Tunnel-Eröffnung: Berghofer feiern Jahrhundertbauwerk

DORTMUND Was lange währt, wird endlich super. Die Berghofer feierten mit einem zweitägigen Fest "ihre" Tunnel-Eröffnung: Die neue Schnellstraße schließt die die Lücke im Verlauf der B236 zwischen der Stadtgrenze zu Lünen und Schwerte. Der Tunnel selbst ist 1310 Meter lang und hat 63 Millionen Euro gekostet.

von Von Julia Gaß

, 13.07.2008, 13:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wenn die Reste vom zweitägigen Tunnelfest weggefegt sind, wird das Bauwerk am Montagmittag für den Verkehr freigegeben

Wenn die Reste vom zweitägigen Tunnelfest weggefegt sind, wird das Bauwerk am Montagmittag für den Verkehr freigegeben

Ian Prinz weiß wie Tunnel gebaut werden. Der Fünfjährige kennt jeden Bagger, der in Berghofen seine Schaufeln in den Boden für den Weiterbau der B236 gesteckt hat. Er ist als direkter Nachbar am Falterweg 11 mit der Baustelle aufgewachsen und durfte am Samstag endlich mit seinem Fahrrad in die Röhre gucken – und durchfahren. 

Ian und den anderen Berghofern, die zu Tausenden mit einem zweitägigen Volksfest die 1,3 Kilometer Tunnel und weitere 1,2 Kilometer Schnellstraße feierten, die ab Montagmittag den Fahrzeug-Lindwurm aus dem Wohngebiet saugen, sprach Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee aus der Seele: „Endlich!“ Landesverkehrsminister Oliver Wittke lobte ein „Jahrhundertbauwerk“ und versprach: „Wir werden künftig alle Mittel, die uns der Bund für den Straßenbau zur Verfügung stelle, verbauen, weil wir die Planfeststellungsverfahren beschleunigen. Wir haben bisher jedes Jahr Millionenbeträge an den Bund zurückgegeben.“

Eigentlich recht schmucklose Betonröhre

Was die Handychipkarten hergaben wurde fotografiert in der eigentlich recht schmucklosen Betonröhre. Und neben „Endlich“ war der Akustik-Test „Haaaaalooooo“ das Wort, das man am häufigsten hörte im Schlund der Bundesstraße. „Es klingt gut hier“, freute sich Sabrina Meisner. Mit Hunden, Kinderwagen, Rollstühlen und der Oma eingehakt am Arm, flankiert von Radgruppen wie den „Heißen Reifen“ machten sich die Berghofer auf den Spaziergang durch den Tunnel, der einen weiteren Vorteil hatte: Er war ein guter Regenschutz.

Und er ist auch ein Kunstwerk und ein Novum in NRW: Documenta- und Biennale-Künstler Heinz Mack hat die Tunnelportale gestaltet, und dass auf einer Tunnelröhre ein Freizeitpark mit Obstbäumen und Strecken für Jogger, Radfahrer und Spaziergänger zum künftigen Phoenixsee entstanden ist, ist einmalig in NRW.

Es sind 2,5 Kilometer und vier Fahrspuren, von denen sich die Berghofer viel versprechen. Erst recht wenn die letzte, zwei Kilometer lange Lücke bis zur A1 geschlossen wird. Straßen.NRW-Chef Winfried Pudenz sagte es mit den Rolling Stones, die sich am Samstag auf den Tag genau vor 46 Jahren gründeten: „You get, what you need“ („Sie bekommen, was Sie brauchen“).

Viel Musik und beste Stimmung prägte das Volksfest. Für einen der Höhepunkte und einen Vorgeschmack auf die nächste große Party am Samstag sorgte Schlagzeuger Tonny Liotta, Komponist der Loveparade-Hymne „Drums of love“. Fast heilig gesprochen wurde Tunnelpatin Ulla Burchert von Pudenz und Wittke. Zusammen mit Bundestagsmitglied Erich G. Fritz war sie der Motor des Tunnelbaus.

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