Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof erstrahlt in neuem Glanz - Teich hat bald wieder Wasser

dzHauptfriedhof Brackel

Wer die Trauerhalle auf dem Brackeler Hauptfriedhof besucht, der ist in aller Regel traurig. Die, die jetzt da sind, freuen sich. Und es werden noch mehr Menschen Grund zur Freude haben.

Brackel

, 26.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit Januar war hier niemand mehr drin. Zumindest niemand mehr, der zu einer Trauerfeier wollte. Stattdessen haben hier in der historischen großen Trauerhalle die Handwerker Einzug gehalten. Und das gleich in Scharen. Und sie haben gemeinsam mit den Verantwortlichen bei der Friedhofsverwaltung ein großes Ziel vor Augen: Sie wollen möglichst zum Evangelischen Kirchentag im Juni fertig sein, ambitioniert, aber möglich. „Es wird verdammt eng, aber es könnte klappen“, sagt Detlev Hertwig, Betriebsleiter des Hauptfriedhofs.

Von außen ist von den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen nur wenig zu sehen: Lediglich ein großer Hubsteiger und einige wenige Handwerker, die oben an den Fenstern arbeiten.

Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof erstrahlt in neuem Glanz - Teich hat bald wieder Wasser

Nur noch ganz vereinzelt sind derzeit gestalterische Elemente der Trauerhalle unter den Planen zu entdecken. Derzeit ist der 120 Quadratmeter große Raum nicht in Gottes Hand, sondern in Handwerker-Hand. © Britta Linnhoff

Drinnen allerdings bietet sich ein völlig anderes Bild: Der Fußboden ist sorgsam und aufwendig abgedeckt, darüber windet sich Etage über Etage ein Gerüst hoch in die Kuppel des 19 Meter hohen Gebäudes. Mitten drin: die zahlreichen Handwerker, Maler, Elektriker, Restauratoren und Trockenbauer. Man hört sie arbeiten. Und man hört Musik. Gerade singt aus einem Radio Jonny Cash „Ring of Fire“. Jemand pfeift dazu. Die Stimmung ist gut.

Ursprünglich sollte die Trauerhalle nur von innen gestrichen werden

„Ursprünglich war hier lediglich ein Innenanstrich vorgesehen“, erinnert sich Ralf Dallmann, Leiter Eigenbetrieb Friedhöfe bei der Stadt Dortmund, an die ersten Planungen. Aber wie das immer so ist, wenn man an alte Gebäude geht, es wird immer mehr draus: Schließlich ging es auch um Strom, um die Beleuchtung und um die Fenster, an denen gerade in luftiger Höhe gearbeitet wird. Die Schutzverglasung wird erneuert und gewährt in ihrer neuen Ausführung dann auch den Blick auf die historischen Fenster. 350.000 Euro waren ursprünglich mal veranschlagt für die Sanierung, „jetzt sind wir knapp unter einer halben Million“, sagt Ralf Dallmann. Und auch das, was nicht neu ist, wird sprichwörtlich in einem neuen Licht erscheinen, denn es wird ein neues Lichtkonzept für die große Trauerhalle geben.

Lange hat man in den historischen Unterlagen gewälzt, um möglichst viel über den Originalzustand der Trauerhalle zu erfahren. Immer wieder wurde über die Jahrzehnte an der Trauerhalle gearbeitet, aber „es war auch nicht immer das nötige Geld da“, sagt Dallmann. Nun haben sie vorsichtig Stück für Stück den Putz abgeklopft, um zu schauen, was eigentlich drunter steckt. Und die Handwerker versuchen nun, sich an den Originalfarbtönen zu orientieren beim Neuanstrich. Besucher werden in wenigen Wochen, wenn alles fertig ist, und sie nach oben schauen, ein Deckengemälde sehen: in Anlehnung an den historischen Ursprung.

Die Planungen für die Sanierung der Trauerhalle haben 2015 begonnen

Seit Januar sind sie hier dran, die Arbeiter. Bereits 2015 haben bei der Stadt die Planungen für die Sanierung der Trauerhalle begonnen. Jetzt informierte sich auch Dortmunds neuer Baudezernent Arnulf Rybicki, der auf seiner mehrwöchigen Rundreise zu Baustellen der Stadt jetzt hier Station machte. Dabei konnte er gleich zwei Baustellen besichtigen, denn neben der Trauerhalle wird auch am großen Teich neben der Halle tüchtig gearbeitet. Er zeigte sich bei seinem Besuch angetan von den Arbeiten. „Ich bin beeindruckt“, sagte er, „wie umsichtig die Kollegen mit der historischen Bausubstanz umgehen.“

Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof erstrahlt in neuem Glanz - Teich hat bald wieder Wasser

Reiner Dallmann (l.) erläutert mit Arnulf Rybicki den Stand der Dinge beim großen Teich. © Britta Linnhoff

Seit 2016 ist der benachbarte Teich schon kein Teich mehr, sondern nur ein großes Loch. „Der Teich konnte das Wasser nicht halten“, sagt Detlev Hertwig. Lange suchte man nach möglichst preiswerten Lösungen, untersuchte mehrfach den Untergrund. Nun gibt es eine Abdichtung durch eine Lehm- und Tonschicht. In wenigen Tagen soll es „Wasser marsch“ heißen.

Der Hauptfriedhof in Brackel

Nicht nur die Halle, sondern die gesamte Friedhofsanlage ist ein städtebauliches Juwel: Mit 118 Hektar ist er einer der größten Friedhöfe Deutschlands und mit Abstand die größte Grünfläche Dortmunds. Er ist fast zweimal so groß wie zum Beispiel der Westfalenpark. 1912 beschloss der Magistrat der Stadt Dortmund, einen Zentralfriedhof anzulegen. Gebaut wurde dann nach dem Ersten Weltkrieg.
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