Eine Woche Click & Meet in Dortmund: Das Einkaufen mit Termin funktioniert. Die Händler freuen sich über die Möglichkeit der Kundenbindung. Auch, wenn es für viele Händler nicht die Rettung bedeutet, sollte es auch bei steigenden Infektionszahlen nicht wieder zurückgefahren werden. © Grafik Klose/Schaper
Meinung

Vergesst die 100er-Inzidenz! Sonst ist Click & Meet bald wieder vorbei

Nach einer Woche zeigt sich, dass Click & Meet in Dortmund funktioniert. Unser Autor plädiert dafür, dieses Termin-Shoppen auch bei einer Inzidenz von über 100 nicht wieder aufzuheben.

Von öffentlichen Tauschbörsen für Shopping-Termine ist mir bisher noch nichts bekannt. Gleichwohl kursieren in den Sozialen Medien schon Witze: Biete 25 Minuten C&A in bester Lage ab 16.45 Uhr am Mittwoch in drei Wochen für eine halbe Stunde Elektrofachhandel vormittags – kann auch am Samstag sein.

Was so humorvoll beschrieben wird, entbehrt nicht einer gewissen Realität. Bei Ikea im Indupark beispielsweise gibt es in diesen Tagen keinen freien Termin mehr. Das Einkaufen mit Terminangebot – auf Neudeutsch heißt es Click & Meet – ist also durchaus begehrt.

Ich bin ganz ehrlich: Das erste Mal gehört habe ich von dieser Lockdown-Lockerungsvariante im Live-Talk unserer Redaktion mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart am 23. Februar. Spontan habe ich das Shoppen mit Termin, das der FDP-Mann als Alternative zur strikten Zwangsschließung kurz erwähnte, für eine spinnerte Idee gehalten.

Alle großen Kaufhäuser machen mit

Aus zwei Gründen: weil es im Vergleich zum boomenden Onlinehandel für die Verbraucher zu umständlich ist, und weil es sich für die großen Warenhäuser mit Blick auf den organisatorischen Aufwand und die Personal- und Betriebskosten gar nicht rechnet.

Nach einer Woche Click & Meet ist nun festzustellen, dass von Karstadt über C&A bis P&C alle mitmachen und froh sind, trotz der Einschränkungen ihrem eigentlichen Geschäft wieder nachgehen und Kunden bedienen zu können. Außerdem funktioniert es: Die Kunden sind diszipliniert und die Hygiene-Auflagen werden befolgt.

Das heißt: Mit Click & Meet ist der Einzelhandel kein Infektionstreiber. Vor allem für die kleineren Läden wie Boutiquen, Galerien oder Einrichtungshäuser, in denen sich auch in normalen Zeiten nur wenig Kunden gleichzeitig aufhalten, ist dieses Shoppingmodell enorm wichtig.

Die Forderung an die Politik lautet: Auch wenn die Infektionszahlen derzeit steigen, darf bei Erreichen der 100er-Notbremse-Inzidenz in NRW Click & Meet nicht wieder zurückgenommen werden. Im Gegenteil: Dieses Shoppen muss sogar noch durch die Öffnung der Gastronomie flankiert werden. Handel und Gastronomie gehören zusammen!

Corona-Simulator: Inzidenz Ende März über 100

Wird bei einem Inzidenzwert von 100, wie von Bund und Ländern beschlossen, die Notbremse gezogen, muss vielleicht schon in der nächsten Woche wieder alles zurückgedreht werden. Im Oktober hat es nur wenige Tage gedauert, bis in Dortmund der Inzidenzwert von 70 auf über 100 stieg.

Und Pharmazie-Professor Thorsten Lehr hat mit seinem Corona-Simulator, mit dem er bisher die Entwicklung der Infektionszahlen immer richtig vorausgesagt hat, berechnet, dass Ende März bundesweit der Inzidenzwert über 100 liegen wird.

Die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen, darf allerdings nicht mehr der alles entscheidende Faktor in dieser Pandemie sein. Mit massenhaften Tests durch kostenlose Schnelltests und Selbsttests werden viele Infektionen festgestellt, die sonst nicht festgestellt würden. Man muss also die positiven Testergebnisse zu den negativen ins Verhältnis setzen.

Ferner wurde die Stilllegung ganzer Wirtschaftsbereiche immer damit begründet, dass eine Überlastung unseres Gesundheitssystems vermieden werden müsse. In Dortmund steigt zwar die Zahl der Infizierten, die Zahl der Covid19-Patienten in den Krankenhäusern sinkt allerdings. Auch die Todesfälle im Zusammenhang mit Covid19 gehen zurück.

Deshalb: Solange es die Patientenzahl erlaubt, muss es bei der vorsichtigen Öffnung des Handels bleiben. Es braucht Verlässlichkeit und Perspektive – und kein Vor-und-zurück auf der Basis nur eines Indikators!

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle
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