Die Priorisierung bei der Corona-Schutzimpfung darf sich nicht an der Wohnform der Senioren orientieren. © dpa
Meinung

Unterschiede bei den Corona-Impfungen sind verletzend, absurd und zynisch

Der Unterschied, der beim Impfen zwischen den Senioren in der ambulanten und der stationären Pflege gemacht wird, ist nicht in Ordnung. Andere Regeln müssen her, fordert unsere Autorin.

Es gibt viele Baustellen rund ums Impfen gegen das Coronavirus. Die Vorrangigkeit von stationären Pflegeeinrichtungen gegenüber anderen Formen des betreuten Wohnens ist eine davon.

Diese Priorisierung ist für die Betroffenen verletzend, und sie wird absurd, wenn in Heimen mit verschiedenen Wohnbereichen unter einem Dach nur die – im Sinne des Sozialrechts – „stationären Bewohner“ geimpft werden dürfen, nicht aber die ambulant betreuten. Sie schauen mit Unverständnis und Wut zu, wenn das Impfteam seiner Wege zieht.

Die Angehörigen beider Gruppen sind meist über 80 Jahre alt und damit von gleich großer Verletzlichkeit. Ob in Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände oder privaten Seniorenheimen – in angebundenen Häusern werden sie vom selben Personal versorgt, einschließlich der Hilfestellungen, Körperpflege und Medikamentengabe. Sie haben ähnliche Kontakte, benutzen dieselben Aufzüge, sind nahezu denselben Risiken ausgesetzt – und haben dieselbe Angst sich anzustecken.

Stadt klammert sich an Impfverordnungen

Entscheidend darf doch nicht die Wohnform sein, sondern es müssen die sogenannte Vulnerabilität und das Infektionsrisiko zugrunde gelegt werden. Was macht also den Unterschied?

Die Stadt klammert sich an die Impfverordnungen des Bundes und die Bestimmungen des Landes. Sie impft, wie es die Politik ihr vorgibt – nicht, wie es sinnvoll wäre.

Dabei scheint das unter praktischen Gesichtspunkten möglich. Andere Städte schaffen das schließlich auch, erweisen sich flexibler als Dortmund. Die Festlegung der Reihenfolge der Senioren- und Pflegeheime erfolgt in Dortmund durch das Sozialamt. Dort hat man die Sorge, sich wegen der vielen verschiedenen Angebote des Servicewohnens mit vielen Wünschen nach mobilen Impfteams auseinandersetzen zu müssen.

Nnicht mitgedacht

Die Befürchtung ist, dass auch aus einer Nachbarschaft mit sehr hoher Altersstruktur „der Wunsch nach Gleichbehandlung und einem Vor-Ort-Impfangebot an uns herangetragen werden“, wie es formuliert wird.

Für die Betroffenen muss das zynisch klingen. Sie wohnen schließlich nicht aus Jux und Dollerei in betreutem Wohnen, sondern, weil sie auf Hilfe angewiesen sind. Für diese Gruppe ist auch bei Bund und Land nicht mitgedacht worden.

Die Stadt muss sich bewegen, aber an erster Stelle sind Land und Bund gefordert. Das gilt auch für das Verfahren mit den Hochbetagten, die noch in den eigenen vier Wänden leben, aber nicht mehr mobil sind. Auch hier muss nachgebessert werden – spätestens wenn ein Impfstoff zur Verfügung steht, der in der Handhabung und hinsichtlich der logistischen Erfordernisse einfacher ist.

Auch im laufenden Prozess sind Pannen zu beseitigen, wobei das Grundübel der Mangel an Impfstoff bleibt.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
Zur Autorenseite
Gaby Kolle

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.