Tausende Dortmunder blicken mit Sorge auf ihre Familien im Iran

dzMilitärschlag

Mehr als 3000 Dortmunder haben Vorfahren aus dem Iran - viele von ihnen verfolgen täglich die Nachrichten mit großen Sorgen um ihre Familien. Zwei Deutsch-Iraner schildern ihre Sichtweisen.

Dortmund

, 10.01.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seitdem das US-Militär den iranischen General Qasem Soleimani getötet hat, droht eine Eskalation des Konfliktes in Vorderasien. „Meine Eltern und meine Oma hängen minütlich an jeder Nachricht“, sagt ein 29-jähriger Dortmunder jetzt: „Die Angst ist schon da, sie halten täglichen Kontakt zu Verwandten.“

Seine Eltern sind 1989 aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Mehr als 3000 Dortmunder haben Vorfahren aus dem Iran, 1064 sind iranische Staatsbürger.

Jetzt lesen

„Die Leute gehen dort trotz des Konflikts ihrem Leben nach, weil das seit Aufkündigung des Atom-Abkommens quasi der Normalzustand ist“, berichtet der Dortmunder aus der Entfernung: „Aber die aktuelle Eskalation wird schon als solche wahrgenommen.“

Für Familie und Bekannte im Iran sei die Lage schon deswegen bedrohlich, weil Medikamente seit längerer Zeit nicht mehr zu den Menschen kämen. „Das Land wird kaputtsanktioniert, was im Wesentlichen die Ärmeren trifft“, meint der 29-Jährige.

Verschiedene Gruppierungen stehen plötzlich zusammen

„Meine Eltern sind während des Iran-Irak-Krieges vor einer Theokratie (Gottesherrschaft, Anm. d. Red.) geflüchtet, aber sehen sich heute in der Position wieder, dass sie die Aktionen und das Personal dieser Theokratie verteidigen müssen“, so der Mann, der seinen Namen nicht veröffentlichen möchte. Die US-Außenpolitik nennt er irrational.

Vor allem die Aussage von US-Präsident Donald Trump mit der Drohung, auch Kulturstätten zu zerstören, bringe viele Menschen zueinander. „Auch zwischen politischen Lagern, die eigentlich nichts miteinander am Hut haben“, sagt er.

Jetzt lesen

Mitra Nouri Athar (53) ist vor knapp 30 Jahren nach Deutschland gekommen und sagt: „Die meisten Menschen im Iran sind müde.“ Sämtliche Produkte in den Geschäften seien teuer, ihr Vater bekomme nur etwa 100 Euro Rente: „Die Leute werden immer ärmer.“

Ihr Neffe habe der 53-Jährigen aus Teheran berichtet, dass den Menschen Geld geboten worden sei, um am Trauermarsch nach dem Tod des Generals Soleimani teilzunehmen. So habe die Regierung für mehr mediale Aufmerksamkeit sorgen wollen.

„Mein Neffe sagt, hoffentlich kommen die Amerikaner“

Jeden Morgen hätten die Iraner Angst davor, was im Land passieren könnte, sagt Nouri Athar. Von Dortmund aus fühle sie sich machtlos und sei dauerhaft in Kontakt mit ihren Verwandten, stundenlang spreche man miteinander.

„Mein Neffe sagt, hoffentlich kommen die Amerikaner“, erzählt sie. Aus Sicht ihrer Familie herrsche ein großes Misstrauen gegenüber der iranischen Regierung, die wie ein Maulwurf unter der Erde arbeite. Die Familie zu besuchen, kommt für Mitra Nouri Athar aus Sicherheitsgründen aktuell nicht in Frage. Zu groß sei auch die Gefahr, wegen Spionageverdachts festgenommen zu werden.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt