Ein wohnungsloser Mann sitzt auf dem Westenhellweg. Schnee und Kälte erschweren die Situation für Menschen ohne festen Wohnsitz. © Oliver Schaper
Kältehilfe

Taxi-Scheine und Plätze in Flüchtlingsheim für Obdachlose – „Gute Entscheidung“

Die extreme Kälte bedroht Menschen, die auf der Straße leben. Die Stadt Dortmund öffnet nun eine Flüchtlingsunterkunft für Wohnungslose.

Es sind harte Nächte für Menschen ohne festen Wohnsitz in Dortmund. Mit Verzweiflung in der Stimme schildert ein junger Mann auf der Beurhausstraße am Dienstag (9.2.) seine Erlebnisse aus der Nacht.

Am Montagabend sei er an der Notschlafstelle an der Unionstraße gewesen, berichtet er. Dort sei er aber weggeschickt worden, weil die Räume voll belegt gewesen seien. Auch auf dem Boden hätten einige Menschen geschlafen.

„Ich war die ganze Nacht über zu Fuß draußen unterwegs“. Am Dienstag bettelt er um Geld, weil er von einem Zimmer gehört hat, in dem er für 20 Euro pro Nacht schlafen könne. „Ich bin total am Ende“, sagt er, den Tränen nahe.

Seine Schilderung zeigt, wie angespannt die Situation in der extremen Kälte ist.

An der Mergelteichstraße stehen 90 Schlafplätze zur Verfügung

Die Stadt Dortmund reagiert nun auf diese Situation. Sozialdezernentin Birgit Zoerner hat am Dienstag mitgeteilt, dass die Flüchtlingsunterkunft an der Mergelteichstraße für wohnungslose Menschen geöffnet ist.

In der vom privaten Unternehmen European Homecare betriebenen Einrichtung im Stadtteil Brünninghausen stehen 90 Plätze für Obdachlose in Wohncontainern zur Verfügung. Die Unterkunft für Geflüchtete ist eine von vier, die in Dortmund noch in Betrieb sind.

Mit Blanko-Taxischeinen sollen die Menschen zur Unterkunft gelangen. Es könnten laut Zoerner bis zu 100 weitere Plätze geschaffen und eine weitere Unterkunft geöffnet werden. Die Schaffung weiterer Unterbringungsmöglichkeiten ist aus Sicht der Sozialdezernentin nicht ungewöhnlich in der kalten Jahreszeit.

In der ersten Nacht nutzen neun Personen das Angebot

In der Nacht vom 8.2. auf den 9.2. haben laut Birgit Zoerner neun Personen an der Mergelteichstraße übernachtet. In der Frauenübernachtungsstelle an der Nortkirchenstraße im Stadtteil Hörde gibt es noch freie Plätze.

Die Übernachtungsstellen sind bei der extremen Witterung derzeit für alle Wohnungslosen geöffnet und nicht wie sonst nur für diejenigen, die Sozialleistungen erhalten.

Diakonie, Bodo und Gast-Haus sehen das Angebot positiv

Die in der Wohnungslosenhilfe aktiven Institutionen Diakonie, Gast-Haus und Bodo e.v. bewerten den Vorstoß der Stadt Dortmund durchweg positiv. „Das ist eine gute Entscheidung“, sagt Diakonie-Geschäftsführer Niels Back. Ein wichtiger Faktor aus seiner Sicht: An der Mergelteichstraße können auch Paare sowie Menschen mit Tieren unterkommen.

Bastian Pütter von Bodo sagt, er hofft, „dass die Leute es so annehmen wie die Stadt es plant.“ Wichtig sei in jedem Fall, dass es eine Alternative für Menschen gebe, die mit der Übernachtungsstelle an der Unionstraße schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Für Heinrich Bettenhausen, Vorsitzender des Gast-Haus e.V., ist die Lösung „besser als nichts“. Denn viele der Menschen, denen er an der Rheinischen Straße begegnet seien „sehr geschwächt und sehr müde“.

Gast-Haus favorisiert Hotel-Lösung, Diakonie möchte „nachhaltige Hilfen“

„Wir favorisieren allerdings insgesamt die Lösung, den Menschen in Hotelzimmern ein Quartier zu bieten“, sagt Bettenhausen. Das Team vom Wärmebus organisiert die Unterbringung für derzeit zehn Personen in einem Hotel in der Dortmunder Innenstadt. Bettenhausen ist der Ansicht, dass dieses Modell noch weiter ausgebaut werden könnte.

Die Wohnungslosenhilfe-Initiativen wünschen sich, dass die Diskussion über die akute Kältehilfe hinaus weiter geführt wird. „Wir sollten es nicht auf Essen, Trinken und Dach über Kopf reduzieren, sondern eine politische Diskussion darüber führen, was eigentlich nachhaltige Hilfen gegen Obdachlosigkeit sind“, sagt etwa Diakonie-Geschäftsführer Niels Back.

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Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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