Unterbringung von Flüchtlingen wirft Fragen auf

Leere Unterkünfte

Bei der Frage der Flüchtlingsunterbringung steht die Stadt Dortmund jetzt vor dem Spagat, Kapazitäten abzubauen und zugleich für möglicherweise wieder steigende Zuwanderung vorzusorgen. Dabei gibt es jede Menge offener Fragen.

DORTMUND

, 15.01.2018, 03:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unterbringung von Flüchtlingen wirft Fragen auf

Die Stadt hat schon zahlreiche Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge geschlossen oder – wie hier an der Breisenbachstraße zwischen Nette und Oestrich – die Kapazitäten verringert. © Stephan Schuetze

Der große Druck ist raus. Nur etwas mehr als 400 Flüchtlinge musste die Stadt im vergangenen Jahr nach Zuweisung durch das Land neu unterbringen – 2016 waren es 2704, 2015 sogar 4137. Stand letzte Woche lebten insgesamt 7453 anerkannte oder geduldete Flüchtlinge in Dortmund, fast 90 Prozent von ihnen in eigenen Wohnungen. Die Folge: Die von der Stadt eingerichteten Gemeinschaftsunterkünfte sind mit 791 Menschen nur noch zur Hälfte belegt.

Es könnten in den nächsten Wochen wieder etwas mehr werden. Denn seit Anfang November 2017 werden der Stadt nach längerer Pause wieder Flüchtlinge zugewiesen, die sie als Kommune unterbringen muss. Zurzeit sind es 30 Flüchtlinge pro Woche, berichtet Sozialdezernentin Birgit Zoerner. Und sie rechnet damit, dass es auf diesem Niveau weitergeht. Letzte Gewissheit darüber gibt es allerdings nicht. Die weitere Entwicklung hängt von der allgemeinen politische Lage und der Politik des Landes ab.

Bis zu 1100 Flüchtlinge mehr

Denn es gilt, bei der Aufnahme unterschiedliche Quoten zu erfüllen. Nach dem Landesaufnahmegesetz, das – vereinfacht gesagt – nur die Einwohnerzahl und die Fläche einer Stadt als Verteilschlüssel berücksichtigt, hätte Dortmund Nachholbedarf bei der Unterbringung und müsste 2018 bis zu 1100 Flüchtlinge neu aufnehmen.

Aber: Mit Blick auf die Wohnsitzauflage hat die Stadt die Vorgaben deutlich übererfüllt. Bei der Errechnung dieses Schlüssels werden auch Faktoren wie die Arbeitslosenquote und die Zahl der in einer Stadt lebenden EU-Zuwanderer berücksichtigt. „Wir halten es für sinnvoll, dass beide Quoten zusammengeführt werden“, erklärt Birgit Zoerner.

Nur noch sieben Quartiere in Betrieb

Angesichts der Unklarheiten steht die Stadt vor der Frage, ob es ratsam ist, weitere Gemeinschaftsunterkünfte aufzugeben. Von einst 20 Quartieren sind ohnehin nur noch sieben in Betrieb. Und an der Breisenbachstraße in Nette wurde die Kapazität durch die Aufgabe eines angemieteten Gebäuderiegels um 132 Plätze verringert. Rund 400 Plätze sind übrig – wobei zuletzt auch noch 43 Bewohner des evakuierten Hannibal-Wohnblocks in der Unterkunft lebten. Ziel ist es, sie ebenso wie die Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen.

Man wolle aber auf jeden Fall eine ausreichende Reservekapazität vorhalten, um für einen Wiederanstieg der Flüchtlingszahlen vorbereitet zu sein, erklärt Stadtdirektor Jörg Stüdemann. Für den Notfall stehen auch noch die von der Stadt 2016 gekauften Traglufthallen zur Verfügung, die nach dem Abbau eingelagert wurden.

Hilfe im Bürokratie-Dschungel

Gefragt ist die Stadt aber auch bei der Integration der 7453 Flüchtlinge, die in eigenen Wohnungen leben. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Anlaufpunkte unter dem Titel „Lokal willkommen“, in denen Flüchtlingen bei Experten von Stadt und den Wohlfahrtsverbänden Rat und Hilfe etwa im Bürokratie-Dschungel finden.

Nach dem erfolgreichen Pilotversuch in Brackel für die Stadtbezirke Brackel und Aplerbeck, sollen in diesem Jahr zwei weitere Willkommens-Lokale eingerichtet werden: Für die Stadtbezirke Mengede und Huckarde vorübergehend im Gemeindehaus an der Westerfilder Straße 11a in Westerfilde, für Hörde und Hombruch am Schildplatz in Hörde. Wann sie eröffnen, steht noch nicht fest, teilte Stadtsprecherin Anke Widow auf Anfrage mit.

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