Umstrittenes Hochhaus-Projekt an der Ruhrallee: Neuer Investor gefunden

dzPlatz von Rostow

Lange war es still um das geplante 20-stöckige Hochhaus am Platz von Rostow am Don an der Ruhrallee. Nun taucht ein neuer Investor auf. Der baut bereits an anderer Stelle in Dortmund.

Dortmund

, 16.06.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Vorhaben, den Eingang zur S-Bahn und zur Stadtbahn am Platz von Rostow am Don mit einem Wohnturm zu überbauen, hat für heftige Kontroversen gesorgt. Und tut es immer noch. Obwohl der Rat das Projekt Ende 2018 mehrheitlich durchgewunken hat.

Nun wird es ernst: Die Stadt ist bereit, eine gut 1000 Quadratmeter große Parzelle am südlichen City-Eingang zwischen Ruhrallee und Märkischer Straße zur Bebauung an den Investor zu verkaufen.

Die Wuppertaler Firmengruppe Küpper, die zwischendurch als Bauherr vorgestellt worden war, hat sich längst aus dem Projekt verabschiedet. Dafür ist nun die Gröner Group mit dem Ziel angetreten, den 20-geschossigen, begrünten Wohnturm nach den Plänen des Bochumer Büros Archwerk Generalplaner zu realisieren.

Bonjour Tristesse: Der Platz von Rostow, Dortmunds russischer Partnerstadt gewidmet, soll sich verändern. Die Eingänge für Stadtbahn und S-Bahn bleiben bestehen.

Bonjour Tristesse: Der Platz von Rostow, Dortmunds russischer Partnerstadt gewidmet, soll sich verändern. Die Eingänge für Stadtbahn und S-Bahn bleiben bestehen. © Gregor Beushausen

Die Gröner Group ist in Dortmund keine unbekannte Größe mehr: Sie entwickelt bereits den früheren Bunker an der Ruhrallee zu einem Wohnensemble – Stichwort „Südtribüne“.

Ratsvertreter macht mobil für 120 Jahre alte Platane

SPD und Grüne haben keine Probleme mit dem Vorhaben und dem Verkauf des städtischen Grundstücks am Platz von Rostow. Die größte Sorge der Grünen, der Wohnturm könne die Frischluftschneise in die City zerstören, scheint vom Tisch. Laut einem aktuellen Gutachten werde das Gebäude die Frischluftzufuhr vom Stadewäldchen in die Innenstadt „nicht signifikant beeinträchtigen.“

CDU und Linke melden nach wie vor erhebliche städtebauliche Bedenken gegen das neue Hochhaus an. Es sei zu groß und zu wuchtig für den relativ kleinen Platz. Darüber hinaus weckt das Wohnkonzept ungute Erinnerungen an das leer stehende „Horrorhochhaus“ an der Kielstraße, das bekanntlich bald abgerissen wird.

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Die CDU möchte auf dem Platz von Rostow lieber neuen Büroraum sehen anstatt 120 frei finanzierte Mietwohnungen, von denen 27 Prozent nach freiwilliger Zusage des Investors wie öffentlich geförderte Wohnungen an eine bestimmte Miethöhe gekoppelt werden sollen.

Auch die Absicht des Bauherren, den Wohnturm mit großen Balkonen, Loggien, Wintergärten und einem „Dachgarten“ auszustatten, ändert die Haltung von CDU und Linken nicht. Zudem muss für das von der Ruhrallee anzufahrende Parkhaus eine von vier Platanen gefällt werden.

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Im Gegenzug sollen zwei neue Bäume gepflanzt werden, doch besänftigen kann das Ratsvertreter Detlef Münch nicht. Er sei „bestürzt“, dass eine 120 Jahre alte, unter Schutz stehende Platane gefällt werden solle, macht Münch mobil. Und fordert Planungsdezernent Wilde auf, die Fällung zu verhindern.

Stadt macht der Gröner Group vor Baubeginn Auflagen

Ein Hotel, wie früher vorgesehen, findet keinen Platz mehr im Hochhaus. Es soll tatsächlich ein reiner Wohnturm werden, der zusätzlich ein insgesamt fünf-geschossiges Sockelgebäude bekommt.

Für das Erdgeschoss ist eine Gastronomie vorgesehen. Die vier weiteren Geschosse sollen mit Co-Working-Arbeitsplätzen und möblierten Apartments gefüllt werden, die sich mehrere Mieter teilen („Co-Living“).

Ganz unbeeindruckt zeigt sich die Verwaltung von den strittigen Debatten in der Politik allerdings nicht: Sie macht dem Investor Auflagen. Demnach soll die Gröner Group beim Kauf des Grundstücks eine konkrete Bauverpflichtung unterschreiben. Ein Weiterverkauf der Parzelle vor Fertigstellung des Gebäudes ist nur mit dem „Okay“ der Stadt möglich.

Zudem wird der Investor finanziell auch für die Gestaltung des öffentlichen Raumes (mitsamt Bäumen, Pferdedenkmal und Brunnen) zuständig. Darüber hinaus möchte die Stadt ein Mobilitätskonzept sehen.

Stadtbahntunnel: US-Geldgeber muss gefragt werden

Die Gröner Group plant zwar ein Parkhaus mit 115 Stellplätzen und hat zudem die Möglichkeit, weitere Plätze in der benachbarten HDI-Tiefgarage einzurichten. Gleichzeitig soll der Wohnturm aber auch Fahrradplätze bekommen, E-Ladestationen und Angebote für Car-Sharing.

Zudem erwartet die Stadt eine Expertise über die Auswirkungen auf den Verkehr am Knotenpunkt Märkische Straße/Ruhrallee. Die Zu- und Abfahrten zum Parkhaus, die noch genauer festzulegen sind, dürfen auf der Ruhrallee keinen Rückstau provozieren.

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Dabei birgt der Platz von Rostow für jeden Investor noch ein ganz besonderes Problem: Unter einem weiteren Teil der Fläche verläuft der Stadtbahntunnel. Die Stadt hat die Anlagen vor etlichen Jahren an einen US-Geldgeber vermietet (US-Lease) und die Einnahmen aus dem Geschäft in den Bau des Phoenix-Sees fließen lassen.

Bedeutet: Unter Umständen müssen erst die US-Vertragspartner gefragt werden, ob sie mit einer Überbauung einverstanden sind. Die Stadt will das gemeinsam mit der Kanzlei regeln, die damals auch die Leasingverträge begleitet hat.

Rat hat das letzte Wort

Weniger problematisch scheint, dass die Gröner Group auch eine Parzelle der Bahn AG benötigt: Man sei sich bereits einig, lässt die Gröner Group wissen.

Ein Bauantrag liegt aktuell noch nicht vor. Das letzte Wort hat der Rat am Donnerstag (18.6.): Dann fällt die Entscheidung, ob die Gröner Group in Sachen Wohnturm tatsächlich zum Zuge kommt.

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