Christian Carasi konnte zum Beginn der Maskenpflicht mit Stoffmasken seinen Umsatz bestreiten. Normalerweise bestickt er Arbeitskleidung. Er hofft, dass das Stoffmasken-Geschäft noch nicht ganz vorbei ist. © Oliver Schaper
Medizinische Maskenpflicht

Verschärfte Maskenpflicht: Ist die Zeit der kreativen Stoffmasken jetzt vorbei?

Die Maskenpflicht wird verschärft: Vielerorts sind bald nur noch OP- und FFP2-Masken erlaubt. Wie geht es Dortmunder Händlern damit, die mit Stoffmasken Geld verdienen?

Als Ende April 2020 die Maskenpflicht für den Nahverkehr und Einzelhandel beschlossen wurde, sind Mund-Nasen-Schutze über Nacht zur Mangelware geworden. Für viele Menschen wurde deshalb der Einkauf oder die Fahrt mit der Bahn zum Problem – keine Chance für die, die keine Maske bekommen konnten.

Damals gab es einen großen Run auf selbst genähte Stoffmasken: Viele Dortmunder Textil-Händler kamen gar nicht mehr mit Materialbestellungen hinterher, andere stellten ihre Geschäftsmodelle teilweise auf die Stoffmasken-Produktion um. Vor allem, um dabei zu helfen, die Versorgungslücke zu schließen.

Nun werden Stoffmasken rein praktisch betrachtet mehr oder weniger irrelevant: Am Dienstag (19.1.) beschlossen Bund und Länder neue Corona-Maßnahmen, bald sind nur noch medizinische OP-Masken und FFP2-Masken im ÖPNV und beim Einkaufen erlaubt. Selbst Genähtes reicht nicht mehr aus. Wie geht es den Dortmunder Händlern damit?

Neue Kundschaft gewonnen

Claudia Moch von „Stoff im Pott“, einem Stoffhandel aus Brackel, erinnert sich noch gut an den Zeitpunkt, als die Maskenpflicht bekanntgegeben wurde: „Alle wollten Stoffe und Material haben“, so Moch. Der Andrang auf Baumwolle und Gummibänder sei bei ihr so groß gewesen, dass sie Schwierigkeiten hatte, Nachschub zu bestellen – in ganz Europa sei das Material knapp gewesen.

„Das hat sich aber mittlerweile wieder gelegt“, sagt die Stoffhändlerin. Sie vermutet, dass die Leute mittlerweile mit Masken versorgt sind. Mit dem Material für Stoffmasken sei auch ihr Umsatz gestiegen – als „Krisengewinnerin“ sieht sich allerdings nicht. Das habe einen bitteren Beigeschmack.

Die Umstellung auf medizinische Masken bereite ihr deshalb auch keine Sorgen. Das Kerngeschäft von „Stoff im Pott“ sei ja auch nicht das Material für Stoffmasken. Sie habe in der Pandemie auch neue Kunden gewonnen, die das Nähen für sich als Hobby entdeckt haben. Ihr Ladenlokal hat sie mittlerweile zum Lager umfunktioniert – sie verkauft nur noch online.

FFP2-Masken aus Stoff

„Stickerei und Berufsbekleidung Carasi“ aus Körne hat zu Beginn der Maskenpflicht Stoffmasken aus eigener Produktion verkauft. „Ein enormer Aufwand“, wie der Inhaber Christian Carasi erzählt. Der Aufwand habe sich aber wirtschaftlich gelohnt, Pandemie-bedingte Einbußen ausgeglichen und seinem Geschäft durch die Krise geholfen.

Da sein Geschäft als Handwerksbetrieb geöffnet bleiben darf – Carasi bestickt unter anderem Berufskleidung – macht auch ihm die auf medizinische Masken beschränkte Verordnung weniger sorgen.

Carasi bleibt trotzdem im Masken-Geschäft: „Wir bieten auch zertifizierte FFP2-Masken aus Stoff an.“ Aktuell prüfe er, ob diese Stoffmasken auch passend zu dem Beschluss auch im Supermarkt oder in der Bahn getragen werden dürfen. Die Masken seien waschbar.

Bald wieder schöne Masken

Das Schmuckgeschäft „La Seda“ in der Innenstadt hat ebenfalls Masken aus eigener Herstellung verkauft. Besonders Masken mit BVB-Motiven seien ein Renner gewesen, so die Inhaberin Susanne Beigger: „Wir hatten einen großen Ansturm – und es kamen andere Kunden als sonst“.

Beigger erzählt, dass der Maskenverkauf geholfen habe, die ausgebliebenen Einnahmen zumindest ein „bisschen abzumildern“. „La Seda“ war immer von den Schließungen betroffen, aktuell ist das Schmuckgeschäft seit dem 16. Dezember zu.

Deshalb bleibt Beigger zuversichtlich, dass es bald wieder besser wird, sobald es die Infektionszahlen hergeben. Sie glaubt, dass dann auch die OP- und FFP2-Masken wieder verschwinden werden – „die sind nicht attraktiv“. Und dann werden ihre selbstgemachten Masken „ein Revival erleben“.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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