Umweltverbände fordern Auto-Spuren für Radfahrer zu reservieren

dzStraßenverkehr

Die Corona-Krise sorgt für weniger Autoverkehr. Ein Bündnis aus Umweltverbänden fordert deshalb, zumindest zeitweise Auto-Fahrspuren in Radfahrstreifen zu verwandeln.

Dortmund

, 18.05.2020, 14:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Berlin hat es vorgemacht. Paris auch. In den beiden Hauptstädten wurden Fahrspuren von Hauptverkehrsstraßen in den vergangenen Wochen zu Radfahrspuren erklärt. Daran soll sich nach Ansicht eines Bündnisses von zwölf Fahrrad- und Umweltverbänden auch die Stadt Dortmund ein Beispiel nehmen.

Das Bündnis fordert die Stadt auf, an einigen mehrspurigen Hauptverkehrsstraßen den rechten Fahrstreifen mindestens für die Dauer der Corona-Krise in einen Radfahrstreifen umzuwandeln.

Offener Brief an den Oberbürgermeister

„Viele vierstreifige Straßen in Dortmund sind überdimensioniert, dort würde ein Fahrstreifen pro Richtung eigentlich ausreichen“, erklärt Sven Teschke von „Aufbruch Fahrrad Dortmund“. Das gelte in der Corona-Krise wegen des stark zurückgegangenen Verkehrs umso mehr.

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In einem offenen Brief an den Oberbürgermeister schlägt das Bündnis vor, in solchen Fällen Teile der Fahrbahn temporär für den Radverkehr zu nutzen - mit ausdrücklichem Hinweis auf die Beispiele aus Berlin, Brüssel, Mailand und Paris.

Zahlreiche Verbände beteiligt

Dortmund könne das auch und solle dem Vorbild dieser Städte folgen, fordert das Bündnis, zu dem auch die Dortmunder Gliederungen von ADFC, VCD und VeloCityRuhr und von BUND, Greenpeace und Nabu gehören. Auch das Klimabündnis Dortmund, der Bund Deutscher Architekten Dortmund Hamm Unna und die Parents for Future sind mit an Bord.

Mit solchen Markierungen wurden in der französischen Hauptstadt Paris temporäre Radwege eingerichtet.

Mit solchen Markierungen wurden in der französischen Hauptstadt Paris temporäre Radwege eingerichtet. © dpa

„Gerade Umsteigerinnen und Umsteiger, die das Rad vor der Corona-Krise nur selten genutzt haben, brauchen Infrastruktur, die Radfahren ohne Angst ermöglicht. Breite, vom Autoverkehr getrennte Streifen sind da eine gute Lösung“, erklärt Peter Fricke von VeloCityRuhr und Aufbruch Fahrrad.

Wer jetzt zu Fuß gehe, brauche mehr Platz auf den Gehwegen, um die Distanzregeln einhalten zu können. Von neuen Radspuren auf der Straße profitierten deshalb auch die Fußgänger.

Testfahrt bei Demonstration

Am 19. Mai (Dienstag) gibt es Gelegenheit für eine Testfahrt: Auf dem Heiligen Weg wird es nördlich der Ernst-Mehlich-Straße von 17 bis 18 Uhr einen temporären Radfahrstreifen auf dem rechten Fahrstreifen geben. Die Aktion ist als Demonstration angemeldet und wird von der Polizei begleitet.

Der Heilige Weg wurde aus gutem Grund gewählt: „Der Abschnitt unter den Brücken ist für den Radverkehr nicht gut gelöst,“ erklärt Thomas Quittek vom BUND. Denn der Schutzstreifen höre dort einfach auf. Entweder man fahre auf der Fahrbahn zwischen drängelnden Autos, oder man wechsele auf den holprigen Gehweg. Das sei dort zwar erlaubt, aber keine gute Lösung.

„Wo es auf dem Heiligen Weg schmale Schutzstreifen gibt, ist es eigentlich noch schlimmer“, meint Lorenz Redicker vom Verkehrsclub Deutschland und erklärt: „Die Autos orientieren sich an der Linie, und so wird man von fahrenden und parkenden Autos in die Zange genommen. Wenn da plötzlich eine Autotür aufgeht, dann war es das.“

Die neue Straßenverkehrsordnung hat da auch eine neue Rechtslage geschaffen: Autos müssten beim Überholen immer mindestens 1,50 Meter Abstand zu Radfahrenden halten.

Vier Autofahrspuren bietet die Hohe Straße. Jeweils eine pro Richtung könnte für Radfahrer freigegeben werden, meint das Bündnis aus Umweltverbänden.

Vier Autofahrspuren bietet die Hohe Straße. Jeweils eine pro Richtung könnte für Radfahrer freigegeben werden, meint das Bündnis aus Umweltverbänden. © Bastian Pietsch

Das Bündnis betont, dass es nicht pauschal in allen Straßen Radfahrstreifen anlegen will. Man kenne die Bedenken der Verwaltung, die Mehrarbeit befürchtet für Wege, die dann vielleicht nur einige Monate lang genutzt würden. Darum schlage man einige wenige Pilotprojekte an solchen Stellen vor, an denen die Umsetzung ganz besonders einfach sei.

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Änderungen von Ampelschaltungen seien beispielsweise aufwändig, darum habe man gezielt solche Vorschläge gemacht, wo diese nicht erforderlich seien.

Auf der Projektliste stehen neben neben dem Heiligen Weg die Hohe Straße, Teile des Wallrings und der Straßenzug Treib-/Grüne/Steinstraße. Mit den gesammelten Erfahrungen aus den Pilotprojekten könne dann entschieden werden, ob eine Ausweitung sinnvoll sei oder nicht.

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