Der Westenhellweg in Dortmund am ersten Tag des Lockdowns. © Schaper
Corona-Beschränkungen

Tag 1 des Lockdowns: Dortmund ist eine Geisterstadt – aber nur an einem Ort

Wegen des erneuten Lockdowns sind seit Mittwoch die meisten Geschäfte zu - wie ausgestorben wirkt Dortmunds City aber nicht. Nur an einem vor Kurzem noch belebtem Ort geht es gespenstisch zu.

Ein Mann klopft energisch an die Scheiben eines Geschäfts in der Thier-Galerie. Es ist nicht der letzte verzweifelte Versuch, doch noch ein Weihnachtsgeschenk für die Lieben zu Hause zu ergattern. Der Mann ist für den „Abtransport“ da. Er arbeitet für einen privaten Sicherheitsdienst und soll das Geld aus den Kassen abholen.

Denn die werden vorerst nicht mehr gebraucht. Das sonst im Weihnachtsgeschäft dringend benötigte Wechselgeld ist ab heute eher ein Sicherheitsrisiko, denn am ersten Tag des Lockdowns sind die meisten Geschäfte in der Thier-Galerie schon verwaist und abgeschlossen, die meisten Gänge und Rolltreppen sind menschenleer.

Nichts erinnert an mehr an den „Black Friday“ und den zweiten Adventssamstag, als die Leute dicht gedrängt vor den Geschäften warteten und sogar vor den Eingängen der Thier-Galerie in langen Schlangen anstanden. Nachdem Lockdown seien nur noch 20 Geschäfte “zur Grundversorgung” geöffnet, wie Markus Haas Manager der Thier-Galerie berichtete.

Weihnachtsgeschäft „komplett zusammengebrochen“

Eine Mitarbeiterin eines Essig- und Öl-Fachhandels in der Thier-Galerie berichtet, dass das Weihnachtsgeschäft durch den von Bund und Ländern vergangenen Sonntag (13.12) beschlossenen, harten Lockdown „komplett zusammengebrochen“ sei.

Das Geschäft kann, weil es Lebensmittel verkauft, zwar geöffnet haben, bis zum Vormittag allerdings sind „nicht mehr als eine Handvoll“ Kunden gekommen, „und die meisten davon arbeiten selber im Center“.

Ein Eindruck, den auch eine Mitarbeiterin des Thai-Curry-Schnellimbiss in der Food-Lounge im Obergeschoss hat: Das Geschäft laufe „sehr schlecht“. Vorerst werde sie nur Mittagessen anbieten, denn die Kunden, die sie noch habe, würden alle in der Nähe arbeiten und kämen nur in ihrer Mittagspause.

Sami Malki von der Bierothek hatte nur einen Kunden in den ersten Stunden nach dem Lockdown.
Sami Malki von der Bierothek hatte nur einen Kunden in den ersten Stunden des Lockdowns. © Linde © Linde

Ein Stockwerk tiefer arbeitet Sami Malki in der Bierothek. Der 27-Jährige wirkt enttäuscht, als er merkt, dass kein Kunde, sondern ein Reporter seinen Laden betritt. Man kann es ihm nicht verdenken, denn er berichtet, dass nur ein einziger Kunde in den ersten drei Stunden vorbeigeschaut hat.

Trotzdem möchte er weiter arbeiten: „Wir versuchen uns jetzt mehr auf das Marketing zu konzentrieren, dass die Leute wissen, dass wir noch hier sind“, erzählt Malki.

Kundenberatung und der Staubsauger unterm Arm

Wer allerdings einen Schritt raus auf den Westenhellweg macht, könnte überrascht sein. Von der gähnenden Leere der Thier-Galerie bleibt das Herz des Dortmunder Einzelhandels vorerst verschont.

Laut dem Portal Hystreet sind zwar nur gut ein Drittel der Passanten unterwegs, die an einem durchschnittlichen Mittwoch unterwegs wären, aber das sind immerhin noch rund 1.000 Menschen zwischen 12 und 13 Uhr. Damit wirkt das Treiben auf dem Westenhellweg zwar relativ überschaubar, aber eben auch nicht ausgestorben.

Das könnte auch daran liegen, dass noch nicht alle Geschäfte das Weihnachtsgeschäft aufgegeben haben. Die Buchhandlungen Mayersche und Thalia bieten beispielsweise an, dass Kunden online bestellen und vor Ort abholen. Auch die Parfümerie Piper erprobt dieses Modell.

Die beiden Angestellten vor Ort sind allerdings trotzdem nicht mit Kundenservice beschäftigt, sondern mit Aufräumarbeiten und Putzen. „Wir machen hier klar Schiff“ sagt eine von ihnen, während sie in der halb geöffneten Tür steht und den surrenden Staubsauger noch unter dem Arm geklemmt hält. Ob die Kunden das Angebot der telefonischen Bestellungen tatsächlich wahrnehmen werden, weiß sie nicht.

„Jetzt kann man hier wieder laufen und es genießen“

„Heute hatten wir bis jetzt eine Person, die angerufen und vorbestellt hat, die wollte morgen zum abholen kommen, aber die arbeitet nebenan bei Fielmann.“ Auch die Optiker auf dem Westenhellweg haben noch geöffnet, sie sind vom harten Lockdown ausgenommen worden.

Sami Malki von der Bierothek hatte nur einen Kunden in den ersten Stunden nach dem Lockdown.
Während auf das eigentliche Hauptgeschäft mit den Kunden gewartet werden muss, wird bei Pieper aufgeräumt und geputzt. © Linde © Linde

Neben den Optikern sind auch einige andere Geschäfte geöffnet: Drogerien, Apotheken und Lebensmittelgeschäfte empfangen noch Kunden und auch zum Markt können Passanten gehen. Hier erzählt ein Verkäufer, dass mit der fehlenden Laufkundschaft natürlich auch weniger Menschen kommen. Trotzdem warten die Kunden teilweise in kleineren Schlangen auf ihr Obst und Gemüse.

Auch wegen solcher Momente findet man sich als Besucher auf dem Westenhellweg teilweise in einer merkwürdigen Situation wieder: Mit einem Blick sind manchmal nur ein bis zwei Passanten zu sehen und im nächsten Moment entdeckt man eine lange Schlange mit dutzenden wartenden Menschen, wie beispielsweise vor der Corso-Apotheke.

Dort werden, wie in allen Apotheken der Stadt, seit vergangenem Dienstag (15.12) FFP2-Schutzmasken an alle Risikogruppen kostenlos verteilt. Neben der Apotheke schlendert ein älterer Mann, die Hände hinter dem Sakko haltend, langsam an der Apotheke vorbei. “Ich mache einen Spaziergang” sagt er, “es ist schon schade, dass alles zu hat, aber jetzt kann man hier wieder laufen gehen und es genießen”.

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