird in der Bevölkerung gefürchtet. Passend also, dass es kurz vor Ende des Jahres noch Nachwuchs bei den Pfauenaugen-Stechrochen im Amazonas-Haus des Zoos gab.

Der Pfauenauge-Stechrochen ist im November im Dortmunder Zoo geboren worden. © Marcel Stawinoga © Marcel Stawinoga

„Tatsächlich haben wir das Baby zufällig entdeckt“, sagt Zoolotse Marcel Stawinoga. Bei einem Rundgang mit einer Pflegerin habe er den jungen Stechrochen im Sand liegen sehen. „Da muss er gerade erst auf die Welt gekommen sein.“ Die erste Nachzucht dieser Art – eine schöne Überraschung.

Eltern kümmern sich nicht um den Nachwuchs

Rochen sind Lebendgebärende, die Weibchen tragen den Nachwuchs rund drei Monate. Wenn die Jungen zur Welt kommen, sind sie sofort schwimmfähig. Sie schwimmen am Anfang jedoch selten – am liebsten vergraben sie sich mit schnellen Flossenbewegungen im Sand.

Weil Pfauenaugen-Stechrochen sich nicht um ihre Brut kümmern, war der Baby-Rochen direkt nach der Geburt auf sich allein gestellt. „Die Eltern haben überhaupt keinen Bezug zu dem Kind“, sagt Marcel Stawinoga. Dabei sind die Zwei eigentlich zutrauliche Fische, kommen zum Füttern an die Scheibe und nehmen den Fisch mit dem Mund.

Tagsüber liegt das Baby nun versteckt auf dem Boden des Aquariums und wird erst im Schutz der Dämmerung aktiv. „Es frisst nur, was auf den Boden fällt“, sagt der Zoolotse, „deshalb muss beim Füttern gut aufgepasst werden.“ Tauwürmer, Stinte und Garnelen stehen auf dem Speiseplan.

Gefährlicher als fleischfressende Piranhas

Die Pfauenaugen-Stechrochen stammen ursprünglich aus Südamerika und leben dort in Flüssen, zum Beispiel im Amazonas. „In Südamerika haben die Menschen mehr Angst vor den Rochen als vor Piranhas“, sagt Marcel Stawinoga.

Ausgewachsene Stechrochen schwimmen nämlich nachts zum Schlafen ans Ufer und legen sich in den Sand. Dann schauen nur noch Augen und Spritzlöcher, also die Rücken-Kiemen, aus dem Schlamm hervor. Und der flache Körper der Tiere ist an der Oberseite graubraun bis rotbraun gefärbt. So sind sie schwer zu erkennen, vor allem in der Dunkelheit.

Häufig gibt es Unfälle, bei denen Menschen aus Versehen auf die Tiere treten – dann schlagen diese mit ihrem Schwanz um sich. Gefährlich machen den Süßwasserfisch die fünf Zentimeter lange Stacheln an seinem Schwanz: Ein Stich ist giftig und kann für Kinder sogar tödlich sein. Bei Erwachsenen sind manchmal Amputationen von Gliedmaßen notwendig.

Ein kräftiges Einzelkind

Herr und Frau Rochen, so werden die namenlosen Eltern von den Pflegern genannt, leben seit 2013 in Dortmund. Und so lange lief zwischen den beiden nix. Doch dann wurde die Wassertemperatur im Aquarium leicht erhöht. Offensichtlich mit anregendem Effekt.

Seit dem 27. November ist nun Baby Rochen der dritte seiner Art im Dortmunder Zoo. Es ist ein kräftiges Einzelkind, das sich gut entwickele. Sein Geschlecht ist noch unbekannt.

Auch wenn der glitschige, giftige, graubraune Stechrochen keinen Massenansturm im Aquarium auslösen wird: „Wir freuen uns über jede Tiergeburt“, sagt Marcel Stawinoga. „Das ist eine schöne Bestätigung unserer Arbeit.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Sarah Bornemann, Jahrgang 1986, arbeitet seit Oktober 2013 als Redakteurin in der Dortmunder Lokalredaktion. Sie hat Journalistik in Leipzig sowie Germanistik und Soziologie in Münster studiert. Für das Volontariat bei Lensing Media kehrte sie nach sieben Jahren ins Ruhrgebiet zurück.
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