Von Magdeburg nach Wickede: Über 80 Jahre kennen sich diese Senioren

Jahrzehntelange Freundschaft

Eine Freundschaft über acht Jahrzehnte ist etwas Besonderes: Else Blaess und ihre Freunde aus Magdeburg, die sie extra besucht haben, können viel erzählen - auch über Erlebnisse in Wickede.

von Tobias Weskamp

Wickede

, 10.09.2019, 14:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Von Magdeburg nach Wickede: Über 80 Jahre kennen sich diese Senioren

Sie kennen sich seit über 80 Jahren: (v.l.) Gerta, Dieter und Gertrud Hollenbach, Else Blaess, Manfred Hollenbach, Erika Grudzielanek und Sigrid Marschall. © Tobias Weskamp

Seit ziemlich genau 81 Jahren kennen sich Else Blaess und ihre Freundinnen und Freunde. „Wir sind am 1. September 1938 in eine Neubauwohnung gezogen“, erinnert sich Else Blaess. „Im Nachbarshaus lebte eine Familie, die wie unsere auch vier Kinder hatte.“ In dem Nachbarshaus waren es sechs Mädchen, die sich schnell mit Else Blaess, ihrer Schwester und ihren vier Brüdern anfreundeten.

Die Familien blieben auch im Krieg zusammen

Besonders in den folgenen Kriegsjahren war es für beide Familien schwierig. Aber sie blieben immer zusammen. „Wir wurden auch gemeinsam evakuiert“, beschreibt Else Blaess. Manchmal haben sie zu mehreren in einem Bett geschlafen. „Später kamen wir in Wohnungen in verschiedenen Straßen“, erinnert sich Sigrid Marschall. Aber der Kontakt wurde natürlich gehalten.

„Einmal, vor einem Luftangriff 1945, lagen wir zu sechst in einem Bett“, erinnert sich Dieter Hollerbach (84). „Es hat aber keiner getreten, alle haben sich gefreut, dass wir zusammen waren“, beschreibt Else Blaess.

Einmal gab es Fliegeralarm. „Als Entwarnung gegeben wurde, ging ich mit Bruder und Schwester an der Hand nach draußen, als ein Flieger kam. Er schoss auf uns, traf aber nur die Hauswand“, beschreibt Else Blaess.

Ein anderes Mal haben die Freunde für Flüchtlinge Grieß gekocht. „Die haben sich sehr gefreut. Allerdings hatten sie am nächsten Tag Durchfall, da sie vorher lange nichts gegessen hatten“, beschreibt Else Blaess.

Der Kontakt wurde immer gehalten

Auch über die Jahrzehnte - und über die deutsch-deutsche Grenze hinweg - haben alle immer Kontakt gehalten. „Als mein Mann und ich nach Dortmund gezogen sind, haben wir uns regelmäßig Briefe geschrieben. Telefon hatten wir noch nicht. Ich habe mein halbes Leben in Wickede verbracht“, erzählt Else Blaess, die dem örtlichen Fanfarenkorps angehört.

Auch in Wickede haben sich alle gesehen. „1992 wurde ich 60. Wir haben auf dem Dollersweg im Kroneck gefeiert“, erinner sich Else Blaess. 2001 feierte sie Goldene Hochzeit, und die Freunde kamen. „Wir haben uns jetzt 18 Jahre lang nicht gesehen und gesagt, es ist mal wieder Zeit“, freut sich Else Blaess über den Besuch ihrer Freunde und Verwandten.

Regelmäßige Besuche in Dortmund waren „Pflicht“

Erika Grudzielanek (81) ist genau wie Sigrid Marschall (83) aus Magdeburg gekommen. „In den Fünfzigern habe ich ein paar Jahre bei Hollerbachs hier in Dortmund gelebt“, erzählt sie. Ihren Mann hat sie hier in Dorstfeld kennengelernt. Sie sind dann nach Magdeburg zurück und haben dort geheiratet. „Wir waren aber immer wieder in Dortmund zu Besuch.“ Die Freundschaft untereinander bedeutet ihr wie den anderen sehr viel. „Jeder wusste über jeden Bescheid“, fasst sie die Jahrzehnte zusammen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt