Mit dem Film „Sounds of Dortmund" möchte die Oper Dortmund (Archivbild) an ein besonderes Musikprojekt aus dem Jahr 2018 anknüpfen. © Dieter Menne (Archiv)
Kultur

Theater im Lockdown: „Es gibt eine große Gefahr, die nicht gesehen wird“

Die Verlängerung des Lockdowns trifft das Theater Dortmund hart. Denn sie bedeutet, dass abermals Pläne über den Haufen geworfen werden müssen. Der Theater-Chef spricht über die Folgen.

Die Spielzeit ohne Zuschauer wird zu einer der arbeitsintensivsten Spielzeiten, die es im Theater Dortmund je gegeben hat. Die 761 Festangestellten und knapp 300 freiberuflich Beschäftigten in diesem städtischen Kultur-Betrieb sind gefordert, sich immer wieder an neuen Daten und Regelungen zu orientieren.

Der aktuelle Stand: Vor Pfingsten wird es laut Tobias Ehinger, Geschäftsführender Direktor der fünf Theater-Sparten, keinen Spielbetrieb mehr geben. Pfingstmontag ist am 24. Mai.

„Ein Opernsaal ist ein sicherer Raum“

„Es ist von außen betrachtet eine eindeutige Lage und es gibt politische und psychologische Faktoren“, sagt Ehinger.

Tobias Ehinger, ist Geschäftsführender Direktor des Theaters Dortmund. © Theater Dortmund © Theater Dortmund

„Solange die private Hochzeit nicht erlaubt ist, kann man einen Opernsaal nicht öffnen.“ Selbst, wenn dort nachweislich die Hygienebedingungen unproblematischer seien als im Einzelhandel oder ÖPNV.

„Ein Opernsaal ist ein sicherer Raum“, sagt der Theater-Direktor. Eine ähnliche Position hatte zuletzt auch Raphael von Hoensbroech, Chef der Konzerthauses, im Gespräch mit dieser Redaktion deutlich gemacht.

Digitales Sonderprogramm und Sommerfestival

Um die Ostertage herum startet das Theater Dortmund ein digitales Sonderprogramm. Unter anderem wird es dort im Rahmen der Inszenierung „Play On“ Beiträge von 16 europäischen Opernhäusern zu sehen geben.

„Wir arbeiten außerdem an einem Sommerfestival“, sagt Tobias Ehinger. Dieses soll vor allem unter freiem Himmel stattfinden. Die Opernterrasse soll laut Ehinger in bisher noch nicht gesehener Form bespielt werden.

Bis dahin gilt es aber weiterhin, die Motivation der Beschäftigten im Dortmunder Theater-Kosmos aufrechtzuerhalten. Sänger und Tänzer müssen üben, um ihre Qualität zu erhalten – das ist vergleichbar mit Leistungssportlern. „Alle haben dreimal so viel Input, aber keinen Output“, sagt der Theaterdirektor.

Berufe sterben weg

„Es gibt deshalb eine große Gefahr, die nicht gesehen wird: Dass Berufe wegsterben.“

Beispiele dafür ließen sich bereits in den USA beobachten. Dort hatte etwa die die Metropolitan Opera in New York zu Beginn der Pandemie das gesamte künstlerische Personal entlassen – und bis heute nicht wieder eingestellt.

Das deutsche Theatersystem mit öffentlich geförderten Häusern könne bisher vieles abfedern. Doch für freiberufliche Künstlerinnen und Künstler ist die Lage auch in Deutschland schon jetzt bedrohlich, etliche mussten andere Berufe ergreifen.

Entsteht auch im Theater Dortmund ein Corona-Testzentrum?

„Es gehört zu unseren gesellschaftlichen Aufgaben als großes Haus, dem entgegenzuwirken“, sagt der Geschäftsführende Direktor. So stehe das Theater zu allen Verpflichtungen gegenüber freiberuflichen Partnern und zahle vereinbarte Honorare, auch wenn die Leistung nicht erbracht werden konnte.

Zur Aufgabe der Intendanten der Theater-Sparten in Dortmund gehört es auch, sich mit Öffnungsszenarien zu beschäftigen. Ohne zu wissen, ob sie eintreten. „Sollte die Inzidenz wieder unter 50 sinken, könnten wir ergänzend ein Programm hochfahren“, sagt Tobias Ehinger.

Modellprojekte wie das in Tübingen findet er „sehr interessant“ – nicht nur, weil er gebürtig aus der Stadt am Neckar stammt. Durch flächendeckende Schnelltests wird Menschen dort ermöglicht, die Innenstadt und damit möglicherweise auch Kulturveranstaltungen zu besuchen.

Die sehr unterschiedliche Struktur und Größe Dortmunds mache ein solches System allerdings schwer vorstellbar. „Es ist aber nicht unsere Entscheidungshoheit.“

Konkreter seien hingegen die Pläne in einem der Theater-Häuser ein Testzentrum einzurichten, wenn der Bedarf dafür besteht.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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