Unwetter: Marten drohte zu versinken

DORTMUND Der Stadtteil Marten ist am Wochenende nur knapp einer verheerenden Katastrophe entgangen: Die Feuerwehr hatte sich schon auf die Evakuierung von bis zu 10.000 Menschen vorbereitet.

von Von Andreas Wegener

, 28.07.2008, 22:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Um ein Haar wäre der Stadtteil Marten versunken. Im Pumpwerk der Emschergenossenschaft (die weißen Häuser rechts im Bild) waren zwei von drei Hochleistungspumpen ausgefallen.

Um ein Haar wäre der Stadtteil Marten versunken. Im Pumpwerk der Emschergenossenschaft (die weißen Häuser rechts im Bild) waren zwei von drei Hochleistungspumpen ausgefallen.

Weil im Pumpwerk der Emschergenossenschaft, das die Siedlungen im so genannten Martener Polder entwässert, zwei von drei Hochleistungspumpen ausgefallen waren, drohte der Stadtteil komplett zu versinken. „Ich habe in der Nacht Blut und Wasser geschwitzt“, kommentierte Feuerwehr-Chef Klaus Schäfer, „die Katastrophe stand am Horizont“. Glücklicherweise sei ein weiteres Gewitter an der Stadt vorbei gezogen und die dritte Pumpe arbeitete weiter. „Dabei stand der Elektro-Motor unter Wasser. Das ist für mich das Wunder von Marten“, so Diplom-Ingenieur Schäfer. Die Pumpen der Emschergenossenschaft fördern bis zu fünf Tonnen Wasser pro Sekunde – rund 60 Mal soviel, wie ein Löschzug der Feuerwehr abpumpen kann. Das zwei der drei Pumpen nass wurden und ausfielen, könnte an Schlamperei beim Neubau der Anlage liegen. Schäfer: „Das Werk ist mit einer Hochwasser-Schutzmauer umgeben, doch das Wasser konnte durch Löcher in den Wänden eindringen. Offenbar sind Rohr-Durchleitungen nicht richtig abgedichtet worden.“ Die Schäden in Marten, wo ganze Straßenzüge komplett unter Wasser standen, wären nach Aussage von Schäfer deutlich geringer ausgefallen, hätte das Werk weiter mit voller Kapazität gepumpt. „Dann hätte es zwar auch ein paar überflutete Keller gegeben, das wäre es aber auch gewesen.“ Die Emschergenossenschaft wies die Kritik am Montag zurück. „Die Pumpen fielen erst aus, als die Regenmassen bereits durchgeflossen waren“, erklärte Unternehmenssprecherin Patricia Bender auf RN-Anfrage. Eine volle Funktionsleistung hätte die Überschwemmung von Marten allenfalls zeitlich verzögert, heißt es. Und: Das Wasser sei über die Schutzmauer geflossen, nicht durch Löcher in den Wänden. Auch von anderer Seite gibt es Kritik an der Emschergenossenschaft. In der so genannten Negerdorf-Siedlung in Dorstfeld, die am Samstag zum wiederholten Male unter Wasser stand, wurden gestern inmitten der Aufräumarbeiten Unterschriften gesammelt. Die Anwohner drohen mit einer Klage gegen die Emschergenossenschaft, weil sie sich gegen die angrenzende Emscher unzureichend geschützt fühlen.

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