TV Brechten hilft einziger Kneipe „jenseits der Autobahn“ durch Krise

dzHilfe für Kneipe

Die Handballer des TV Brechten wissen, was sie am „Treffpunkt“ in Eving haben. Deshalb unterstützen sie Wirtin Petra Volle mit einer Spende – an der Corona-Krise allein liegt das nicht.

Eving

, 14.07.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Damit hat Kneipenwirtin Petra Volle nicht gerechnet. „Als ich nach draußen gerufen wurde, standen da auf einmal 20 Mann“, erinnert sie sich. Was dann folgte rührte die 56-Jährige zu Tränen.

Wolfgang Fiedler und Petra Volle haben den Biergarten gemeinsam eingerichtet.

Wolfgang Fiedler und Petra Volle haben den Biergarten gemeinsam eingerichtet. © Petra Volle

Normalerweise treffen sich die besten Handballer des TV Brechten („die Erste“) am Wochenende mit Freunden im „Treffpunkt“. Wer ein Spiel des Würfelklassikers Schocken verliert, zahlt die nächste Runde. Doch wie geht die Truppe damit um, wenn die Lieblingsbar corona-bedingt schließen muss?

Handballer finden kreative Lösung für Corona-Zwangspause

Die Knobelfreunde verabredeten sich einfach via Skype zu ihrem wöchentlichen Ritual. Akribisch führten sich Buch darüber, wie viele Runden gespielt wurden, bis sie „Lieblingswirtin Petra“ wieder hinter der Theke begrüßen konnten.

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Als es soweit war, wollten die Stammgäste ihre virtuellen Runden in echte ummünzen und empfingen Petra Volle mit einem dicken Umschlag. „Da waren dann 550 Euro drin“, erklärt die Kneipenwirtin. Noch heute bricht ihre Stimme ein wenig, wenn sie davon erzählt.

Auf dem Kuvert stand auch gleich ein möglicher Verwendungszweck der großzügigen Spende: für einen Neuanfang. Den kann Petra Wolle im doppelten Sinne gut gebrauchen.

In einem Kuvert überreichen die Handballer Wirtin Petra Wolle den Gegenwert der Runden.

In einem Kuvert überreichen die Handballer Wirtin Petra Wolle den Gegenwert der Runden. © Petra Volle

Im vergangenen Jahr verstarb überraschend ihr Lebensgefährte. Dabei war er es, der laut Volle die Bar erst „richtig“ zum Laufen brachte. Auch seine Mithilfe vermisst die Brechtenerin schmerzlich: „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es mir nicht manchmal zu viel wird.“

Zu dem Schicksalsschlag konnte Volle keinen Abstand gewinnen. Kein Wunder, wenn einen die tägliche Arbeit stets daran erinnert. Deshalb wollte die 56-Jährige dieses Jahr ein paar Wochen nach Sardinien fliegen, wo sie 17 Jahre lang gelebt hat. Ihre beiden Töchter sind immer noch dort.

Kneipenwirtin Volle hat jahrelang auf Sardinien gelebt

Für den Urlaub hatte sie „jeden Cent“ beiseite gelegt. Doch es kam anders. „Dank Corona hab ich jetzt einen schönen Garten“, meint die Dortmunderin vergnügt. Dem ursprünglich geplanten Neustart standen Pandemie und Reisebeschränkungen zwar im Weg.

Sobald sich die 56-Jährige damit abgefunden hatte, kam ihr eine zweite Idee, was ihrem Leben wieder etwas Schwung verleihen könnte: ein Biergarten. Den Plan dazu hatte sie schon länger, nun kam - wenn auch etwas unverhofft - das nötige Kleingeld dazu.

Treffpunkt ist der einzige Biergarten in Brechten

Vom Ergebnis des Ausbaus sind die Brechtener begeistert: „In Eving ist der Treffpunkt die einzige Gelegenheit draußen zu sitzen, ein Bier zu trinken und BVB-Spiele zu schauen“, meint Wolfgang Fiedler.

Ganz uneigennützig waren die Motive des Stammgasts Fiedler demnach nicht, als er Wirtin Volle beim Ausbau des Außenbereichs half. „Gemeinsam haben wir einen richtigen Zaun angebracht, Tische und Sonnenschirme aufgestellt und auch einige Barhocker mit Kunstleder bezogen“, sagt Fiedler.

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Wie der Brechtener betont, sei der Treffpunkt die einzige Kneipe „jenseits der Autobahn“. Durch das Einrichten des Biergartens hat das Angebot noch mal an Attraktivität gewonnen.

Laut Volle sitzen hier junge Leute genauso gern wie Senioren. Einen Unterschied kann die 56-Jährige aber schon festmachen: „Stammkunden haben wir viele, Laufkundschaft dafür aber eher nicht.“

Auch wenn sich Petra Volle von allen Brechtenern gut aufgenommen fühlt seit sie den Treffpunkt 2012 übernommen hat, am größten bleibt die Verbundenheit zu den Handballern. Auch den Umschlag für den Neuanfang möchte sie behalten: „Der bekommt einen Ehrenplatz.“

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