Superintendent in Minden: Pfarrer Michael Mertins verlässt Lütgendortmund

dzChristuskirchengemeinde

Zehn Jahre war Michael Mertins Pfarrer in der evangelischen Christuskirchengemeinde in Lütgendortmund. Nun wird er Superintendent im Kirchenkreis Minden. Der Wechsel hat gute Gründe.

Lütgendortmund

, 12.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er ist beliebt, seine Arbeit anerkannt, er fühlt sich wohl – und dennoch: Nach zehn Jahren verlässt Pfarrer Michael Mertins Lütgendortmund und die evangelische Christuskirchengemeinde. Bekannt ist Mertins vor allem wegen seiner engagierten Arbeit mit und für Flüchtlinge sowie sein Engagement für Kindertageseinrichtungen. Nun erwartet ihn eine neue Herausforderung.

Michael Mertins wird zum 1. November Superintendent des Kirchenkreises Minden. Am 4. September traf die ostwestfälische Kreissynode ihre Entscheidung. Mit 63 von 95 abgegebenen Stimmen wählten ihn die Synodalen im ersten Wahlgang an die Spitze des Kirchenkreises.

Ein überzeugendes Ergebnis, das Mertins als „Rückenwind für meine Inhalte“ wertet. Im Kirchenkreis Minden erwarten ihn Schwerpunkte im sozial-diakonischen Bereich – auch in der Flüchtlingsarbeit. Zudem stehen 33 Kindertageseinrichtungen vor der Überleitung in eine gemeinsame Trägerschaft.

Synodalbeauftragter für die Flüchtlingsarbeit

Das hat der Pfarrer, der 2010 nach Holte-Kreta kam, in Dortmund bereits hinter sich. Michael Mertins leitete im Kirchenkreis Dortmund den synodalen Leitungsausschuss, der die 64 evangelischen Kindertagesstätten in eine neue Trägerschaft überführte. In Dortmund war er außerdem Synodalbeauftragter für die Flüchtlingsarbeit.

Jetzt lesen

Vor allem hat ihn die Gemeindearbeit im Ortsteil Holte-Kreta bereichert. „Mit den Menschen hier konnte ich etwas auf die Beine stellen“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Sozialberatung etwa, bei der es nicht nur um Geld und Gutscheine für Notleidende gegangen sei: „Damit haben wir die Kirche hier profilieren können.“ Für dieses Profil steht als Ort das Gemeindezentrum Martin-Luther-King-Haus.

Darum fällt Michael Mertins der Abschied schon schwer. „Ich spreche mir immer zu, du bist nicht der, der die Leute verlässt“, sagt er. „Ich habe hier immer gerne gearbeitet. Meine Bewerbung in Minden erfolgte nicht, um wegzukommen.“ Vielmehr war sie zielgerichtet.

Rückkehr in die Stadt seiner Kindheit

In der Stadt an der Weser hat er vom 6. Lebensjahr bis zum Abitur gelebt. Dort war sein Vater ebenfalls Pfarrer. Ein Bruder lebt noch in Minden. „Es gab nur die eine Bewerbung dorthin“, betont Michael Mertins. Stellenausschreibungen für Superintendenten gibt es in der westfälischen Landeskirche in diesem Jahr reichlich: Ein Drittel dieser Leitungsämter werden neu besetzt.

Die Arbeit mit und für Flüchtlinge ist einer der Arbeitsschwerpunkte von Michael Mertins (2.v.r.).

Die Arbeit mit und für Flüchtlinge ist einer der Arbeitsschwerpunkte von Michael Mertins (2.v.r.). Auch in Corona-Zeiten initiierte er mit Gemeindemitgliedern Basare, wie hier in Bövinghausen. Der Erlös kommt der Flüchtlingshilfe zugute. © Stephan Schütze

„Ich bin jetzt 53“, sagt Mertins. „Wenn es noch eine berufliche Veränderung geben soll, dann jetzt.“ Es zieht ihn also zurück in die Heimat. Das fand Zustimmung bei seiner Frau Dorothea. „Meine Frau kommt aus Schleswig-Holstein. Sie sagt, in Minden ist es ein bisschen wie zu Hause.“

In Minden fließt die Weser aus dem Bergland in die Norddeutsche Tiefebene. Die Kreisstadt hat 90.000 Einwohner. Michael Mertins schätzt die Verbindung von der Stadt als kulturellem Zentrum und dem dörflichen Charakter des Mindener Lands. Die Weser vor der Haustür lockt zu Bootstouren auf dem Wasser. Dorothea und Michael Mertins sind begeisterte Kajak-Fahrer.

Umzug in den Herbstferien

Beruflich werden die acht Jahre eine Herausforderung. Denn auch in Ostwestfalen nimmt die Zahl der Kirchenmitglieder ab. „Der demografische Wandel ist das große Problem“, sagt Michael Mertins. „Ich sehe meinen Job darin, die Gemeinden miteinander in Kooperation zu bringen.“

Am 10. Oktober verabschiedet sich der beliebte Pfarrer aus Lütgendortmund. Corona-bedingt kann nur ein Kreis eingeladener Gäste teilnehmen. „Als ich die Liste zusammengestellt habe, ist sie schon sehr lang geworden. Und das sind nur Leute aus der Christuskirchengemeinde.“

In den Herbstferien zieht das Ehepaar Mertins um. Am Reformationstag (31.10.) folgt die Einführung als Superintendent in Minden.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt