Huckarde spielt eine besondere Rolle für „Stille Nacht, Heilige Nacht“

dzHistorischer Kalender

Im vergangenen Jahr haben sich die Huckarder Heimatforscher zusammengetan und einen historischen Kalender herausgegeben. Die Anekdoten der zweiten Ausgabe drehen sich um ein einziges Thema.

Huckarde

, 07.11.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Huckarder erfreuen sich seit Jahren immer neuer, unterhaltsamer Anekdoten aus der Ortsgeschichte. Unregelmäßig veröffentlicht von gleich mehreren Heimatforschern, die mit gewissenhafter Quellenarbeit immer wieder neue alte Geschichten entdecken.

Seit 2019 arbeiten diese Heimatforscher im „Historischen Verein Huckarde“ zusammen und vereinen ihre Forschungsergebnisse, meist kurze, spannende Berichte aus dem Bezirk, nun in dem historischen Kalender.

Hoffnung auf einen erneuten Verkaufserfolg

Jetzt haben die Autoren Claudia Brückel, Peter G. Henning und Dr. Günter Spranke zusammen mit Herausgeber Dieter Eichmann den Kalender für das Jahr 2021 vorgestellt.

Auch von diesem Kalender erhoffen sich die Historiker, dass er ein Verkaufsschlager wird, wie sein Vorgänger. „Die Huckarder interessieren sich sehr für die Geschichte ihres Ortes“, sagt Dieter Eichmann.

Er muss es wissen. Vor einem Monat hat er das vierte Buch der Reihe „Wissenswertes aus dem Stadtbezirk“ veröffentlicht. Von den 500 gedruckten Exemplaren wurden bereits 300 verkauft.


Auch der neue Kalender hat eine Auflage von 500 Exemplaren. Er enthält zwölf Kalenderblätter mit jeweils einem historischen Foto und einer dazu passenden Anekdote aus dem Emscher-Dorf.

Huckarder Kneipenkultur im Mittelpunkt

Die Geschichten wurden diesmal rund um ein gemeinsames Thema ausgesucht. Während der Corona-Krise habe die Historiker bewegt, wir sehr Gastwirte unter Kontaktbeschränkungen leiden, berichtet Dr. Günter Spranke, der Vorsitzende des Vereins.

Deshalb steht die Geschichte der Huckarder Kneipenkultur im Mittelpunkt des Kalenders. Und da gibt es viel zu erzählen, denn einstmals konnten die Huckarder zwischen 50 Wirtshäusern wählen.

Der Fernseher stand in der Kneipe

Claudia Brückel erinnert an die Schankwirtschaft Haus Goldbeck in Deusen. In deren Saal trainierten die Turner des 1910 gegründeten Arbeiter-Vereins „Freiheit Deusen“ (heute TuS Freiheit Deusen).

In dieser Gaststätte trafen sich die Deusener unter anderem zum Fernsehen. Peter Frankenfelds „1:0 für Sie“ flimmerte dort über die Mattscheibe, genauso wie das WM-Finale 1954, das Wunder von Bern. In den 70er-Jahren musste das Gebäude wegen Bergschäden abgerissen werden.

Bier wurde mit Wasser aus dem eigenen Brunnen gebraut

Der Geschichte der traditionsreichsten Gastronomie Huckardes hat sich Dr. Theo Spranke gewidmet. Das heutige Restaurant „Rosmarin am Dom“ war über viele Generationen den Huckardern als „Domschänke“ bekannt.

Im Jahr 1800 direkte neben der Urbanus-Kirche (Dom) erbaut, fanden dort die Feiern zu vielen, vielen Taufen und Hochzeiten der Huckarder Familien statt. Getrunken wurde selbstgebrautes Bier. Gebraut mit Wasser aus dem eigenen Brunnen. Nur wenige Meter von Roßbach und Emscher entfernt, gab es an klarem Wasser damals keinen Mangel.

Musiker aus Tirol spielten „Stille Nacht, Heilige Nacht“

Auch für Peter G. Henning hat sich das unermüdliche Durchstöbern zahlloser Quellen gelohnt. Unter den Huckarder Anekdoten hat er einen kleinen Schatz entdeckt.

So stieß er auf den Bericht eines Rahmer Lehrers, der von einem Besuch des Gasthofes Dollmann am 18. Oktober 1855 berichtet. Dort waren an diesem Abend Musikanten aus Tirol zu Gast.

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Die spielten ein Lied, das man in Huckarde zuvor wohl noch nie gehört hatte: „Stille Nacht, Heilige Nacht“ von Franz-Xaver Gruber und Joseph Mohr. In dem Nachlass eines Castroper Historikers aus dem Jahr 1924 fand Henning zudem die Behauptung, im Gasthof Dollmann sei „Stille Nacht, Heilige Nacht“ damit zum ersten Mal überhaupt in Westfalen gespielt worden. Das ist zumindest eine nette Vorstellung.

Historischer Kalender für 2021

Hier kann man den Kalender kaufen

  • Den Kalender im Format Din A3 gibt es in der Buchhandlung Seitenreich, Huckarder Straße 352; bei Stift und Papier, Rahmer Straße 3; sowie in der Bäckerei und Konditorei Auffenberg, Rahmer Straße 33.
  • Der Kalender kostet sechs Euro. Das ist, so der Historische Verein, der Selbstkostenpreis.
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