Tiefflieger vom Dortmunder Flughafen deckt Dach in Unna-Massen ab

dzWirbelschleppe

Ein längst gelöst geglaubtes Problem kehrt ins Umfeld des Dortmunder Flughafens zurück. An einem Haus in Massen hat der Sog eines Flugzeuges Dachpfannen ausgerissen. Vermutlich ist das kein Einzelfall.

Unna

, 28.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Brigitte Harth hatte Glück im Unglück. Die Massenerin war gerade draußen vorm Haus, als ein Überflug die Dachpfannen löste. Sieben dieser Betonschindeln kamen ins Rutschen, blieben aber dann auf einer Dachgaube liegen, statt in die Tiefe zu stürzen. „Bei den Demonstrationen gegen den Flughafen sprechen wir von Lärmschutz und Klimaschutz. Das ist auch richtig, aber noch wichtiger ist doch das Leben“, sagt sie.

Inzwischen ist der Dachschaden wieder behoben, und wie die Massenerin erklärt, hat dies auch schnell und unbürokratisch geklappt. Ein Fachbetrieb habe die Pfannen wieder eingesetzt, die Rechnung zahlt der Flughafen. Dessen Sprecherin Davina Ungruhe bestätigt, dass die Betreibergesellschaft der „Startbahn Ruhrgebiet“ eine Zahlung von rund 130 Euro geleistet habe – allerdings „aus Kulanz, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“.

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Dass der Sog überfliegender Flugzeuge in Massen Dächer abdeckt, ist an sich kein neues Phänomen. Allerdings galt das Problem als gelöst. Fälle, in denen die sogenannten Wirbelschleppen auch größere Dachflächen abgedeckt haben, führten dazu, dass an vielen Häusern in der Einflugschneise die Dachziegel stärker befestigt wurden. Zusätzliche Klammern sichern sie gegen ein Abheben nach oben.

Am Haus von Brigitte Harth war dies nicht der Fall. Das Gebäude an der Massener Dorfstraße steht zwar ziemlich zentral in der Einflugschneise, ist allerdings nach Einschätzung des Flughafens nicht hoch genug, um als gefährdet eingestuft zu werden. So jedenfalls berichtet die Bewohnerin aus ihrem Dialog mit der Flughafengesellschaft. Die Realität zeigt nun etwas anderes. Und wie die Massenerin aus Gesprächen mit Nachbarn gehört hat, sind zumindest kleinere Schäden an den Dächern auch Heute noch möglich.

Flieger war augenscheinlich tiefer als üblich unterwegs

Unklar ist, warum bei jenem Überflug, der sich bereits im Juli zugetragen hat, passiert ist, was sonst ausbleibt. Zumindest dem Anschein nach war der Flieger, den Frau Harth über ihr Haus hat fliegen sehen, ziemlich tief unterwegs. Beweisen lässt es sich nicht. Dennoch beinhaltet die Aussage eine besondere Brisanz, steht den Menschen in Massen möglicherweise doch eine Zukunft mit grundsätzlich niedrigeren Überflügen bevor.

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Beim Anflug zur Landung am Dortmunder Flughafen folgen die Piloten einem Sinkwinkel von 5 Prozent. Das bedeutet, dass sie auf hundert Meter Strecke fünf Meter Höhe abbauen. Daraus ergibt sich eine rechnerisch gut zu ermittelnde Sollkurve, an der sich die Piloten orientieren.

Sinkflug mit 5 Prozent Gefälle

Über dem Haus von Frau Harth, gut zwei Kilometer von der Landeschwelle entfernt, müssten die Flieger demnach gut hundert Meter über dem Boden sein. Die „letzten“ Häuser vor dem Flughafen stehen an der Bergstraße und werden in 75 Metern Höhe überflogen.

Bei einer Verlegung der Landeschwelle um 300 Meter nach Osten, wie sie der Flughafen nun bei seiner Aufsichtsbehörde in Münster beantragt hat, würden die Werte um 15 Meter sinken: 85 Meter Überflughöhe im Bereich der Kleistraße, 60 Meter am Ende der Bebauung an der Bergstraße. Zum Vergleich: Der Turm der Evangelischen Stadtkirche in der Innenstadt ist 84 Meter hoch.

Wie sich das Risikopotenzial für Gebäudeschäden verändert, wenn die Flugzeuge künftig regelmäßig tiefer über Massen anfliegen, ist in der öffentlichen Diskussion bislang noch kein Thema gewesen. Der Flughafen bittet nach einer Anfrage unserer Redaktion um etwas Geduld, um sich in der kommenden Woche zu der Thematik zu äußern.

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