Überlebenskampf der Gastwirte: Außengastronomie als letzte Rettung

dzGastro in Corona-Zeiten

Die Corona-Lockerungen, die in der Gastronomie seit dem 15. Juni gelten, helfen vielen Gastwirten nur wenig. Die Menschen haben Angst vor geschlossenen Räumen, sie wollen draußen sitzen.

Aplerbeck

, 19.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine Reservierungsanfrage, wie sie im Moment immer wieder vorkommt. Im Aplerbecker Ratskeller geht eine Anfrage ein – und die ist wetterabhängig. Bei schönem Wetter, bei dem man draußen sitzen kann, würden acht Personen kommen; bei schlechtem Wetter, bei dem es ins Innere des Ratskellers geht, würden nur fünf Personen kommen.

„Die Gäste haben einfach noch Angst vor geschlossenen Räumen“, sagt Marc Bosiacki. Im elften Jahr führt er zusammen mit seiner Frau Silke die Gastronomie im Untergeschoss des Aplerbecker Amtshauses.

Der Biergarten vor dem Ratskeller in Aplerbeck

Der Biergarten vor dem Ratskeller in Aplerbeck – alle Tische aufgestellt im Sinne der Corona-Abstandsregel. © Jörg Bauerfeld

Ein cooler Gewölbekeller inklusive Biergarten vor dem historischen Amtshaus auf dem Marktplatz. Neben der frischen, gutbürgerlichen Küche, die sich längst in Aplerbeck etabliert hat, ist der Ratskeller auch bekannt für seine Motto-Partys.

Einnahmequellen weggebrochen

Die Partys, die immer eine feste Einnahmequelle waren, fallen auf unbestimmte Zeit aus. Eine weitere große Einnahmequelle, die großen Stadteilfeste im Ortskern wie Bierfest und Apfelmarkt, auch. „Das waren immer unserer Rücklagen für den Winter, wenn mal nicht so viel betrieb war“, sagt Marc Bosiacki. „Das fällt alles weg, in diesem Jahr gehen wir ohne Rücklagen in die kältere Jahreszeit.“

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Das, was im Moment ein wenig Hoffnung macht, ist der Biergarten. „Hier müssen wir Gastronomen der Stadt erst einmal Dankeschön sagen, denn die Stadt hat erst einmal alle Gebühren für die Außengastronomie erlassen und gesagt, da wo es geht, könne man auch vergrößern“, sagt Bosiacki.

Für den Ratskeller bedeutet das im Jahr 2020 rund 2000 Euro Ersparnis. Aber hilft das wirklich? Nur bedingt, denn im Moment bricht das gesamte „Innengeschäft“ weg. Und auch was die Pacht angeht, gibt es nicht unbedingt eine Erleichterung, die wird zurzeit zwar von der Stadt Dortmund, dem Eigentümer des Amtshauses, gestundet, „aber bezahlen müssen wir sie trotzdem irgendwann“, so Bosiacki.

Geringere Gebühren für Außengastronomie

Aber wie kann man den Gastronomen auf längere Sicht helfen? „Die Bezirksvertretung in Aplerbeck hat ja die Stadt Dortmund gebeten, die Satzung für die Außengastronomie zu überarbeiten“, sagt Verwaltungsstellenleiter Michael Rohde. Denn im Moment zahlen die Gastwirte in den Stadtbezirken die gleichen Gebühren für die Plätze in der Außengastronomie, wie die Gastwirte in der Innenstadt.

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Beim Ratskeller gibt es noch ein weiteres Problem. Der Marktplatz ist als Fußgängerzone gewidmet, was die Gebühren steigen lässt. In Aplerbeck will man versuchen, wenn der Rat der Stadt Dortmund nicht der Empfehlung der Bezirksvertretung in Aplerbeck folgt, einen Teil des Marktplatzes umwidmen zu lassen – nämlich da, wo sich der Biergarten des Ratskellers befindet.

Politik versucht zu helfen

Damit würden sich die Gebühren für den Außenbereich halbieren. „Uns ist sehr daran gelegen, dass der Ratskeller weiter von den Pächtern geführt wird, die nun schon im elften Jahr die Gastronomie betreiben“, sagt Michael Rohde. Die Politik in Aplerbeck versuche auf jeden Fall, alles dafür zu tun.

Eine wichtige Rolle kommt dabei auf den Rat der Stadt Dortmund zu, der am Ende entscheiden muss, ob Gebühren für die Außengastronomie dem Standort angepasst werden oder nicht.

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