Die bundesweite Aktion „Corona-Tote sichtbar machen“ weist mit Grabkerzen auf die Verstorbenen hin. In Dortmund sind bereits über 200 Menschen in Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben. © picture alliance/dpa
Covid-19-Todesfälle

Über 200 Corona-Tote in Dortmund: Todesfälle in zwei Monaten verfünffacht

Über 200 Todesfälle. Der Blick in die Corona-Statistik für Dortmund zeigt: Seit zwei Monaten entwickelt sich die Todeszahl dramatisch. Die Stadt nennt einen Grund - macht aber Hoffnung.

Der erste Eintrag in der Statistik stammt vom 2. April 2020: Eine 85-jährige Frau war die erste Patientin in Dortmund, die in Folge einer Covid-19-Infektion starb. Seitdem sind 200 weitere hinzugekommen (Stand 13.1.).

Besonders besorgniserregend ist aktuell die Geschwindigkeit, in der sich die Zahlen entwickeln. Als entscheidende Marke lässt sich der 12. November ausmachen: An diesem Tag wurden fünf neue Corona-Todesfälle gemeldet. Zuvor waren es seit Beginn der Pandemie an den allermeisten Tagen keine neuen Todesfälle, maximal zwei.

Seit Mitte November gab es nur 15 Tage, an denen keine neuen Todesfälle vermeldet wurden. Am 30. November war die Meldung mit 10 Fällen erstmals zweistellig.

Seit November steigen die Todeszahlen extrem an

In den ersten sieben Monaten seit dem ersten Todesfall, also von April bis Oktober 2020, gab es in Dortmund insgesamt 26 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona. Seitdem steigt die Zahl der Toten dramatisch an: 54 Menschen mit Covid-19-Infektion starben im November. Im Dezember waren es noch mehr: 85. Im Januar 2021 sind es bislang 36 (Stand 13.1.).

Den November gibt auch Gesundheitsamtleiter Dr. Frank Renken als Wendepunkt an. Seitdem hätten sich die Zahlen dramatisch entwickelt, sagte er am Dienstag nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands.

Am 12. November wies die Statistik für Dortmund 39 Tote aus. Am 13. Januar waren es 201 – eine Verfünffachung innerhalb von zwei Monaten.

Ein Grund dafür lässt sich laut Renken klar ausmachen: „Fakt ist, dass wir seit Oktober/November Ausbrüche in den Pflegeheimen haben. Das hat die Sterblichkeit ganz massiv beeinflusst.“ Ob die geänderten Besuchsregelungen daran Anteil haben oder es andere Gründe gebe, müsse man zu einem späteren Zeitpunkt analysieren.

„Teilweise haben wir da sehr kurze Krankheitsverläufe: Menschen sind infiziert, kommen ins Krankenhaus und bereits wenige Tage später versterben sie. Das liegt daran, dass in den Pflegeheimen diejenigen Menschen am häufigsten vertreten sind, die das größte Risiko haben“, so Renken.

44 Prozent aller Corona-Toten sind 80 bis 89 Jahre alt

Dass besonders ältere Menschen ein höheres Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken, ist bereits seit Beginn der Pandemie bekannt. Auch die Zahlen zu den Dortmunder Todesfällen belegen das: Nur neun der Toten waren jünger als 60. Die größte Gruppe machen mit 85 Fällen (44 Prozent) die 80- bis 89-Jährigen aus.

Im Gegensatz dazu steht der Anteil älterer Menschen am gesamten Infektionsgeschehen: Von den 15.470 Infizierten in Dortmund waren nur 737 (knapp 5 Prozent) zwischen 80 und 89 Jahre alt.

Hoffnung: Impfung ist auch in Einrichtungen mit Corona-Ausbruch möglich

Trotz dieser alarmierenden Zahlen sieht Dr. Renken einen Hoffnungsschimmer: Auswertungen des RKI hätten gezeigt, dass man niemanden schädige, wenn man in den Pflegeheimen impfe, selbst wenn es dort aktuell einen Corona-Ausbruch gebe. Solange die Infizierten kein Fieber hätten und sich gesund fühlen würden, könne man auch diese impfen – wenn sie es möchten.

„Schwere Krankheitsverläufe werden dadurch abgemildert, der Immunschutz, den ich durch die Impfung aufbaue, überholt sozusagen die Infektion und bietet dem Körper einen eigenen Schutz“, so Renken.

Datengrundlage

Todeszahlen für Dortmund

Das Landesamt für Gesundheit in NRW sammelt und veröffentlicht die aktuellen Zahlen zum Infektionsgeschehen täglich auf seiner Homepage. Diese Daten bilden die Grundlage des Textes. Im Gegensatz zu den Angaben der Stadt wird dabei nicht zwischen „ursächlich“ oder „begleitend“ an Covid-19 gestorben unterschieden.

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Jessica Will

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