Durch einen Unfall mit einem E-Scooter verletzte sich Khadija Bouizar so schwer, dass sie ihren Beruf wohl nicht mehr ausüben kann. © Lydia Heuser
Dortmunderin klagt an

Unfall zerstörte ihre Zukunft: „Ich bin richtig krank durch den E-Roller“

Eine Dortmunderin stürzt mit einem E-Roller so schwer, dass sie operiert werden muss - und ihren Beruf vielleicht nicht mehr ausüben kann. Hätte der Unfall von der Verleihfirma verhindert werden können?

Für die Dortmunderin Khadija Bouizar lief es richtig gut im Spätsommer 2020. Im Oktober wollte die gelernte Restaurant- und Hotelfachfrau einen neuen Job antreten, doch eine kurze Spritztour mit einem E-Scooter zerstörte die Zukunft der jungen Frau.

„Ich dachte, ich sterbe an dem Tag“

„Wir haben die Scooter nur zum Spaß gemietet“, erinnert sich Khadija Bouizar – das war in der Nacht vom 17. September auf den 18. September 2020. Sie war schon fast an ihrer Wohnung angekommen, wollte an der Rheinischen Straße in Dorstfeld aber noch einen E-Scooter mieten.

Viele hätten an dem Abend da „kreuz und quer“ rumgestanden. Sie entschied sich für einen Scooter des Anbieters Lime. Der elektrische Roller kann auf bis zu 20 km/h beschleunigen. „Der hat richtig gezogen“, sagt Khadija Bouizar. Und plötzlich habe da ein Kollege gestanden. „Ich hatte Angst, in ihn reinzufahren.“

An der Rheinischen Straße in Dorstfeld stürzte Khadija Bouizar mit dem E-Scooter.
An der Rheinischen Straße in Dorstfeld stürzte Khadija Bouizar mit dem E-Scooter. © Lydia Heuser © Lydia Heuser

Alles sei viel zu schnell gegangen. Auf einmal habe sie am Boden gelegen, die Handbremse hatte offenbar nicht funktioniert. „Ich habe nur noch Schmerzen gespürt“, sagt sie. „Ich dachte, ich sterbe an dem Tag.“

Arm kaputt, Job verloren

Ihr rechter Arm sei verdreht gewesen, ihr linkes Knie „zerfetzt“, ihr Kopf tat weh. „Der Abend war ein Alptraum.“ Im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass der Arm gebrochen ist, eine Operation unumgänglich, „sonst wäre der Arm steif geblieben“.

Knapp eine Woche nach dem Sturz werden der jungen Frau Schrauben und Schienen in den Arm eingesetzt, dann beginnt für sie eine lange Heilungsphase.

Den Job konnte sie nicht antreten. Mit dem Sturz „war die ganze Geschichte vorbei“.

Seit ihrem Sturz fallen Khadija Bouizar immer wieder E-Scooter auf, die im Weg rumliegen. © Khadija Bouizar © Khadija Bouizar

Noch heute nach etlichen Physiotherapie-Stunden und regelmäßigen Übungen zur Herstellung der Beweglichkeit hat sie noch Schmerzen und kann den Arm immer noch nicht komplett durchstrecken.

Die Bremse war defekt

Am Tag nach dem Sturz kontaktierte die Dortmunderin sofort den Verleiher Lime. „Der Roller muss von der Straße weg“, fand sie. Doch am Abend stand der Roller immer noch dort.

Sie meldete ihre Beobachtung Lime per Mail und rief die Polizei, damit sie den defekten Roller aus dem Verkehr ziehe. Die Beamten nahmen den Roller mit und stellten fest, dass die Bremse offenbar defekt war. Daraufhin beantragte die Staatsanwaltschaft Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Ein 30-jähriger Mann, der bei der Firma Lime Bike als sogenannter Operation Manager im Ruhrgebiet die Verantwortung für die E-Scooter trägt, wurde zu einer Geldstrafe von 600 Euro verurteilt. Gegen den Strafbefehl legte der Mann Einspruch ein.

Am 2. Juli wird der Fall vor dem Amtsgericht in Dortmund erneut verhandelt. Bernd Andernach will Khadija Bouizar als Nebenklägerin vertreten und fordert einen fünfstelligen Betrag als Schmerzensgeld.

Hätte Unfall vermieden werden können?

Die junge Frau hofft, eine Umschulung machen zu können, denn ihren Beruf kann sie vielleicht nie mehr ausüben. „Was mir passiert ist, kann jedem passieren“, sagt sie. Deshalb hat sie sich auch entschieden, ihren Unfall öffentlich zu machen.

„Ich bin richtig krank durch den E-Roller.“ Ein Lime-Sprecher erklärt gegenüber unserer Redaktion: „Sicherheit hat für uns höchste Priorität. Deshalb überprüfen wir regelmäßig unsere Fahrzeuge, ob alle voll funktionsfähig sind.“

Die Fahrzeugflotte werde regelmäßig gewartet und bei „unsachgemäßer Benutzung und Beschädigung“ kümmere sich Lime um eine Inspektion und die Reparatur. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Kontrolle in der Verantwortung des Angeklagten lag und der Unfall hätte vermieden werden können.

Ob Khadija Bouizar als Nebenklägerin zugelassen wird, ist noch nicht entschieden. Am 2. Juli wird sie spätestens erfahren, ob ihr Schmerzensgeld zugesprochen wird.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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