Guntram Schneider – Abschied von einem unermüdlichen Kämpfer für die Gerechtigkeit

dzTrauerfeier in der Reinoldikirche

Er war streitbar, lebensfroh und humorvoll, sagte Sigmar Gabriel – Familie und Weggefährten haben am Donnerstag in Dortmund Abschied vom Ex-NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider genommen.

Dortmund

, 16.01.2020, 16:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie er es zu Lebzeiten so oft getan hat, hätte Guntram Schneider den Trauergästen in der Reinoldikirche vermutlich „Leute!“ zugerufen angesichts der Würdigungen, die er posthum bei der Trauerfeier am Donnerstag erfuhr. Oder „Sehr richtig!“, zitierte die DGB-Landesvorsitzende Anja Weber einen weiteren Spruch aus ihren Erinnerungen an den leidenschaftlichen Gewerkschafter.

Guntram Schneider, früherer NRW-Arbeitsminister und ehemaliger Landesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), ist am 3. Januar im Alter von 68 Jahren in seiner Wohnung im Kreuzviertel gestorben.

Er habe sich schon vorher nicht wohlgefühlt und die traditionelle Weihnachtsfeier mit seinen beiden älteren Geschwistern abgesagt, sagte Pastor Dr. Matthias Schreiber in seiner Predigt. Vermutlich hatte eine starke Grippe seinen Kreislauf tödlich geschwächt.

Worte des Gedenkens

Bei der öffentlichen Trauerfeier in der voll besetzten Reinoldikirche erwiesen ihm Familie, Freunde sowie viele politische und gewerkschaftliche Weggefährten die letzte Ehre, darunter der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel und der aktuelle NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Der Sarg auf einem lilafarbenen Teppich war geschmückt mit weißen Rosen und Lilien. Daneben ein großes Schwarz-weiß-Porträt des Mannes, für den – so hieß es immer wieder in den Worten des Gedenkens – soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Schutz von Minderheiten ein klarer Kompass war, dem er stets mit kräftiger Stimme und beherztem Auftreten folgte.

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Dortmund nimmt Abschied: Trauerfeier für SPD-Politiker Guntram Schneider

Abschied von Staatsminister a.D. Guntram Schneider hat die Dortmunder Stadtgesellschaft in der St.-Reinoldi-Kirche genommen. Neben der Familie kamen viele Freunde, politische Weggefährten und prominente Trauergäste, um dem SPD-Politiker die letzte Ehre zu erweisen.
16.01.2020
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Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Zu den Trauergästen gehörten auch Ex-SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel (vorn r.) und die DGB-Landesvorsitzende Anja Weber (M.).© Rüdiger Barz
Den Gottesdienst hielt Pfarrer Dr. Matthias Schreiber.© Rüdiger Barz
Den Gottesdienst hielt Pfarrer Matthias Schreiber, musikalisch mitgewirkt hat neben Kantor Manfred Grob (Flügel) ein Ensemble der Dortmunder Philharmoniker mit Franziska Batzdorf (Violoncello), Gabriel Feltz (Klavier) und Shinkyung Kim (Violine). © Rüdiger Barz
Zur Trauerfeier kamen auch die beiden älteren Geschwister von Guntram Schneider (vorn l.).© Rüdiger Barz
Den Gottesdienst hielt Pfarrer Matthias Schreiber, musikalisch mitgewirkt hat neben Kantor Manfred Grob (Flügel) ein Ensemble der Dortmunder Philharmoniker mit Franziska Batzdorf (Violoncello), Gabriel Feltz (Klavier) und Shinkyung Kim (Violine). © Rüdiger Barz
Zu den Sprechern der Fürbitten gehörte auch die Dortmunder SPD-Chefin und NRW-Generalsekretärin Nadja Lüders.© Rüdiger Barz
Landes-DGB-Chefin Anja Weber würdigte Guntram Schneider als "engagierten Verfechter der Einheitsgewerkschaft". Sie sagte: "Er war einer von uns, er bleibt einer von uns."© Rüdiger Barz
Der aktuelle NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach in Vertretung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der aufgrund der Verhandlungen um den Braunkohle-Ausstieg in Berlin verhindert war.© Rüdiger Barz
NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann würdigte Guntram Schneider als "eine beherzte Stimme gegen jede Form von Ungerechtigkeit".© Rüdiger Barz
Zu den Trauerrednern gehörte auch Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel.© Rüdiger Barz
Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Guntram Schneider als Genossen, ein Wort, das man eher selten in der Kirche höre.: "Ich bin mir aber sehr sicher, dass Guntram Wert darauf gelegt hätte und sich darüber gefreut hätte", sagte Gabriel.© Rüdiger Barz
Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: "Guntrams Leben ist ein Beispiel, dass Haltung nichts mit Herkunft zu tun hat."© Rüdiger Barz
Guntram Schneider habe in der politischen Auseinandersetzung auch die eigenen Genossen nicht geschont, sagte Gabriel. In der Diskussion sei er "streitbar, scharf, zugespitzt, ironisch und feurig" gewesen.© Rüdiger Barz
Auf dem Foto von Guntram Schneider fehlt die Brille, über die er bei Missfallen gern streng blickte.© Rüdiger Barz
Auf dem Foto von Guntram Schneider fehlt die Brille, über die er bei Missfallen gern streng blickte.© Rüdiger Barz
Nach der Trauerfeier nutzten die Gäste draußen vor der Reinoldikirche noch die Gelegenheit für ein Gespräch und zum Austausch von Erinnerungen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder SPD-Chefin und NRW-Generalsekretärin Nadja Lüders (l.) gehörte zu den Trauergästen.© Rüdiger Barz
Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann begrüßte DGB-Chefin Anja Weber.© Rüdiger Barz
Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau begrüßt Parteifreund Sigmar Gabriel.© Rüdiger Barz
Zu den Trauergästen gehörten (v.l.) der ehemalige NRW-Justizminister Thomas Kutschaty, die Dortmunder SPD-Landtagsabgeordnete Anja Butschkau, die Dortmunder SPD-Chefin und NRW-Generalsekretärin Nadja Lüders, Bundestagsabgeordneter Sebastian Hartmann, Thomas Westphal, Chef der Dortmunder Wirtschaftsförderung, und die Dortmunder Sozialdezernentin Birgit Zoerner.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) begrüßt andere Trauergäste.© Rüdiger Barz
NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) begrüßt andere Trauergäste.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel nach seinen Worten des Gedenkens.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Die Dortmunder Stadtgesellschaft sowie die Familie, Freunde und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von SPD-Politiker und Gewerkschafter Guntram Schneider genommen.© Rüdiger Barz
Nach der Trauerfeier wurde der Sarg aus der Kirche getragen.© Rüdiger Barz
Nach der Trauerfeier wurde der Sarg aus der Kirche getragen.© Rüdiger Barz
Die Trauerfeier war nach anderthalb Stunden zu Ende.© Rüdiger Barz
Sargträger bringen den Sarg nach der Trauerfeier aus der Reinoldikirche.© Rüdiger Barz

Laut Pastor Dr. Matthias Schreiber war Schneider auf seinen Tod vorbereitet und hatte sich für seine Trauerfeier ein Wort zu Freiheit gewünscht. Für Schneider sei die Freiheit wertlos gewesen, wenn sie nicht gebunden war an Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität und Mitmenschlichkeit, so Schreiber.

Auch Schneiders Kampf gegen den Antisemitismus sowie seine Liebe zu Israel und allem Jüdischen ließ der Pastor nicht unerwähnt: „Da war er von einer Klarheit, die wir brauchen im Kampf gegen rechts.“

Schneider lebte den „Aufstieg durch Bildung“

Guntram Schneider wäre in diesem Jahr 55 Jahre Gewerkschaftsmitglied gewesen. Der gebürtige Gütersloher, Kind einer Flüchtlingsfamilie, besuchte die Volksschule, absolvierte eine Lehre zum Werkzeugmacher, trat in die IG Metall ein, wurde DGB-Chef in Dortmund sowie in NRW, bevor ihn die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft 2010 (bis 2015) als Arbeits- und Integrationsminister in ihr Kabinett holte.

Die Errungenschaft der Gewerkschaftsbewegung „Aufstieg durch Bildung“ habe Schneider selbst erlebt, durchlebt und dafür gekämpft, sagte DGB-Chefin Anja Weber: „Seine Universität war die Praxis.“

Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, der bei der Trauerfeier auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet vertrat, sagte, Schneider habe der Gesellschaft in NRW einen bleibenden Stempel aufgedrückt, als er unter anderem das Teilhabe- und Integrationsgesetz ohne Gegenstimme im Landtag durchgesetzt und damit „einen Meilenstein der Integrationspolitik in ganz Deutschland“ gelegt habe.

Intellektuelle Auseinandersetzung geliebt

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Schneider als großen Genossen, „für den Gerechtigkeit und Solidarität das Unterpfand der Freiheit“ war, um aus seinem Leben selbstbestimmt etwas machen zu können. Schneider habe die intellektuelle Auseinandersetzung geliebt, nicht nur mit den politischen Konkurrenten, „sondern auch im eigenen Laden. Er ist auch nicht besser mit uns umgegangen.“

Guntram Schneider habe sich viel um andere gekümmert, wenig um sich selbst, sagte Gabriel: „Er hat die Dinge mit sich selbst ausgemacht, das Sterben am Ende auch.“

Verheiratet war Schneider mit der Künstlerin Alma Stefanescu-Schneider, die bereits 2013 verstorben ist. Ihre Trauerfeier damals war auch am 16. Januar.

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