Corona-Hilfe für Vereine: „Mitglieder können keine Beträge zahlen“

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Die Corona-Krise trifft gerade kleinere Vereine hart und mit ihnen ihre Mitglieder. Ein „Vereinstopf“ soll nun allen finanziell unter die Arme greifen. Der Schuh drückt an vielen Stellen.

Huckarde

, 08.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Keine Turniere, keine Feste, keine Auftritte: Den Vereinen fehlen wegen der Corona-Krise fest eingeplante Einnahmen. Dem gegenüber stehen laufende Kosten und Vereinsmitglieder, die in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Die Bezirksvertretung (BV) Huckarde hatte deshalb beschlossen, den Vereinen im Stadtbezirk finanziell unter die Arme zu greifen. Zunächst sollen dafür 25.000 Euro zur Verfügung stehen. Diese Summe könne allerdings je nach Ausmaß der finanziellen Probleme angepasst werden, so die Bezirksvertreter.

„Es haben sich schon einige Vereine bei uns gemeldet oder auf unser Hilfsangebot reagiert“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Stefan Keller. Die Probleme seien vielschichtig.

Trainingsbetrieb startet wieder

Die DJK Blau-Weiß Huckarde beispielsweise startet am Montag (8.6.) ihren Trainingsbetrieb in Kleingruppen und unter Einhaltung der Corona-Regelungen.

„Besonders für die Kinder, die jetzt wochenlang Zuhause waren und sich nicht viel bewegen konnten, vielleicht noch nicht einmal einen Balkon oder Garten zur Verfügung hatten, ist das jetzt absolut wichtig und gut“, sagt Vereins-Geschäftsführer Sebastian Pagel.

Der Verein benötige wegen des Trainingsbeginns allerdings auch entsprechend viel Desinfektionsmittel und -spender. Für diese Investition und auch um laufende Kosten besser decken zu können, sei der BV-„Vereinstopf“ goldwert.

„Wir haben ja im Gegensatz zu vielen anderen noch Glück, dass unsere größeren Veranstaltungen eher im Winter stattfinden“, sagt Sebastian Pagel. Dennoch sei der Verein dankbar für die aktive Hilfe der Bezirksvertretung.

Etwas anders sieht es beim TuS Deusen aus, dem bereits zahlreiche Einnahmen von Spielen, Verkäufen bei Heimspielen und dem Platzverkauf beim Training fehlen. „Die Krise hat kleine Vereine wie uns hart getroffen“, sagt Geschäftsführer André Migdalsky.

Kosten sparen kann aufhören

Um Kosten zu sparen habe der Verein beispielsweise Kühlschränke und Heizungen in den Vereinsräumen abgestellt. Jetzt, wo der Trainingsbetrieb langsam wieder aufgenommen wird, sollte aber beides laufen.

Die finanzielle Unterstützung der BV kommt also gerade recht. „Da besteht eine wirklich gute Zusammenarbeit“, sagt André Migdalsky. „Wir sind dankbar und freuen uns über das Rettungspaket.“

Nicht nur Sport- sondern auch Kulturvereine haben in der Corona-Krise finanzielle Schwierigkeiten.

Nicht nur Sport- sondern auch Kulturvereine haben in der Corona-Krise finanzielle Schwierigkeiten. © Archiv

Beim Trommlercorps St. Barbara mussten sich die Verantwortlichen entscheiden, welches Loch als erstes geflickt werden muss: das im Geldbeutel oder das auf dem Dach. „Die Dachreparatur in den Vereinsräumen ist allerdings so teuer, dass sie den Rahmen sprengen würde“, sagt der musikalische Leiter Franz-Josef Kortmann.

Deshalb werde das Trommlercorps das Geld nutzen, um fehlende Konzert-Einnahmen auszugleichen und die Miete zu bezahlen. Für die erste Probe seit Beginn der Krise musste zudem extra die Alte Schmiede angemietet werden, um die Abstände der Blasmusiker einhalten zu können.

„Hätte ich das alles gewusst, hätte ich nicht noch in neue Instrumente und Vereinsfahrten investiert“, sagt Franz-Josef Kortmann. „Ohne Hilfe kommen wir jetzt nicht übers Jahr.“

Mitglieder können nicht mehr zahlen

Beim TuS Rahm sind nicht nur die eigenen fehlenden Einnahmen von knapp 7000 Euro das Problem. Manche Vereinsmitglieder, gerade Rentner, sind aufgrund der Corona-Krise knapp bei Kasse. „Das liegt uns wirklich am Herzen, dass wir da mit dem Geld aus der BV aushelfen können“, sagt der Vorsitzende Heinz Wangneth.

Er sei heilfroh über die Unterstützung und hoffe, dass dabei vielleicht auch noch etwas für die Jugendarbeit übrig bleibe. „Aber ich muss auch sagen, dass unsere Mitglieder und Werbepartner uns da immer viel Geld dazu geben, weil uns die Kinder wichtig sind.“ Dafür baut der Verein derzeit auch seine Räumlichkeiten aus.

Wie viel Geld welcher Verein bekommt, könnte sich bei der BV-Sitzung am 17. Juni (Mittwoch) entscheiden.

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