Große Auszeichnung für den „bunten Hund“ der Kaiserstraße

dzSoziales Engagement

Einen Orden trägt Theo Stoltenberg bereits. Nun erhält der „Ritter der Republik Italien“ auch den Verdienstorden der Bundesrepublik - für sein vielfältiges soziales Engagement.

Kaiserstraßenviertel

, 04.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Theo Stoltenberg (77) sitzt über Schulbüchern für Wirtschaft und Politik. Mit Mehari geht er den Stoff durch. Mehari (20) aus Eritrea bereitet sich am Robert-Schuman-Berufskolleg auf die Fachoberschulreife vor. Stoltenberg paukt mit ihm, seit fast vier Jahren.

Große Auszeichnung für den „bunten Hund“ der Kaiserstraße

Theo Stoltenberg (r.) mit seinem Schützling Mehari. © Jaeschke

„Damals habe ich mich bei der Flüchtlingshilfe der Caritas gemeldet, um meine Unterstützung anzubieten“, sagt Stoltenberg, der viele Jahre am Aufbaugymnasium und später an der Gesamtschule Brüninghausen Italienisch unterrichtet hat. „Ich dachte, dass ich vielleicht einen Sprachkurs für Zuwanderer leiten könnte, doch die Koordinatoren haben mir Mehari zugewiesen.“

Sicherheit in der Sprache bringt Selbstbewusstsein

Mehari sei damals als 16-Jähriger sehr schüchtern gewesen. „Neben Kompetenzen in der deutschen Sprache habe ich auch versucht, ihm viel Selbstbewusstsein zu vermitteln.“

Ehrenamtliches Engagement gehört seit Jahrzehnten zu Stoltenbergs Leben. Jahrelang saß der „christkatholische Bauernsohn aus dem Münsterland“, wie er sich selbst gern nennt, spätabends und nachts am Hörer der Dortmunder Telefonseelsorge. Auf der Palliativstation des Johannes-Hospitals bietet er sich den Schwerkranken als Gesprächspartner an. „Obwohl ich mein Engagement etwas zurückgefahren habe, zur Palliativstation gehe ich noch sehr regelmäßig an Sonntagen.“

Stoltenberg ist ein bunter Hund im Kaiserstraßenviertel

Im Januar 2015 veröffentlichte die Kirchenzeitung des Erzbistums Paderborn ein Portrait über den umtriebigen Pensionär, der nicht nur im Kaiserstraßenviertel wegen seines schillernden Auftretens mit leuchtend blauen Sakkos und dem großen Schnauzbart sehr bekannt ist. „Ein alter Schulfreund von mir, Franz Frerick, hat den Artikel gelesen und mich für die Verdienstmedaille des Bundespräsidenten vorgeschlagen – ohne mir ein Sterbenswörtchen davon zu berichten“, sagt Stoltenberg. So staunte er nicht schlecht, als neulich ein Brief des Oberbürgermeisters in der Post lag. Am Mittwoch (10. Juli) wird ihm Bürgermeisterin Birgit Jörder die Auszeichnung im Rathaus überreichen.

„Der Cavaliere-Orden hat mir wirklich etwas bedeutet, die neue Ehrung nehme ich eher sportlich.“

Italienische Konsul ist ein Fan von Stoltenberg

Was hat es denn mit dem Cavaliere-Orden auf sich? Stoltenberg war nicht nur Italienischlehrer, er bildete am Dortmunder Studienseminar auch Generationen von Referendaren für dieses Fach aus und beriet bei der oberen Schulaufsichtsbehörde die Dezernentin für Italienisch. „Ich kenne ihn zwar noch nicht so lange persönlich, aber viele Menschen berichten mir, wie Stoltenberg für die Sprache und Kultur meines Landes regelrecht gebrannt hat“, sagt der italienische Konsul in Dortmund, Dr. Franco Giordani, der auch an der Feierstunde im Rathaus teilnehmen möchte. „Für dieses Engagement hat er schon 2004 den Ritterorden des italienischen Staatspräsidenten erhalten.“

Wenn der Twingo vorfährt, denken alle, der Pizzabote ist da

Einen Kommentar will sich der Konsul nicht verkneifen: „Theos Auto finde ich übrigens ausgesprochen cool.“ Auf der Motorhaube von dessen Twingo prangt eine große grün-weiß-rote Trikolore. „Wenn ich damit vorfahre, glauben viele, der Pizzabote sei gekommen“, lacht Stoltenberg. Jetzt hat aber gerade wieder Mehari geklingelt, der sich für die letzte Prüfung vorbereiten möchte.

Die Fachoberschule hat der junge Eritreer schon in der Tasche, im September beginnt er in der City eine Ausbildung zum Zahntechniker. „Dieser Mann hat mein Leben gemacht“, sagt Mehari über seinen Mentor. „Er hat mir nicht nur Deutsch beigebracht, sondern auch deutsche Umgangsformen und Tischmanieren.“ Dann drückt er seinen Ziehvater herzlich. Diese Dankbarkeit, man sieht es Stoltenberg an, bedeutet ihm mehr als jeder Orden.

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