Verlieren wir die Kontrolle über Corona in Dortmund?

dzCorona-Pandemie

In Dortmund lag der Inzidenzwert am Freitag erstmals über 100. Die Stadt versucht gegenzusteuern und ergreift dazu weitere Maßnahmen. Außerdem gibt es eine Forderung an den Bund.

Dortmund

, 23.10.2020, 19:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmund hat am Freitag, 23.10., erstmals den alarmierenden Corona-Inzidenzwert von 100 überschritten. Er liegt laut Gesundheitsamt bei 104,4.

Es klang noch nicht wie eine Kapitulation, aber die aktuelle Leiterin des städtischen Krisenstabs, Schuldezernentin Daniela Schneckenburger, sprach von einer „deutlichen Lageveränderung“ im Laufe dieser Woche. Vor sieben Tagen lag die Inzidenz noch bei 50.

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Die Stadt hat deshalb noch einmal die Bundeswehr um Hilfe angerufen. Sie soll über die 40 Soldatinnen und Soldaten hinaus, die bislang das Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung verstärken, einen weiteren Zug von 20 Soldaten nach Dortmund abordnen.

„Unter diesen Rahmenbedingungen ist dies das Wichtigste, was wir tun können für die Aufrechterhaltung der Kontaktverfolgung und die Unterbrechung der Infektionsketten“, sagte Schneckenburger. Zudem werde überprüft, ob nicht weiteres städtisches Personal für die Kontaktverfolgung eingesetzt werden kann und dafür zwischenzeitlich andere Aufgaben der Verwaltung ruhen können.

Kontakte vorsorglich dokumentieren

„Die Lage ist wirklich ernst“, betonte die Krisenstabsleiterin. Jeder Dortmunder und jede Dortmunderin könne mithelfen, die Infektionszahlen zu senken, „indem man die Regelungen einhält“. Außerdem riet sie jedem, vorsorglich zu dokumentieren, wen man in den letzten zwei bis fünf Tagen getroffen habe. Das erleichtere später im Fall des Falles die Arbeit des Gesundheitsamtes bei der Kontaktnachverfolgung.

Der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, zeigte einmal mehr die Dynamik der Infektionszahlen auf. Die Höchstzahl der gleichzeitig Infizierten betrug bei der ersten Welle der Pandemie 285. Aktuell liege man bei 1000.

Das sei so lange nicht schlimm, so Renken, solange die Betroffenen jung seien und deshalb meist kaum Symptome verspürten. Doch inzwischen stiegen auch die Infektionen in den Altersgruppen ab 60 und ab 80 Jahren wieder deutlich an. „Und das ist das, was uns Sorge bereiten muss.“

Die älteren Menschen erkrankten am ehesten und schwersten an Covid 19. Renken: „Das werden wir in den nächsten Tagen in den Krankenhäusern sehen.“

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Vor drei Wochen hätten noch zwölf Menschen mit Covid 19 im Krankenhaus gelegen, am Freitag waren es mit 56 mehr als das Vierfache. Vor drei Wochen habe niemand auf der Intensivstation gelegen. Jetzt seien es wieder zehn Patienten, fünf davon in der Beatmung.

Das sei allerdings kein Niveau, das die Krankenhäuser an ihre Grenzen bringe, beruhigte Renken. Doch wenn sich die Zahlen wie am Donnerstag (22.10.) mit 200 Neuinfektionen fortsetzten, lägen bald 40 Menschen auf der Intensivstation, davon viele unter Beatmung. Davon wiederum stürben immer noch 25 Prozent.

Kontrolldruck wird erhöht

Heike Tassilo, stellvertretende Leiterin des Dortmunder Ordnungsamtes, betonte, jeder sei verantwortlich, die Regeln einzuhalten. Das sei nicht schwer. Um das noch besser im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern, werde man den Kontrolldruck weiter erhöhen – mithilfe städtischer Mitarbeiter aus anderen Abteilungen und mithilfe der Polizei. „Möglichst mit freundlicher Ansprache, aber wir werden strengere Maßstäbe anlegen“, kündigte Tassilo an.

Angesichts der aktuellen Zahlen forderte Krisenstabsleiterin Schneckenburger einen übergeordneten Handlungsrahmen für die Kommunen, die bislang jede für sich über verschärfte Maßnahmen entschieden.

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Hilfreich sei eine dritte Warnstufe zu definieren, ab der neue Maßnahmen ergriffen werden. „Sinnvollerweise sollte das von der Bundesebene ausgehen über die Länder und dann an die Kommunen“, so Schneckenburger.

Aufgrund der verflochtenen Lage im Ruhrgebiet ergebe es wenig Sinn, wenn jede einzelne Kommune ihre Maßnahmen ergreife, weil dies – etwa im Sport – auch Auswirkungen auf andere haben könne.

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