Für Senioren stehen extra Rollstühle bereit am Impfzentrum Dortmund auf Phoenix-West. Ins Gebäude kommen aber nicht alle, die einen Termin haben. © Althoff
Corona-Impfung

Trotz Termin weggeschickt: „Maßlos verärgert“ über Dortmunder Impfzentrum

Wieder sind Senioren und Angehörige aus Dortmund verärgert: Sie hatten Termine vereinbart, extra noch nachgefragt – und wurden doch vom Impfzentrum weggeschickt. Drei Beispiele.

Sie sind nicht die einzigen. Viele Senioren und Angehörige aus Dortmund berichten Ähnliches: Online hätten sie Termine gemacht für das Impfzentrum Dortmund.

Vor Ort auf Phoenix-West aber seien sie von der Security weggeschickt worden. Mit dem Hinweis, sie seien noch nicht 80 Jahre alt und deshalb nicht dran. Ist es so einfach? Selbst Schuld?

Die Betroffenen widersprechen, teils heftig und deutlich. Denn man habe sich doch extra vorher noch erkundigt.

„Termin und Dosis blockiert“

„Zeit verplempert, einen Termin und damit eine Dosis blockiert und das alles nur, weil der Mitarbeiter, der mir diesen Termin gab, offensichtlich inkompetent oder zumindest nicht richtig informiert war.“ So formuliert es Reiner Dettke.

Doch fangen wir an mit Andrea Keskin. Ob ihre Mutter – 76 Jahre und mit chronischer Lungenkrankheit COPD – auch schon eine Biontech-Impfung haben könne? Das habe sie wissen wollen, zunächst telefonisch über die Hotline 116117.

Der Rat: Fragen Sie am besten Ihren Facharzt. Von dessen Praxis wiederum, so Keskin, „wurde mir versichert, dass sie dadurch unter Paragraph 3, Absatz 2, der Impfverordnung fällt. Das entsprechende Attest würde man uns per Post zukommen lassen.“ In solchen Fällen – vorerkrankt, aber nicht 80 – entscheidet die Stadt im Einzelfall.

Keskin schrieb eine Mail, schilderte den Fall, bekam eine Antwort: Man habe viel zu tun, könne sich deshalb mit der Anfrage nicht individuell beschäftigen. Aber man schickte einen Link mit.

Besucherin organisierte sogar einen Rollstuhl

„Ab dem 12. März könnten Termine für die zweite Gruppe gebucht werden“, habe dort gestanden, erinnert sich Keskin: „Da wir ja schon den 12. März hatten, habe ich den Link angeklickt, dort die Daten meiner Mutter eingegeben und die Bestätigung erhalten, dass diese impfberechtigt sei.“ Datum der Impfung: 17. März.

„Wir kamen an, haben geparkt und eine nette Besucherin hat uns noch einen Rollstuhl für meine Mutter organisiert, da sie auf Grund ihrer Erkrankung keine weiten Strecken mehr laufen kann.“ Am Eingang dann aber: die Abweisung.

Eingetragen im Impfpass: Diese Person wurde im März 2021 mit Astrazeneca gegen Covid-19 geimpft.
Eingetragen im Impfpass: Diese Person wurde im März 2021 mit Astrazeneca gegen Covid-19 geimpft. © Althoff © Althoff

Die Mitarbeiter der Security hätten nur auf den Personalausweis geschaut, nicht auf das Attest. „Wir hätten über die falsche Seite gebucht, dort könnte ja jeder buchen, gestern hätte man auch schon zwei 15-Jährige weggeschickt.“

Was Keskin „maßlos ärgert, ist nicht nur, dass eine 76 Jahre alte Frau, die auf Grund ihrer akuten Atemnot im Rollstuhl saß, weggeschickt wurde, obwohl kaum Publikumsverkehr war.“ Nein, was sie auch ärgere: „Warum konnten wir diesen Termin überhaupt machen? Warum werden nicht mehr Informationen abgefragt, um solche Situationen zu verhindern?“

„Warum steht man nicht zu seinen Fehlern?“

Ähnlich sehen es Ilse Middelmann und Ernst Otterbeck. Auch sie (75/77) wollen sich nicht „von übereifrigen Security-Personen zurückweisen und maßregeln lassen“ müssen. „Fehler kann man machen“, finden die beiden, „aber warum werden sie nicht bereinigt, warum steht man nicht dazu?“

Die beiden formulieren das, was auch andere Senioren aus Dortmund unterstreichen: Dann müsse man eben die Konsequenzen tragen. „Termine, die irrtümlich vergeben wurden, müssen verbindlich sein.“

Wird nun alles besser, da sich die Stadt Dortmund um die Terminvergabe kümmert, nicht mehr die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL)? Reiner Dettke sagt: Nein.

Der 59-Jährige pflegt seine 88-jährige Mutter. „Darunter fallen sehr körpernahe Tätigkeiten wie duschen“, erklärt er. Das habe er am Samstag (20.3.) auch telefonisch angegeben – bei der Telefon-Hotline, die auf der Seite der Stadt angegeben ist: 0800 5889626.

Bisher gibt es Impftermine vor allem für Über-80-Jährige.
Bisher gibt es Impftermine vor allem für Über-80-Jährige. © Althoff © Althoff

Prioritätengruppe 2? Es gibt Unterschiede

„Das per Mail zugesandte und auszufüllende Formular hat mich bereits stutzig werden lassen, da es sich auf Mitarbeiter von Pflegeunternehmen bezieht“, so Dettke. Und, in der Tat: Bei seinem Termin am Montagnachmittag wurde auch er weggeschickt vom Impfzentrum.

Der Grund, in diesem Fall: Nicht für alle aus der Prioritätengruppe 2 laufen die Impfungen auch schon. Im Gegensatz zu allen, die beruflich pflegen, sind pflegende Angehörige noch nicht dran.

Und Personen mit Vorerkrankungen? Auch die gehören zu Gruppe 2 im offiziellen Impffahrplan der Stadt Dortmund. Dran sind sie aber frühestens Ende März. Wann genau und wie sie zu Terminen kommen?

„Schauen Sie bitte regelmäßig auf diese Seite“

Kleingedruckt steht im Internet: „Sie benötigen ein ärztliches Attest, auf dem dokumentiert ist, dass Sie in die 2. Priorisierungsgruppe fallen. Wenn Sie dieses Attest bereits haben, schauen Sie bitte regelmäßig auf dieser Seite, ob Ihre Priorisierungsgruppe grün geschaltet ist. Bewahren Sie das Attest gut auf und bringen es zur Impfung mit.“

„Wir sind ausdrücklich nicht gegen das Impfen von Risikogruppen, im Gegenteil“, verdeutlichen Ilse Middelmann und Ernst Otterbeck. Sie hätten auch Verständnis dafür, dass ihre Kinder, die in der Schule und in der Pflege arbeiten, schon geimpft seien.

Aber wieso gebe es keine eindeutige Auskunft auf Online-Seiten und am Telefon?

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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