Urteil steht bevor

Unterstützte er Anis Amri? Verteidiger wollen Freispruch für Dortmunder

Ein Dortmunder soll Islamisten radikalisiert und eng mit dem Berlin-Attentäter Anis Amri kooperiert haben. Kurz vor dem Urteil haben seine Verteidiger vor Gericht das Wort ergriffen.
Boban S. ist wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagt. Dieses Bild entstand zu Prozessbeginn im Jahr 2017. © dpa

Seit November 2016 sitzt er in Haft, jetzt steht ein Urteil unmittelbar bevor. Im Terror-Prozess gegen das mutmaßliche Netzwerk von Hassprediger Abu Walaa haben am Dienstag die Verteidiger des Dortmunder Mitangeklagten, der auch Berlin-Attentäter Anis Amri radikalisiert haben soll, ihr Plädoyer gehalten.

Dabei haben sie einen Freispruch für Boban S. gefordert. Die Bundesanwaltschaft sieht seine Beteiligung ganz anders und hat bereits neuneinhalb Jahre Haft wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland gefordert. Der heute 41-Jährige soll seine Dortmunder Wohnung als Gebetszentrum genutzt und dort auch zeitweise Anis Amri beherbergt haben, der später zwölf Menschen in Berlin tötete.

Dem mutmaßlichen Deutschland-Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Walaa, und insgesamt drei Mitangeklagten wird vorgeworfen, junge Menschen vor allem im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim islamistisch radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt zu haben.

Die Männer stehen wegen Unterstützung des IS und Mitgliedschaft in der Terrormiliz seit September 2017 vor Gericht. Die Urteile sollen in der kommenden Woche fallen.

Viele der Kontaktpersonen reisten zum IS aus

In dem Prozess hatte das Gericht eine lange Liste von Islamisten benannt, die nach Zeugenaussagen von dem Dortmunder und einem weiteren Mitangeklagten in Duisburg radikalisiert wurden. Viele von ihnen reisten zum IS aus oder waren wie der ebenfalls aufgelistete Amri später an Anschlägen beteiligt.

Unbemerkt von den Sicherheitsbehörden blieb das Tun der Gruppe um Abu Walaa nicht. Unter anderem in Dortmund war regelmäßig V-Mann „Murat“ des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen dabei, jener „VP-01“, der sich auch an die Fersen von Amri heftete. Auch unbemerkt gefertigte Fotos eines Treffens in der Dortmunder Wohnung wurden in dem Prozess gezeigt.

Mit Material von dpa

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