Corona prägt auch den Tag des offenen Denkmals am 13. September in Dortmund. Er bietet eine Mischung aus Besuchen vor Ort und digitalen Angeboten. Wir liefern einen Überblick.

Dortmund

, 10.09.2020, 14:50 Uhr / Lesedauer: 4 min

Für historisch Interessierte ist der zweite Sonntag im September immer ein Highlight im Jahreskalender. Denn dann findet traditionell der „Tag des offenen Denkmals“ statt. Und daran kann auch die Corona-Krise nichts ändern.

Folgen hat sie trotzdem. Denn viele der 43 Angebote des Denkmal-Tages am 13. September (Sonntag) in Dortmund finden nur digital statt. Das gilt zum Beispiel für die Eröffnungsfeier mit einer Rede von Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Statt, wie zunächst geplant im Dortmunder U, ist sie als Aufzeichnung online zu erleben.

Führungen vor Ort

Aber es gibt unter dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken“ am Sonntag auch viele Vor-Ort-Angebote. An mehr als 15 Denkmälern erzählen meist ehrenamtlich Engagierte vor Ort von „ihrem“ Denkmal.

So berichten die Straßenbahnfreunde im ehemaligen Betriebshof Mooskamp in Nette umringt von historischen Straßenbahnen, über die Dortmunder Verkehrsgeschichte.

Das LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Bövinghausen und die Kokerei Hansa in Huckarde öffnen am 13. September bei freiem Eintritt ebenfalls ihre Tore und bieten ein Programm für die ganze Familie an.

Die neue Zentrale der VHS an der Kampstraße ist ein frisch saniertes Denkmal aus den 1970er-Jahren.

Die neue Zentrale der VHS an der Kampstraße ist ein frisch saniertes Denkmal aus den 1970er-Jahren. © Stephan Schütze

Mehrere Rundgänge laden zu Entdeckungstouren durch die Dortmunder Denkmallandschaft ein: So führt Heinz-Ludwig Bücking mit einer mehrstündigen Tour durch die „Montanzeit in Hombruch“, die Architektin Safiye Kocabaş führt durch die langwierig restaurierte Trauerhalle des Hauptfriedhofs, der Betriebsleiter des Hauptfriedhof Dortmund, Detlev Hertwig zeigt Besuchern die Denkmäler des Hauptfriedhofs.

Jetzt lesen

Das Baukunstarchiv am Ostwall bietet Führungen zum Forschungsprojekt „Stadt Bauten Ruhr“ und zum Gebäude selbst an. Die Volkshochschule (VHS) lädt zu Führungen zur Baugeschichte der ehemaligen Dresdner Bank in der Kampstraße ein. Das Gebäude wurde in den vergangenen Jahren denkmalgerecht renoviert und ist - zumindest vorübergehend - neues Domizil der VHS.

Jetzt lesen

In Haus Rodenberg in Aplerbeck bietet die VHS Führungen durch das Wasserschloss und die Ausstellung „Malerei und Poesie“ der Malerin und Autorin Bruni Braun an. Der Berghofer Architekt Heinrich Schwakopf erläutert die Umbaupläne für das alte Feuerwehrhaus und den Steigerturm in Berghofen. Mitglieder der Stiftung „Natur in Kultur, für Sölde“ und des Sölder Geschichts-Stammtisch führen über den Sölder Friedhof. Nils Kowalewski vom Verein für Orts- und Heimatkunde Dorstfeld führt über den historischen Friedhof in Dorstfeld.

Führungen in Parks und auf Höfen

Im Botanischen Garten Rombergpark gibt es einen Infostand und Kurzführungen durch Mitglieder der Freunde und Förderer. Auch der Freundeskreis Fredenbaumpark bietet Führungen zur Parkgeschichte.

Auch im Wasserschloss Haus Rodenberg in Aplerbeck gibt es Führungen.

Auch im Wasserschloss Haus Rodenberg in Aplerbeck gibt es Führungen. © Stephan Schütze

Am AWO-Schultenhof in Renninghausen informiert Architektin Anne Mense aus erster Hand über die Umgestaltung des Hofgastladens. Bei einem Hofrundgang mit der Leiterin des Hofladens, Monica Stanbridge, kann man spannende Details des Schultenhofs entdecken.

Auch der Tönnishof in Kley, Heimat des Büros Gerber Architekten, bietet Führungen zur Architektur und Umgestaltung des ehemaligen Gutshofs zu einem Architekturatelier. In Mengede kann man sich bei Führungen durch das Heimathaus am Widum über die dort geplanten Umbau- und Sanierungsmaßnahmen informieren.

Erstmals präsentiert sich das Haus Lünenburger in Husen. 1868 errichtet, war es jahrzehntelang Ausflugslokal und Gaststätte und in den 1970er- bis 2000er-Jahren als Szenekneipe „Coeur“ Anziehungspunkt junger Leute im Nordosten Dortmunds und benachbarten Kamen. Jetzt wurde es aufwändig instandgesetzt und beherbergt unter anderem eine Bäckerei.

Viele Kirchengemeinden aktiv

Auch viele Kirchengemeinden engagieren sich wieder am Tag des offenen Denkmals: Ein Programm vor Ort mit Führungen, Ausstellungen oder Musik und Kultur bieten die Ev. Kirche St. Georg zu Aplerbeck, die Johannes-Kirche in Wickede, die Ev. Kirche in Brackel mit Haus Beckhoff, Arent-Rupe-Haus und Arent-Rupe Villa, die Alte Kirche Wellinghofen, die Ev.. Stadtkirche Reinoldi, die Ev. Stadtkirche St. Petri, die Martin-Luther-Kirche in Brambauer und die Ev. Stadtkirche St. Georg in Lünen.

Geöffnet haben auch das Brauereimuseum mit stündlichen Führungen, das Hoeschmuseum und die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in der Nordstadt. Das Dortmunder U bietet Vorträge und Führungen durch die Ausstellungen und zur Baugeschichte des ehemaligen Kellerhochhauses der Union-Brauerei.

Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte verbindet analoge und digitale Welt: So gibt es Führungen mit Schwerpunkt zum „virtuellen“ Werk und zur Biographie des Bildhauers Benno Elkan. Die virtuelle 3D-Rekonstruktion von Elkans „Mahnmal für die Toten des Krieges“ ist mit Spezialbrillen beziehungsweise Tablets und Smartphones sichtbar. Das nie gebaute Werk lässt sich auf diese Weise virtuell erkunden und betrachten - nicht nur vor Ort, im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, sondern via App auch aus dem Wohnzimmer zuhause.

Für die meisten der Vor-Ort-Angebote, für die Maskenpflicht und Abstandsgebot gelten, ist coronabedingt eine vorherige Anmeldung beim jeweiligen Veranstalter erforderlich. Infos darüber gibt es bei den einzelnen Programmpunkten im Internet auf www.denkmaltag.dortmund.de. Dort sind auch Hinweise auf aktuelle Programmänderungen zu finden.

Viele digitale Angebote

Viele weitere Angebote sind in diesem Jahr digital von zuhause aus zu erleben. So haben Markus Meeder und Christopher Jung eine aufwändige 3-D-Rekonstruktion des alten Dortmunder Rathauses und der Dortmunder Innenstadt mit Interviews und zusätzlichem Informationsmaterial ergänzt.

So sieht die virtuelle Rekonstruktion der Reinoldikirche im 17. Jahrhundert von Markus Meeder aus.

So sieht die virtuelle Rekonstruktion der Reinoldikirche im 17. Jahrhundert von Markus Meeder aus. © Markus Meeder

Die evangelische Paul-Gerhardt-Gemeinde präsentiert kurze Videoclips zur Paul-Gerhardt-Kirche, die sich auf einzelne Aspekte wie Licht, Spuren oder Zahlen konzentrieren. Der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier hat eine Bildstrecke mit Animation unter dem Titel „Als Kohle noch Zukunft war – Mit Schnuppi zu Dortmunder Bergbaurelikten“ zusammengestellt.

In von der Denkmalbehörde in Auftrag gegebenen Filmen sind die Hörder Burg, die Zechensiedlung Oberdorstfeld und der Hauptfriedhof zu erleben.

Digitale Angebote gibt es außerdem vom Evinger Geschichtsverein über die Geschichte der Zeche Minister Stein, vom Förderverein Lindenhorster Kirchturm, zum Truxhof in Kirchhörde, über das historische Straßenbahndepot, das Hoeschmuseum, das Westfälische Schulmuseum, Haus Rodenberg, das Lanstroper Ei, das Ehrenmal im Berghofer Wald, den Botanischen Garten Rombergpark, den Wasserturm am Heiligen Weg, das sanierte Fritz-Henßler-Berufkollegs und das Heimathaus in Mengede.

Jetzt lesen

Wieder erschienen ist auch die beliebte Broschüre zum Tag des offenen Denkmals mit vielen Details zum Programm und Hintergrundinformationen zum Thema. Es ist unter anderem im Rathaus, in der Tourist-Information in der Kampstraße, in den Bezirksverwaltungsstellen, in den DSW21-Kundencentern, in Bibliotheken, im Stadtarchiv, im Museum für Kunst und Kulturgeschichte und bei der Denkmalbehörde im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt am Burgwall erhältlich. Und natürlich online.

Lesen Sie jetzt

48 Objekte konnten am „Tag des offenen Denkmals“ in Dortmund besichtigt werden. Rund 10.000 Besucher nutzten am Sonntag die Gelegenheit, historische Orte und ihre Geschichte zu erkunden. Von Oliver Volmerich

Lesen Sie jetzt