Taubblinde lernen im Tanzkurs Rhythmus und Taktgefühl

dzTanzschule Gödde

Fast 9000 Menschen sind bundesweit taub und blind. Doch eine Einschränkung für die Freizeit soll dies nicht bedeuten. Der Spaß am Tanzen vereint einige von ihnen in Dortmund.

von Jonas Maximilian Wenz

Mitte

, 13.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Tanzschritte beim Nachbarn abgucken, den Takt- und Bewegungswechsel hören und trotzdem aus dem Takt kommen: So sieht es vermutlich in jedem gewöhnlichen Tanzkurs aus. Doch Peter Hühner macht eben nicht nur gewöhnlichen Tanzunterricht. Zum bereits vierten Mal leitet der Dortmunder Tanzlehrer einen Kursus für Taubblinde und Menschen mit einer Seh- und Hörbehinderung.

Blinde Studierende machten den Anfang

Wie es dazu kam, erklärt Cornelia Hühner, Ehefrau des Inhabers der Tanzschule Gödde am Dortmunder Südwall. Angefangen habe es nämlich vor einigen Jahren, als sich eine Gruppe blinder Studierender an die Tanzschule wandte. „Wir waren sofort bereit, einen Kurs zu veranstalten“, erinnert sich Cornelia Hühner. Sie selbst übernahm damals die Leitung des Kurses. Eine völlig neue Situation für sie.

„Man muss sich ja erstmal da hineindenken“, erklärt sie. Als sehende Person sei das nicht so einfach. Aber die blinden Teilnehmer hätten sie hervorragend unterstützt. Schrittrichtungen erkläre sie über die Uhr. „Rechter Fuß auf zwei Uhr, linker Fuß auf neun.“

Taubblinde lernen im Tanzkurs Rhythmus und Taktgefühl

Der Spaß steht im Vordergrund. © Schaper

Infos zum Kurs der Tanzschule Gödde machten die Runde. Das Freizeitangebot für seh- und hörbehinderte Menschen ist begrenzt und die Nachfrage doch recht hoch, beachtet man, dass es bundesweit etwa 9000 Menschen gibt, die von diesem Schicksal betroffen sind. Doch die Freude an der rhythmischen Bewegung und ihren Humor lassen sich die meisten Teilnehmer der Kurse nicht nehmen. „Wir sehen uns dann nächstes Mal“, sei eine gängige Verabschiedung unter den Teilnehmern des Kurses für Blinde gewesen, sagt Hühner.

Kommunikation über Lormen

Tanzschulen-Inhaber Peter Hühner hat die Leitung des Kurses für Taubblinde übernommen. Am 24. März startete der bereits vierte Kurs dieser Art in diesem Jahr. Nicht alle Teilnehmer sind zu hundert Prozent blind oder taub, einige haben Restfähigkeiten im Sehen oder Hören. Die Schwierigkeit beim Erlernen von Tänzen sei jedoch ähnlich, wie bei normal sehenden oder hörenden Menschen, berichtet Cornelia Hühner. „Jeder Tanzschüler kommt mal aus dem Takt oder macht einen falschen Schritt.“

Taubblinde lernen im Tanzkurs Rhythmus und Taktgefühl

Die Kursteilnehmer werden angeleitet. © Schaper

Aber sowohl bei den taubblinden als auch bei „normalen“ Tanzschülern stehe immer der Spaß an der Bewegung und am Tanzen im Vordergrund. Die Kommunikation läuft über das so genannte Lormen. Einer Sprache, die über die Hände funktioniert. Durch Druck auf verschiedene Punkte auf der Hand vermitteln die Assistenten der Kursteilnehmer die verschiedenen Schrittfolgen und Anweisungen von Tanzlehrer Hühner.

Kommunikation läuft anders als üblich

Schwierig sei die Kommunikation nicht, nur anders, sagt Peter Hühner. „Ich bereite mich anders vor, dunkle den Tanzsaal ab und überlege, wie ich die Schritte vermittle“, sagt Hühner. Die Assistenten übernehmen beim Tanzen auch die Rolle des Tanzpartners und häufig auch die Führung. Denn Taubblinde spüren die Musik meist lediglich über die Schwingungen. Doch dazu muss die Musik laut sein.

Das bedeutet nicht, dass Menschen mit einer Seh- und Hörbehinderung vollkommen auf andere Menschen angewiesen sind. Einige der Kursteilnehmer kommen nicht aus Dortmund, sondern auch aus dem weiteren Umkreis der Stadt. Teilweise selbstständig.

Einmal im Monat findet der Kurs statt. Immer an einem Sonntagmittag. Viele der Teilnehmer kommen zum wiederholten Male, um ihre Kenntnisse aufzufrischen. Willkommen sei jedoch jeder, und Vorkenntnisse seien keine Voraussetzung.

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