Viele Demonstranten blieben auf der B1 sitzen, bis die Polizei sie wegtrug. © Schaper
Extinction Rebellion

Umwelt-Demo blockiert die B1 in Dortmund fünf Stunden lang

Eine der größten Straßen nach Dortmund ist am Sonntag fast den kompletten Nachmittag gesperrt gewesen. Umwelt-Aktivisten hatten ab mittags die B1 blockiert – an einer zentralen Stelle.

Die Polizei wusste vorher nichts. Und genau das war die Absicht bei einer Umwelt-Demo, die am Sonntag über Stunden die B1 blockierte. Aktivisten von Extinction Rebellion waren um Punkt 12 Uhr aus mehreren Ecken auf eine zentrale Kreuzung gegangen.

Einige waren an der Haltstelle Voßkuhle aus der U47 gestiegen. Andere kamen mit dem Rad zur größten Ampelkreuzung auf der B1. Aus dem Gebüsch holten sie Plakate und zwei große Leitern.

Für Klima-Gerechtigkeit und schnellen RS1-Ausbau

Beides wurde auf den drei Spuren stadteinwärts aufgebaut. Was für die Autos, die in Richtung Dortmund wollten, sofort bedeutete: Stau. Auch auf den Zufahrtstraßen ging schnell nichts mehr. Der automobile Verkehr mühte sich über Nebenwege. Ein Bild mit Symbolcharakter für die Umwelt-Demonstranten.

Sie forderten nicht nur allgemein ein schnelleres Vorgehen gegen den Klimawandel, sondern auch etwas ganz Konkretes für Dortmund: Der Ausbau des Radschnellwegs RS1, der einmal von Hamm bis Duisburg führen wird, soll deutlich schneller geschehen. Bis zu einer vermuteten Fertigstellung 2030 habe man keine Zeit. Also deklarierten die Demonstranten die B1 zum RS1.

Demonstranten kamen aus ganz Deutschland

Sie sprühten Radweg-Symbole auf den Asphalt und skandierten „Klima-Gerechtigkeit jetzt“. Zur Demo gekommen waren etwa 90 Frauen und Männer verschiedener Generationen – vom Schüler bis zum Rentner, nicht nur aus Dortmund, sondern aus ganz Deutschland.

Ganz bewusst habe man sich einerseits die B1-Kreuzung Voßkuhle ausgesucht, erklärte einer der Sprecher. Und ganz bewusst auch nicht etwa einen Zeitpunkt, mit dem man den Berufsverkehr lahmlegen würde.

Eine zentrale Forderung: Der Ausbau des Radschnellwegs RS1 soll schneller gehen.
Eine zentrale Forderung: Der Ausbau des Radschnellwegs RS1 soll schneller gehen. © Schaper © Schaper

Rettungsgasse für den Krankenwagen gebildet

Das Ziel sei Aufmerksamkeit für die Sache, keine aggressive Blockade um jeden Preis. „Wenn ein Krankenwagen kommt, lassen wir ihn auch durch. Wir haben alles extra so aufgebaut, dass es eine Rettungsgasse gibt“, so der Sprecher. Die hätte fast sogar funktioniert.

Denn zwei Mal während der mehrstündigen Demo rauschten tatsächlich rot-weiße Autos mit Blaulicht heran. Die Umwelt-Aktivisten schrien „Rettungsgasse“ und bildeten sie innerhalb weniger Sekunden. Doch ganz so einfach war es nicht.

Einerseits bogen die Krankenwagen ab, andererseits blieb die Aktion bei aller friedlichen Stimmung eine nicht-angemeldete Demonstration und somit ein Eingriff in den Straßenverkehr.

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Extinction Rebellion blockiert Verkehr auf B1

Einen Versammlungsleiter nannte man nicht

Mit dem würden sich die Demo-Teilnehmer letzten Endes auch selbst gefährden, wie Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt erklärte, als sie am Nachmittag zur Kreuzung kam. Ohnehin waren zunächst nur wenige Polizisten am Ort des Geschehens.

Der erste Schritt: den Verkehr umleiten und somit für Sicherheit sorgen. Der zweite: klären, ob es einen Versammlungsleiter gibt. Doch die Anfrage nach einem solchen lief ins Leere. Auch einen Ansprechpartner nannte man erst nach vielen Stunden, einen Versammlungsleiter gar nicht. Das ließ für die Polizei nur einen Schluss zu: illegale Versammlung, also aufzulösen.

Polizei musste etwa 20 Demonstranten wegtragen

Die Polizei setzte auf Deeskalation, machte aber durch mehrere Ansagen klar: Straße selbst räumen, sonst machen wir das. Nur wenige Demonstranten gingen freiwillig. Also musste die Polizei einige begleiten und rund 20 Personen sogar wegtragen. Am Ende blieben noch die zwei jungen Menschen, die in etlichen Metern Höhe auf den Leitern saßen.

Zwei junge Menschen saßen bis zuletzt in mehreren Metern Höhe auf Leitern. Die Feuerwehr holte sie von dort wieder auf den Boden.
Zwei junge Menschen saßen bis zuletzt in mehreren Metern Höhe auf Leitern. Die Feuerwehr holte sie von dort wieder auf den Boden. © Schaper © Schaper

Der Leiter der Hundertschaft, die aus Wuppertal angefordert werden musste, machte das Vorgehen in direkter Ansprache vom unteren Ende der Leiter deutlich – in einfachen Worten: Wenn die Feuerwehr mit dem großen Auto kommt, werden die Leiter-Sitzer wohl die Kosten tragen müssen.

Die Feuerwehr musste kommen. Um kurz vor 17 Uhr war die B1 dann wieder geräumt. Bis dahin hatten die Umwelt-Demonstranten stundenlang auf der dreispurigen Fahrbahn gesessen, dort teils auch mit Bällen oder Frisbee-Scheiben gespielt, als wäre das ein Park, nicht eine der wichtigsten Straßen der Region.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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