Zaunrübe in der Berghofer Mark: Ohne die Pflanze stirbt die Sandbiene aus

dzNatur in Dortmund

Das Insekt war sogar Wildbiene des Jahres 2015. Doch sie ist vom Aussterben bedroht. Der Grund ist schon kurios. Ein Dortmunder Bienen-Fachmann hat das Tier mal unter die Lupe genommen.

Berghofer Mark

, 11.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist eine eigenartige Symbiose, die die Wildbiene mit einer eher unbeliebten Pflanze eingegangen ist. Warum die Zaunrüben-Sandbiene, so heißt der geflügelte Sonderling, sich ausgerechnet eine Pflanze Namens Zaunrübe ausgesucht hat, um den Nachwuchs mit den Pollen zu füttern, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Blöd ist nur, dass sich das Insekt eine Pflanze ausgesucht hat, die nicht nur selten zu finden ist, sondern die auch giftig ist. Nun, nicht die Pflanze an sich, sondern die weißen oder roten Beeren, die sie hervorbringt.

Die Zaunrübe in der Blüte: Hier holt sich die Zaunrüben-Sandbiene den Pollen für den Nachwuchs.

Die Zaunrübe in der Blüte: Hier holt sich die Zaunrüben-Sandbiene den Pollen für den Nachwuchs. © Hunfeld

Rund 15 Stück der Früchte können einem Kind schon gefährlich werden. Auch Tiere sind vor der Unverträglichkeit der Pflanze nicht geschützt. Was dazu führt, dass jeder, der das Kraut sieht, es ziemlich schnell entfernt.

Zaunrübe in der Berghofer Mark

An einer geschützten und schwer zugänglichen Stelle in der Berghofer Mark wächst sie noch, die Zaunrübe. Und hier tummelt sich auch die Sorte Wildbienen, die zur Vermehrung eben diese eine Pflanze braucht.

„Die Zaunrüben-Sandbiene nutzt auch andere Pflanzen als Nahrungsquelle. Nur für die Fütterung des Nachwuchses greift diese Biene auf die Pollen der Zaunrübe zurück und eben auf keinen anderen Pollen“, sagt Hermann Hunfeld.

Der hat sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Wildbienen-Fachmann entwickelt, hält Vorträge und bringt so den Menschen das manchmal recht eigenwillige Leben der Insekten näher.

Ein Insektenhotel: richtig aufgestellt, ein Lebensraum für allerlei Getier.

Ein Insektenhotel: richtig aufgestellt, ein Lebensraum für allerlei Getier. © Jörg Bauerfeld

„Aufgrund der Corona-Pandemie musste ich leider alle Vorträge in diesem Jahr absagen“, so Hunfeld, der nun mehr Zeit hat, sich um die wilden „Flugtiere“ zu kümmern.

Bestimmte Ecken im Garten einfach mal wild wachsen lassen

Die Zaunrüben-Sandbiene gehört im Übrigen zu dem Drittel der Wildbienenarten, das beim Blütenbesuch extrem wählerisch ist. Was die Sache der Vermehrung eben nicht einfacher macht. Aber was kann der Bürger tun? „Die Zaunrübe wird, wie viele andere Pflanzen, häufig als Unkraut betrachtet und einfach weggerissen“, sagt Hunfeld.

Kaum jemand wüsste, wie wichtig solche Wildpflanzen für die Wildbienen seien, so der Bienenfachmann. Es sei wichtig, in seinem Garten auch bestimmte Ecken zu haben, die man einfach mal wild wachsen lässt, so Hunfeld.

Hermann Hunfeld in seinem Garten: Hier gibt es für zahlreiche Wildbienenarten genügend Nahrung.

Hermann Hunfeld in seinem Garten: Hier gibt es für zahlreiche Wildbienenarten genügend Nahrung. © Jörg Bauerfeld

Das fange oft schon bei Kräutern an. Die seien, wenn sie in die Blüte gehen, wichtige Nahrungsquellen für die Wildbienen. Die Flugzeit der Zaunrüben-Sandbiene, die im Übrigen 2015 Wildbiene des Jahres war, ist von Mai bis August.

Aussehen ähnelt der Honigbiene

Optisch ähnelt die Wildbiene, die in Teilen von Deutschland schon ausgestorben ist, der Honigbiene. Sie gräbt Höhlen in die Erde, in denen dann auch der Nachwuchs aufwächst. Der dann die Pollen der Zaunrübe braucht. Sonst verschwindet eine weitere Wildbienenart von dieser Erde.

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