Dieser Hyundai ist dem Urteil der Polizisten zufolge zu weit tiefergelegt. © Kevin Kindel
Tuner und Poser

Verstärkung für Polizei Dortmund am ersten Tempo-30-Freitag auf dem Wall

Die Polizei hat angekündigt, ihre Ressourcen für den Wall zu bündeln, die Stadt Dortmund hat Tempo 30 angeordnet. Trotzdem sind auch am Freitagabend wieder schwarze Schafe aufgefallen.

Freitagabend auf dem Dortmunder Wall, kurz vor Mitternacht: Kennzeichen aus Krefeld oder Gütersloh sind zu sehen, vor der Thier-Galerie stehen auffallend teure Autos auf dem Parkstreifen. Diese Eindrücke gibt es weiterhin, aber diesmal ist alles deutlich leerer.

So richtig klasse findet das neue Tempo-30-Limit hier wohl keiner der Fahrer. Aber wirklich schlimm ist es für die meisten offenbar auch nicht. Ihm gehe es ja nicht ums schnelle Fahren, sondern darum „einfach nur zu cruisen“, meint einer der jungen Fahrer etwa.

Wer es auf den Lärm anlegt, wird von den 30er-Schildern offenbar nicht wirklich aufgehalten. Schließlich kann man auch innerhalb weniger Meter bis zum nächsten Blitzer den Motor aufheulen und den Auspuff knallen lassen. Das machen einzelne Ausnahmen hörbar deutlich. Fotos von zivilen Blitzerwagen kursieren bereits am frühen Abend auf einer Instagram-Seite mit rund 16.000 Mitgliedern.

Manche sehen – wie ernst sie das meinen ist nicht ganz klar – sogar positive Effekte für Teile der Szene. „Dann können die besser aus den Autos flirten und halten den Verkehr nicht mehr auf“, schreibt einer bei Instagram und meint die Situationen, in den zwei Autos langsam nebeneinander herfahren, weil die Insassen sich gegenseitig schöne Augen machen.

An einer Stelle ist es an diesem Abend aber unmöglich, nebeneinander zu fahren: Diesmal gibt es keine Vollsperrung, aber die Polizei hat den Ostwall auf eine Fahrspur begrenzt. Einzeln werden Wagen zur Seite gebeten, bei denen illegales Tuning vermutet wird. Bis Mitternacht werden vier Autos beschlagnahmt.

Montag das Auto bekommen, Freitag wird es einkassiert

Einer der Fahrzeughalter nimmt die Maßnahme relativ locker und bestaunt sein Pech fast schon: „Montag hab ich den Wagen erst bekommen“, sagt er. Ob die Maßnahme gerechtfertigt ist, könne er noch nicht sagen. Die Polizisten hätten im Radkasten Schleifspuren gesehen, weil der Wagen so tiefergelegt sei. Der Besitzer meint, das sei nur Dreck. Als der Mitarbeiter vom Abschleppdienst seinen roten Hyundai auf die Pritsche fährt, kratzt die Frontstoßstange kurz über die Rampe.

„Ich glaube, die Anwohner werden sehr zufrieden sein“, sagt Ralf Ziegler, stellvertretender Polizeipräsident und Leiter der Direktion Verkehr vor Ort. Die Anziehungskraft des Walls habe offenbar schon etwas nachgelassen, Tuning-Fachleute aus Köln seien mit im Einsatz, um die Autos zu untersuchen. Ziegler sagt: „Wir wollen die Szene aus Dortmund rausdrücken.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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