Zwei Plastiksäcke voll mit Winterkleidung möchte Ralf Fraisler für Obdachlose spenden. Allerdings findet der Holzener momentan keine Organisation, die die Textilien entgegennimmt. © Michael Schuh
Obdachlosigkeit

Trotz Eiseskälte in Dortmund: Kleiderspenden werden nicht angenommen

Wegen des Lockdowns nehmen das Gast-Haus und der Verein Bodo in Dortmund keine Kleiderspenden entgegen. Ralf Fraisler möchte helfen, weiß aber nicht, wo er die warmen Sachen nun abgeben kann.

Schnee und Minusgrade im zweistelligen Bereich prägen derzeit das Leben – was gibt es da Schöneres, als die Zeit bei angenehmen Temperaturen in den eigenen vier Wänden zu verbringen? Doch für viele Menschen in Dortmund bleibt das ein Wunschtraum: Sie sind wohnungslos und leben auf der Straße. Eine Unterkunft und warme Kleidung sind momentan deshalb wichtiger denn je.

Viele Jahre lang gespendet

Das weiß auch Ralf Fraisler, dem das Schicksal wohnungsloser Menschen seit vielen Jahren am Herzen liegt und der in der Vergangenheit regelmäßig Textilien spendete. Und das möchte der Holzener auch jetzt tun – nicht zuletzt aufgrund der eisigen Kälte. Doch es gibt ein Problem: Niemand nimmt die Winterkleidung für Bedürftige entgegen.

„Jedes Jahr sortierte ich Kleidung aus und sammele sie“, erzählt der 59-Jährige. „Früher habe ich sie noch in die dafür vorgesehenen Container gesteckt, bis ich erfahren habe, dass deren Aufsteller die Sachen oftmals verkaufen.“ Doch gerade das sei nicht in seinem Sinne gewesen, zumal es so viele Obdachlose in Dortmund gebe: „Ich wollte, dass diese Menschen die Hosen, T-Shirts oder Pullover direkt bekommen.“

In den wärmeren Jahreszeiten finden Wohnungslose vielerorts einen Schlafplatz; momentan ist es hingegen lebensgefährlich, unter freiem Himmel zu übernachten. © Schaper © Schaper

Deshalb habe er die Kleidung oder auch eigens dafür gekaufte Schlafsäcke zunächst bei der Wohnungslosen-Initiative Gast-Haus vorbeigebracht. Da sich die Öffnungszeiten des Vereins Bodo, der ebenfalls Anlaufstellen für Wohnungslose in Dortmund betreibt, aber besser mit seinen eigenen Arbeitszeiten vereinbaren ließen, brachte Fraisler die Textilien in den vergangenen Jahren stets zu Bodo.

Zwei Säcke voller Wintersachen

So wollte er es in diesem Winter auch mit den zwei großen Säcken voller Klamotten machen, die er im Laufe des Jahres 2020 gesammelt hatte. „Doch da stand ich vor verschlossenen Türen“, sagt der Holzener. „Wegen Corona wurden bei Bodo keine Textilspenden angenommen.“

Also erkundigte er sich, ob denn das Gast-Haus die Kleidung gebrauchen könne – und bekam die gleiche Antwort: Aufgrund des Lockdowns würden zurzeit keine Sachspenden entgegengenommen.

Und auch die weiteren Versuche scheiterten: Bei der Notversorgung vor dem Dortmunder U können nur Lebensmittelspenden abgegeben werden, erfuhr Fraisler; und seine telefonische Anfrage bei der Schwerter Diakonie wurde ebenfalls negativ beschieden.

Verkauf im Sozialladen

Die einzige Möglichkeit, die warmen Wintersachen an die Frau oder den Mann zu bringen, biete seines Wissens aktuell die Caritas, sagt der 59-Jährige. Allerdings würden die dort abgegeben Sachen anschließend in einem Sozialladen verkauft: „Und ich möchte, dass die Obdachlosen die Kleidung kostenlos erhalten, da ich glaube, dass viele von ihnen solch einen Laden nicht aufsuchen.“

Ralf Fraisler spendet seit Jahren Kleidung für Bedürftige. © Michael Schuh © Michael Schuh

Sollte der Lockdown in NRW über den 14. Februar hinaus verlängert werden und Organisationen wie das Gast-Haus oder Bodo weiterhin keine Kleiderspenden entgegennehmen, sieht Fraisler schwarz, dass seine Winterkleidung in absehbarer Zeit noch gebraucht wird: „Es bringt ja nichts, sie im Frühjahr an die Bedürftigen zu verteilen.“

Notfalls erst im nächsten Winter

Doch eines will der Holzener auf keinen Fall: die Textilien wegwerfen. „Sollte das jetzt nichts mehr werden, nehme ich sie wieder aus den Plastiksäcken heraus und versuche es im nächsten Winter“, sagt Fraisler. „Aber vorher werden die Sachen noch einmal gewaschen.“

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