Für das Wohnungsunternehmen Dogewo21 an der Landgrafenstraße gibt es große Pläne. © Beushausen
Wohnen in Dortmund

Überraschung am Wohnungsmarkt: DSW21 will Dogewo-Anteile verkaufen

Bahnt sich auf Dortmunds Wohnungsmarkt ein millionenschweres Geschäft an? DSW21 prüft, ein Anteilspaket am Wohnungsunternehmen Dogewo21 an einen anderen Akteur zu veräußern. Der ist kein Unbekannter.

Offiziell herrscht bei den Beteiligten Stillschweigen. Dennoch ist inzwischen aus gut informierten Kreisen durchgesickert, dass bereits erste Gespräche geführt worden sind. Einer der zentralen Punkte: Sollen die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) ihre Anteile am Wohnungsunternehmen Dogewo zurückfahren und dafür einen anderen Gesellschafter stärker zum Zuge kommen lassen?

DSW21-Finanzvorstand Jörg Jacoby zeigt sich auf Anfrage zurückhaltend. Nur so viel: „Wir befinden uns in einem Prüfprozess, dessen Ergebnis vollkommen offen ist.“ Dabei gebe es viele verschiedene Aspekte und mögliche Modelle zu betrachten.

Auch Dogewo-Chef Klaus Graniki gab sich wortkarg. Er könne dazu nichts sagen, ließ Graniki wissen: „Das ist alleinige Sache unserer Gesellschafter.“

DSW21 will ausschließlich an die Sparkasse verkaufen

Davon gibt es exakt zwei: DSW21 hält 90 Prozent Anteile am Dortmunder Wohnungsunternehmen und ist daher der mit Abstand größte Eigentümer. Die weiteren zehn Prozent liegen bei der Sparkasse. Sie könnte künftig eine deutlich größere Rolle spielen: Bei DSW21 wird überlegt, ein Anteilspaket an die Sparkasse weiterzuveräußern. In welcher Höhe und zu welchem Preis, ist vollkommen offen.

Die Sparkasse soll als weiterer Gesellschafter bei Dogewo deutlich mehr Gewicht erhalten. © Beushausen © Beushausen

Wie zu erfahren war, will DSW21 kein Minderheitsgesellschafter werden. Und: Es werde definitiv auch keinem privaten Akteur die Tür geöffnet, heißt es aus Kreisen. Wenn, komme als Partnerin ausschließlich die Sparkasse und damit eine Kooperation innerhalb der kommunalen Unternehmensfamilie in Betracht. Vonseiten der Sparkasse hieß es auf Anfrage, man könne dazu nichts sagen.

Wie groß soll das Verkaufspaket werden? Wie hoch ist der Preis, den DSW21 erzielen könnte? Welche Effekte ergeben sich dadurch für die Sparkasse? Und welche Auswirkungen hätte ein solches Geschäft für die Strategie der Stadt, künftig vermehrt Flächen für den Wohnungsbau bereitzustellen?

Verkauf soll keinen Einfluss auf die Mieten haben

All das soll betrachtet und unter finanziellen sowie strategischen Aspekten abgewogen werden. Die möglichen Modelle sollen dann mit der Politik im zweiten Halbjahr 2021 diskutiert werden. Selbst wenn die Sparkasse bei Dogewo künftig eine größere Rolle einnehmen sollte: Auf die Mieten in den gut 16 300 Dogewo soll eine solche Transaktion keinen Einfluss haben.

Manchmal dreht die Geschichte nur eine Warteschleife: Denn ähnliche Befürchtungen hatte es bereits 1997 gegeben. Damals war die Stadt mit knapp 63 Prozent größter Eigentümer von Dogewo.

DSW21 möchte die Tür bei seinem Wohnungsunternehmen für die Sparkasse weit öffnen – aber kein Minderheitsgesellschafter werden. © Beushausen © Beushausen

Um ihren Haushalt ins Lot zu bringen, trennte sie sich nach langen politischen Diskussionen von ihren Anteilen – und reichte ihr Paket schließlich für 59,8 Millionen Mark an die Stadtwerke weiter, die ohnehin mit 26 Prozent bei Dogewo im Spiel waren. Die zehn-prozentige Beteiligung der Sparkasse ist davon unberührt geblieben.

Skeptiker argumentierten, Dogewo werde fortan gezwungen sein, die Renditewünsche der Stadtwerke zu erfüllen und entsprechend höhere Gewinne an die Deggingstraße abzuführen, statt das Geld im Unternehmen zu belassen. Dadurch entstehe Druck auf die Mieten.

Der Wechsel zu DSW21 ist Dogewo gut bekommen

„Falsch“, hieß es von Seiten der Befürworter. Es sei „noch keine Stadt-Tochter stranguliert worden“. Eine vergleichbare Debatte könnte wieder zu erwarten sein.

Tatsächlich ist Dogewo unter dem Dach der Konzernmutter DSW21 wirtschaftlich gesundet und hat das Unternehmensergebnis in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert.

Für 2020 steht ein Plus von 7,2 Millionen Euro. Wie DSW21 mitteilt, werden davon 2,4 Millionen Euro an die Deggingstraße abgeführt – der Löwenanteil verbleibt bei Dogewo und stärkt die Eigenkapitaldecke des Wohnungsunternehmens.

Mieten liegen im Schnitt bei 5,67 Euro pro Quadratmeter

Darüber hinaus hat DSW21 in den zurückliegenden Jahren mit der Einbringung von Werkswohnungen und Grundstücken in zweistelliger Millionenhöhe das Unternehmen gestärkt und – wie am Phoenix-See – beispielsweise den Bau von öffentlichen finanzierten Mietwohnungen unterstützt.

Der damalige Verkauf an die Stadtwerke liegt inzwischen 24 Jahre zurück. Mit einer durchschnittlichen Miete von 5,67 Euro pro Quadratmeter zählt Dogewo nach wie vor zu den preiswertesten Wohnungsanbietern Dortmunds.

Das Verhältnis zwischen DSW21 und Dogewo gilt als ausgesprochen gut. Bestes Indiz dafür: Mutter und Tochter planen an der Deggingstraße gemeinsam den Bau einer neuen Hauptverwaltung. Dabei soll Dogewo die Projektverantwortung übernehmen.

Über den Autor
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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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