Die Covid-Patienten auf den Dortmunder Intensivstationen sind jünger als noch während der zweiten Welle. Damit nimmt die Behandlungsdauer zu. © dpa (Symbolbild)
Warnung von Gesundheitsamt-Chef

„Verschleppte Behandlungen“ wegen Corona? Das sagen Dortmunds Kliniken

Dortmunds Gesundheitsamtsleiter warnt wegen der dritten Corona-Welle vor „verschleppten Behandlungen“ schwer kranker Nicht-Covid-Patienten. Dortmunds größte Kliniken sehen das etwas anders.

Die Lage auf den Intensivstationen der Dortmunder Krankenhäuser ist während der Corona-Pandemie ein entscheidender Faktor. Auf der Pressekonferenz nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands diese Woche gab Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken eine aktuelle Einschätzung ab.

Bei der Gesamtzahl der zur Verfügung stehenden Betten sei es zwar „nicht wirklich kritisch“ – trotzdem seien Dortmunder Kliniken nun an dem Punkt angekommen, genau abwägen zu müssen, ob man geplante Operationen durchführen könne.

Dortmunds Gesundheitsamts-Chef: „Sterberisiko wird erhöht“

Für „regulär geplante, gravierende Operationen bei schwer kranken Patienten“, bei denen sich zwangsläufig eine intensivmedizinische Behandlung anschließen müsse, stelle sich die Frage: „Kann ich das heute machen oder erst morgen? Ist die Behandlung ad hoc möglich? Das alleine ist schon eine gravierende Einschränkung in der Versorgung“, so Renken.

Es gehe dabei „um schwerkranke Menschen, die behandelt werden müssen. Die Covid-unabhängig ein Sterberisiko haben, das durch diese verschleppte Behandlung erhöht wird“, sagte Renken in der Pressekonferenz weiter.

Betten durch Corona-Patienten lange belegt

Damit erfülle sich, was Intensivmediziner schon seit Längerem betonen, so Renken: „Es geht nicht nur darum, genügend Betten für Covid-Patienten zu haben.“ Entscheidend sei, dass man nur eine begrenzte Zahl an Betten zur Verfügung habe. „Wenn mehr Covid-Patienten diese Betten belegen, können logischerweise weniger andere Patienten diese Betten belegen.“

Gibt es also verschleppte Behandlungen und damit einhergehend ein erhöhtes Sterberisiko bei schwer kranken Nicht-Covid-Patienten? Soweit wollen die drei Corona-Schwerpunkt-Kliniken Dortmunds auf Nachfrage unserer Redaktion nicht gehen.

Klinikum Dortmund: Intensivkapazitäten reichen noch aus

„Wir verschieben noch keine Operationen“, sagt Rudolf Mintrop, Geschäftsführer des Klinikums Dortmund. Noch komme man mit den vorhandenen Intensiv-Kapazitäten aus.

Auf der bisher einzigen Covid-Intensivstation des Klinikums habe man 18 Plätze zur Verfügung, davon seien zwischen 15 und 17 Plätze immer belegt. „Es ist also knapp an der Grenze. Wir haben alles vorbereitet, um eine zweite Covid-Intensivstation hinzunehmen zu können.“

Diesen Zeitpunkt schiebe man aber so weit wie möglich hinaus. Denn dafür müsste man die „normalen“ Intensivkapazitäten herunterfahren. „Aber ganz sicher nicht bei Notfällen oder Dringlichkeitsfällen, das wollen wir auf keinen Fall.“

Johannes-Hospital: Planbare OPs wurden schon verschoben

Auch im Johannes-Hospital stehe eine Aufschiebung von dringlichen Operationen nicht zur Diskussion, sagt Chefarzt Dr. Michael Sydow, verantwortlich für die operative Intensivmedizin. Planbare OPs mit anschließender Intensivbehandlung habe man aber in der Vergangenheit bereits verschoben.

Das sei auch vom NRW-Gesundheitsministerium empfohlen worden, so Sydow. Er betont aber: „Bislang ist durch diese Vorgehensweise noch kein Patient zu Schaden gekommen.“

Derzeit seien die Intensivbetten des Johannes-Hospitals im Schnitt zu rund 90 Prozent belegt, berichtet der für die medizinische Intensivstation zuständige Chefarzt Dr. Helge Möllmann: „Die Situation ist tatsächlich sehr angespannt. Wir haben unsere Reservekapazitäten im JoHo noch einmal erhöht.“

Man sei froh, dass sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen gerade etwas stabilisiere. Der bisherige Höhepunkt der dritten Welle stehe den Krankenhäusern jedoch noch bevor. Schließlich dauere es meist drei bis vier Wochen, bis ein Infizierter mit schwerem Verlauf eine Intensivbehandlung benötige.

Knappschaftskrankenhaus: Immer größere Belastung durch Post-Covid-Fälle

Als „stabil, aber weiterhin angespannt“, beschreibt auch Kliniksprecher Klaus-Peter Wolter die Lage im zehn Betten fassenden Covid-Intensivbereich des Knappschaftskrankenhauses in Brackel.

Seinen Angaben zufolge war es dort bisher nicht nötig, schwere OPs zu verschieben. „Wir stellen eine Zurückhaltung bei Patienten insbesondere bei terminierbaren Eingriffen fest“, sagt Wolter. „Das hat zu einer Entlastung von Kapazitäten geführt.“

Dortmunds dritte Corona-Schwerpunkt-Klinik beobachtet noch ein anderes Phänomen: „Es zeichnet sich eine wachsende Belastung unserer Intensivkapazitäten insgesamt vor allem durch Post-Covid-Patienten ab“, sagt Wolter. Das deckt sich mit einem allgemeinen Trend auf Deutschlands Intensivstationen: Da große Teile der älteren Bevölkerung inzwischen geimpft sind, werden die Covid-Patienten im Schnitt immer jünger. Diese sind fitter und überstehen damit häufiger schwere Verläufe. Doch dadurch ist ihre Behandlung über die akute Krankheitsphase hinaus deutlich langwieriger – und die Betten sind so deutlich länger „blockiert“, als noch in der zweiten Welle.

Dortmunds Kliniken sind von Triage weit entfernt

Trotz allem sei die Situation in Dortmunds Krankenhäusern aber unter Kontrolle, beruhigt Klinikum-Geschäftsführer Rudolf Mintrop: Von der Situation der Triage, bei der Ärzte entscheiden müssen, für welchen Patienten die Kapazitäten noch ausreichen und für welchen nicht, sei man noch weit entfernt.

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel
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