Der Techno-Club Tresor West hatte erst knapp drei Monate geöffnet, als die Corona-Pandemie das Partyleben abrupt stoppte. © Anke von der Heide
Ein Jahr Corona in Dortmund

Tresor-West-Betreiber über Öffnung: „Es wird ein Tanzen unter Negativen“

Mit dem Tresor West wollte Techno-Pionier Dimitri Hegemann die Clubkultur in Dortmund nachhaltig beleben. Corona hat das ausgebremst. Bis die Bremse wieder gelöst ist, wird Hegemann zum Gärtner.

Ziemlich genau ein Jahr nach der letzten Party leidet die Nachtkultur in Dortmund weiter. Für die Rückkehr zum Tanzen auf engem Raum im Club gibt es weiter keine Perspektive.

Der Tresor West auf dem Phoenix-West-Gelände steht in besonderer Weise für das Dilemma der Clubszene. Im November 2019 hat Dimitri Hegemann, Gründer des Techno-Clubs Tresor in Berlin, in seiner westfälischen Heimat den Club eröffnet.

Der Start war verheißungsvoll, die Musik-Acts hochwertig, das Publikum in der Region hatte Freude an der Erfahrung Tresor West. Doch im März brachte die Corona-Pandemie alles zum Stillstand.

Tanzen nach Schnelltest im Spätsommer

Dimitri Hegemann rechnet nicht vor „Spätsommer, Herbst“ mit einer Wiedereröffnung. „Es wird dann ein Tanzen unter Negativen, wenn es Schnelltests und Impfungen gibt.“

Der Club befindet sich im Keller der Warsteiner Music Hall, die gerade zum Impfzentrum umfunktioniert ist. Während oben geimpft wird, wurde unten ein neues Logo aufgehängt, in dem eine aufgehende Sonne am Horizont dargestellt ist.

Das steht symbolhaft dafür, dass die künstlerische Zwangspause die kreative Energie nicht ganz lahmlegt. Im Club ist eine Ausstellung von Bildern aus der Fotografenklasse der Folkwang-Hochschule geplant.

Vor dem Club entsteht ein Garten

Draußen vor dem Club entsteht außerdem gerade laut Hegemann ein „Nachtgarten mit Blick auf Mond und Hochofen“.

Die Pflanzen sind noch in zarten Anfängen. Aber Hegemann, nach eigener Aussage „nur noch am Gärtnern“, hat jetzt schon eine „wilde Galerie in einer Allianz mit Phoenix-West“ vor Augen. Ein erstes Projekt mit Bildhauern der FH Düsseldorf ist in Arbeit.

Langfristig soll der Garten zu einem weiteren Raum für den Club werden. Ein Betrieb als reiner Biergarten ist nicht vorgesehen.

Der Tresor West, der „Club als solcher“: Darin sieht Dimitri Hegemann mehr als nur einen Ort des Tanzvergnügens. Er soll eine „kreative Zelle“ sein, ein Ort, an dem Ideen entstehen.

Hegemann glaubt weiter an die Zukunft der Dortmunder Clubszene

Hegemann glaubt deshalb trotz der Krise, dass Clubbing in Dortmund eine Zukunft hat. „Dortmund hätte eine echte Chance, ein neues Unternehmertum zu schaffen. Die Stadt könnte 8 bis 12 Clubs gebrauchen“, sagt er.

Dass die Verwaltung gerade in dieser schwierigen Zeit ihre Unterstützung für die Szene zeige, hält er für „weitsichtig“. Dinge wie die Einführung eines Nachtbeauftragten oder die Aufhebung der Sperrstunde seien richtige Schritte und ein Zeichen, dass die wirtschaftliche Bedeutung der Nachtkultur wahrgenommen werde.

Der Tresor West und viele andere Namen werden wieder aufleuchten, wenn Veranstaltungen möglich sind. Aber die Lage ist ernst für viele Angehörige der Veranstaltungsbranche in Dortmund.

Die Lage für viele Menschen in der Veranstaltungsbranche ist ernst

Wie ernst sie ist, hat Yves Gredecki, Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) Dortmunder Club- und Konzertkultur, zuletzt im städtischen Kulturausschuss noch einmal dargelegt.

„Einige sind nach einem Jahr, in dem unser Geschäft nicht mehr stattfinden kann, an dem Punkt, an dem sich finanzielle Mittel aus Rücklagen und Überbrückungshilfen dem Ende zuneigen.“

Es komme zu einer zunehmenden Abwanderung von Personal. „Kurzarbeit ist keine Perspektive für Familienväter oder Leute, die ihr Leben auf einem hart erarbeiteten Standard weiterleben möchten.“

Im Kulturausschuss wurde viel guter Wille deutlich, die Probleme der Branche zu lösen. Eine Forderung: Wie in Berlin sollten auch in Dortmund Clubs als Kulturstätten anerkannt werden.

Dimitri Hegemann sieht das ähnlich. „Ein guter Booker sollte gleichgesetzt sein mit einem Intendanten.“

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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