Traurig für viele Kunden: Einer der letzten Tante-Emma-Läden in Dortmund schließt

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50 Jahre lang war der Tante-Emma-Laden der Schmidts in Brackel eine wichtige Institution für die Nachbarschaft. Nun schließt das Geschäft und es gibt Tränen, die ganze Pfützen füllen.

Brackel

, 08.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 15. Januar geht an der Ecke Westkamp/Sendstraße in Brackel eine 50-jährige Ära zu Ende: Das Lebensmittelgeschäft von Frank (62) und Petra Schmidt (51) schließt - ein typischer Tante-Emma-Laden. Als offiziellen Grund nennt Frank Schmidt Mieterhöhungen, aber generell sei wohl die Zeit für solche Läden vorbei, meint er.

Der Preiskampf der Discounter werde immer härter, da könne er als kleiner Händler einfach nicht mithalten. Und so gebe es auch kaum Kunden, die ihren Wochenendeinkauf bei den Schmidts tätigen. Aber von den Kleineinkäufen könne der Laden kaum weiterexistieren, zumal die Kosten für Strom und Gas steigen. Auch sei die Ladenfläche mit 100 Quadratmetern für heutige Ansprüche viel zu klein. „Da ist mancher Kiosk ja größer“; so Petra Schmidt.

Auf landwirtschaftliche Produkte wie Eier und Kartoffeln spezialisiert

„Wir sind eher auf landwirtschaftliche Produkte wie Eier und Kartoffeln spezialisiert“, sagt Frank Schmidt, „und sind für die Leute aus der Umgebung da, die beim Großeinkauf etwas vergessen haben.“ Auch viele junge Leute kommen, um mal eben eine Kleinigkeit zu besorgen. Oft werden Kinder aus der Umgebung von ihren Eltern für so etwas geschickt. Das gehe doch bei den Discountern mit ihren Riesenparkplätzen gar nicht, weil es viel zu gefährlich sei.

Je näher der allerletzte Tag rückt, desto mehr geht Frank Schmidt die Situation nahe. „Mit ist in der letzten Zeit nur noch schlecht“, sagt er. Womit er nicht gerechnet habe, sei die große Anteilnahme der Kunden: „Das geht doch nicht“, sagen die, „woher soll ich denn jetzt meine Kartoffeln bekommen?“ Einer von ihnen ist Wolfgang Lutzinski (72), der regelmäßig bei Schmidts einkauft und in der Nachbarschaft wohnt. „Die Schließung ist furchtbar“, sagt er, „ich bin am Boden zerstört.“

„Einkauf mit Schwätzchen“

Andere Kunden haben gesagt: „Wenn sich am 15. Januar hier eine Pfütze bildet, dann sind das meine Tränen.“ Der Laden der Schmidts habe schließlich noch eine weitere wichtige Funktion gehabt: Er sei Treffpunkt für die Menschen der Nachbarschaft gewesen, um einmal ein wenig miteinander schwatzen zu können. Ein Zeitungsartikel über diesen Tante-Emma-Laden, der vor rund 13 Jahren erschienen ist, trug nicht umsonst die Überschrift „Einkauf mit Schwätzchen“.

Allerdings, so bemerkt Wolfgang Lutzinski, es habe auch Kunden gegeben, die es mit dem Quatschen etwas übertrieben hätten. Wenn eine bestimmte Dame den Laden vor einem ansteuerte, konnte es sich auch mal lohnen, noch eben schnell zu überholen, wollte man an der Fleischtheke nicht endlos warten müssen. Trotzdem - oder gerade deswegen: „Wir hatten hier eine tolle Gemeinschaft“, sagen die Schmidts.

Traurig für viele Kunden: Einer der letzten Tante-Emma-Läden in Dortmund schließt

„Furchtbar" findet Kunde Wolfgang Lutzinski die Nachricht von der Schließung des kleinen Ladens. © Andreas Schröter

Ein Ereignis, das allen Beteiligten noch in lebhafter Erinnerung ist, ist der Überfall vor zwei Jahren. Damals haben die Kunden mitgeholfen, den Täter, der sich an der Kasse zu schaffen machte, dingfest zu machen. Sie haben ihn mit Äpfeln und Kürbissen beworfen. Die Polizei sei schnell da gewesen und habe den Täter verhaftet.

Erstmal in den Urlaub

Die Schmidts wollen nun zunächst Urlaub machen. Wohin, wissen sie noch nicht: „Tasche ins Auto und los“. Urlaub haben sie schließlich seit 25 Jahren nicht gemacht. Damals, 1994, war es, dass sie den Laden von Frank Schmidts Eltern, Günther und Luise Schmidt, übernommen haben.

Traurig für viele Kunden: Einer der letzten Tante-Emma-Läden in Dortmund schließt

So sieht der Laden der Schmidts an der Ecke Westkamp/Sendstraße in Brackel von außen aus. © Andreas Schröter

Nach dem Urlaub geht Frank Schmidt in den Ruhestand, während sich seine Frau einen neuen Job suchen will. Gänzlich langweilig wird es dem Ladenbesitzer aber vermutlich dennoch nicht. Das Paar zieht nach Paderborn, wo es ein Haus mit Garten besitzt, in dem Frank Schmidt demnächst wirken will.

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In unserer Kolumne „Nordost-Geschichten“ geht es heute um die vielen Reaktionen, die es zur Schließung des Tante-Emma-Ladens von Frank und Petra Schmidt gegeben hat. Von Andreas Schröter

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