Über 100 Jahre alter Oldtimer: Puppchen darf nach Jahrzehnten wieder auf die Straße

dzHistorische Fahrzeuge

Der Chrom blitzte, die Augen strahlten - über ein Dutzend Oldtimer und ihre Besitzer standen vor dem Aplerbecker Amtshaus Spalier, um eine ganz besondere Zulassung zu feiern.

Aplerbeck

, 21.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Freitag (21.2.), um kurz nach halb zwölf war der große Moment gekommen. Ein Mitarbeiter der Bezirksverwaltungsstelle Aplerbeck hatte die große Ehre, dem über 100 Jahre alten Fahrzeug, das fast schon majestätisch auf dem Marktplatz vor der Treppe des Amtshauses stand, die Zulassungsplakette auf das Nummernschild zu pappen.

Der Wanderer ist das älteste in Dortmund zugelassene Auto

Holger Ahlefelder und sein Wanderer aus dem Jahr 1918. © Jörg Bauerfeld

Damit war es offiziell. Das älteste in Dortmund zugelassene Auto darf wieder auf die Straße und hat seine Zulassungspapiere im historischen Amtshaus bekommen.

Zahlreiche Oldtimer auf dem Marktplatz

Zahlreiche Mitglieder des Allgemeinen Schnauferl-Clubs (ASC) Deutschland, Landesgruppe Rhein Ruhr, standen mit ihren ebenfalls sehr alten Karossen Spalier für den Ältesten unter ihnen.

Ein wenig zierlich wirkt das alte Gefährt.

Ein wenig zierlich wirkt das alte Gefährt. © Jörg Bauerfeld

Und der strahlte nur so in der Sonne. Der Wanderer mit dem niedlichen Namen Puppchen erblickte 1918 das Licht der Autowelt. Es ist davon auszugehen, dass damals ein kaiserlicher Beamter die Zulassungsbestätigung ausstellte - um ihn dann erst einmal in den Krieg zu schicken.

Schon im Ersten Weltkrieg genutzt

„Der Wagen ist schon im Ersten Weltkrieg gefahren worden“, sagt Holger Ahlefelder, Präsident des ASC und Besitzer von Puppchen. „Auf der Forderachse ist ein Kürzel eingeschlagen. IKD, das heißt Kraftfahrdepot“, erklärt Ahlefelder. Als Ordonanzwagen sei der Wanderer wohl eingesetzt worden. Irgendwann war dann aber auch Schluss mit dem Fahren.

Die Plakette zeigt die Typenbezeichnung des Oldtimers.

Die Plakette zeigt die Typenbezeichnung des Oldtimers. © Jörg Bauerfeld

Der Wagen stand im Sauerland und gammelte vor sich hin, bis Ahlefelder ihn wieder ausgrub und das Fahrzeug restaurierte. Wann „Puppchen“ das letzte Mal offiziell am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen durfte, ist nicht mehr festzustellen. Fakt ist, jetzt darf das Gefährt wieder auf die Straße. Aber wann fährt man so ein Auto? „Wir machen ja vom Schnauferl-Club hin und wieder Ausfahrten. Dann wird auch der Wanderer mit dabei sein“, sagt Ahlefelder.

Erst die Papiere zusammenstellen

Und wie war das mit dem Anmelden? „Der eigentliche Vorgang ist wie bei jedem anderen Fahrzeug auch“, sagt Michael Rohde, Verwaltungsstellenleiter in Aplerbeck. Nur bei dem Wanderer von 1918 gab es dann doch noch eine Besonderheit. Es gab nämlich keine Papiere mehr.

Über Instrumente machte man sich 1918 noch keine Gedanken. Hauptsache der Öldruck stimmt.

Über Instrumente machte man sich 1918 noch keine Gedanken. Hauptsache der Öldruck stimmt. © Jörg Bauerfeld

Über Gutachten mussten die ursprünglichen Papiere wiederhergestellt werden. „Die Kollegen informieren den Besitzer, was er alles für eine Zulassung benötigt. Und dann macht der Besitzer sich auf den Weg und organisiert das alles“, sagt Rohde.

Viele Mitglieder des Allgemeinen Schnauferl-Clubs waren mit ihren Oldtimern zum Marktplatz gekommen.

Viele Mitglieder des Allgemeinen Schnauferl-Clubs waren mit ihren Oldtimern zum Marktplatz gekommen. © Jörg Bauerfeld

Bei Ahlefelder und seinem Wanderer war alles komplett, der Stempel saß und so ging es vom Marktplatz über die Köln-Berliner-Straße wieder in die heimische Garage. Die erste Ausfahrt nach Jahrzehnten für das älteste, in Dortmund zugelassene Auto.

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