Verkaufsoffene Sonntage in Dortmund - viele City-Händler sind skeptisch

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Verkaufsoffene Sonntage sind immer wieder in der Diskussion. Um Weihnachten herum könnte es in diesem Jahr sogar fünf geben. Die Einzelhändler in Dortmunds Innenstadt freut das eher weniger.

von Franka Doliner

Dortmund

, 08.10.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind nur noch zwei Monate: Mit dem Öffnen des ersten Kläppchens des Adventskalenders beginnt die Vorweihnachtszeit. Es werden Kekse gebacken, Lieder gesungen und - Weihnachtsgeschenke gekauft.

Das soll in diesem Jahr auch an fünf Sonntagen möglich sein. Die neue Coronaschutz-Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen sieht vier verkaufsoffene Sonntage vor Weihnachten und einen danach vor. Die Idee: Das Weihnachtsgeschäft entzerren und langen Warteschlangen vor den Geschäften aufgrund der Corona-Regeln entgegenwirken.

Dortmunder Händler sehen Neuregelung kritisch

Bei den Einzelhändlern in der Dortmunder Innenstadt stößt das nicht nur auf Begeisterung. „Ich finde fünf Sonntage relativ viel“, sagt Matthias Hilgering, Inhaber des gleichnamigen Weinhauses auf dem Westenhellweg. „Man muss sich vorstellen, dann hätten wir einen Monat konstant auf“, merkt der Einzelhändler an.

Ähnlich sieht es Natalia Bosnjak vom Bekleidungsgeschäft Rosig: „Eigentlich wäre das Horror. Ich weiß nicht, wie wir das machen sollten.“ Bosnjak hat zwei Läden in der Dortmunder Innenstadt, an einem Sonntag beide zu öffnen, hält sie für unmöglich. Schwierig würde es vor allem personell. „Unserem Personal können wir das nicht antun“, meint Bosnjak in Bezug auf einen Monat ohne freien Tag.

Die wenigsten würden an fünf Sonntagen öffnen

„Ab November durcharbeiten? Wer soll das denn leisten?“, fragt sich Julia Ortmann vom Juwelier Morawietz in der Victoriastraße. Seit 26 Jahren sind sie zu zweit im Juweliergeschäft. Für Inhaber Ulrich Morawietz ergibt die Idee der Landesregierung keinen Sinn. „Die Adventstage sind Familientage“, meint er, für größere Betriebe lohne sich das vielleicht eher. Morawietz würde auf keinen Fall an allen fünf Sonntagen öffnen. Denn für sein Geschäft waren die in der Vergangenheit nie besonders erfolgreich.

Neuregelung noch nicht in trockenen Tüchern

„Lieber weniger und dafür alle“, meint Ortmann, „das ist doch auch für die Kunden schöner“. Wenn die an einem Sonntag in die Stadt kämen und ein Laden geöffnet hat, der nächste aber wieder nicht sei das doch schade. Bosnjak sieht das ganz ähnlich. „Zwei Sonntage wären super für uns.“ Ihre Befürchtung ist, dass sich die Umsätze nur verteilen, wenn den Kunden auch die Sonntage zum Shoppen zur Verfügung stehen.

Ob im Dezember wirklich an allen fünf Sonntagen geöffnet werden kann, ist allerdings noch unklar. Das Oberverwaltungsgericht Münster könnte die Neuregelung noch für unzulässig erklären. Den kleineren Händler in der Innenstadt würde das wahrscheinlich nichts ausmachen.

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