Polizeihundwelpe Tiu beim Training auf der Atemschutzstrecke der Feuerwehr. © Gaby Kolle
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Süßer als die Polizei erlaubt – Dortmunder Behörde hat Azubis auf vier Pfoten

„Ach sind die süß“ – so würde man Mitarbeiter der Dortmunder Polizei nicht unbedingt bezeichnen. Es sei denn, es geht um die jüngsten Neuzugänge. Die vierbeinigen Azubis sind sogar megasüß.

Noch jagen sie Gaunern keinen Schrecken ein. Im Gegenteil: Wer sie sieht, ruft begeistert: „Sind die niedlich!“ Skadi und Tiu sind die neuen Azubis der Dortmunder Polizei. Azubis auf vier kleinen Pfoten. Aber neugierig, verspielt und quicklebendig – beste Voraussetzungen, um mal ein selbstbewusster, mutiger und zuverlässiger Polizeidiensthund zu werden.

Die beiden Malinois, eine Variante des belgischen Schäferhundes, sind erst gut 14 Wochen alt und stammen aus einem Wurf mit gleich zehn Welpen. Sie kommen aus der landeseigenen Zucht der Diensthundestaffel der NRW-Polizei in Stukenbrock-Senne. Nach der Kinderstube dort kamen sie vor rund sechs Wochen zu ihrer Ausbildung nach Dortmund.

Die Hündin Skadi ist in der Obhut von Polizeioberkommissar Andre Graziola, der Rüde Tiu bei Polizeioberkommissarin Annika Eichner. Bevor die kleinen Schnüffler, die in der Familie ihrer Hundeführer leben, im Polizeidienst durchstarten und die zehnköpfige Diensthundestaffel der Dortmunder Polizei verstärken können, haben sie einiges zu lernen.

Training ist jeden Tag

Training ist eigentlich jeden Tag, berichtet Graziola; denn die felligen Nachwuchskräfte müssen zunächst spielerisch Umwelttrainings absolvieren, etwa das Gehen auf schwierigem Untergrund, wie einem Gitterrost oder auf glatten Böden. „Sie müssen lernen, verschiedene Umweltkomponenten wahrzunehmen wie Lautstärke und Untergründe“, erläutert Graziola, „denn das kommt später im Dienst auch auf sie zu.“

Besonders gute Trainingsbedingungen dafür bietet die Atemschutzstrecke der Feuerwehr in Lünen. Mit Leckerchen locken Graziola und Eichner ihre Schützlinge auf die vergitterte Strecke, durch die sonst Feuerwehrleute für Übungen unter schwerem Atemschutz bei Dunkelheit und Nebel kriechen. Für Skadi und Tiu geht es aber einfach darum, solche Hindernisse wie Öffnungen in den Gitterrosten, Röhren und Löcher im Boden zu überwinden.

Graziola: „Löcher nach unten zum Beispiel sind für Hunde sehr schwierig, sie können nicht abschätzen, wie tief sie sind. Man muss ihnen die Situationen immer wieder zeigen.“ Da es auf der Strecke stets Leckerchen gibt, speichern die Hunde diese Erfahrungen als positiv ab. Derart ausgestattet mit Umweltsicherheit, bleiben sie später in ungewöhnlichen und stressigen Situationen ruhig.

Schon erste Kommandos gelernt

„Tiu hat schon Kommandos wie Sitz und Platz gelernt, und auch, ein bisschen Langeweile auszuhalten“, sagt seine Hundeführerin. Gerade Letzteres ist für solche Energiebündel nicht leicht.

Das ist alles noch „Vorschule“. Die eigentliche Schutzhundausbildung von Skadi und Tiu beginnt erst mit einem Jahr, wenn sie etwas herangewachsen sind. Sie lernen, Beweismittel zu finden, bei der Personensuche Fährten aufzunehmen und zu verfolgen, Flüchtige zu stellen, ihren Hundeführer zu verteidigen und nicht zuletzt generellen Gehorsam. Wo die besonderen Fähigkeiten von Skadi und Tiu liegen, etwa als Rauschgift- oder Personenspürhund, muss sich noch zeigen.

Polizeihundwelpe Skadi mit seinem Hundeführer Polizeioberkommissar Andre Graziola.
Polizeihundwelpe Skadi mit seinem Hundeführer Polizeioberkommissar Andre Graziola. © Gaby Kolle © Gaby Kolle

Und bevor es mit ihrer Polizeihund-Karriere richtig losgehen kann, müssen Skadi und Tiu nach einem Jahr einen Gesundheitscheck beim Tierarzt machen, vor allem mit Blick auf die Knochen, die geröntgt werden.

Für die Grundausbildung zum Lehrgang

Nach einem Jahr übergeben auch Andre Graziola und Annika Eichner die beiden Azubis zur eigentlichen Grundausbildung an andere Hundeführer, die dann in Dortmund neu ihren Dienst antreten. Sie absolvieren gemeinsam mit Skadi und Tiu den obligatorischen Lehrgang beim „Zentralen Fortbildungszentrum für das Diensthundewesen“ in Stukenbrock.

Ob Graziola und Eichner den richtigen Riecher hatten, als sie Skadi und Tiu ausgewählt haben, wird sich bei der Polizeidiensthund-Prüfung zeigen, die die beiden Malinois nach 18 bis 24 Monaten Ausbildung bestehen müssen.

Tiu mit Polizeioberkommissarin Annika Eichner beim Training.
Tiu mit Polizeioberkommissarin Annika Eichner beim Training. © Gaby Kolle © Gaby Kolle

Schaffen sie diese Hürde, zeigen zum Beispiel ein stabiles Wesen und einen hohen Beutetrieb, bleiben sie je nach Tauglichkeit, Gesundheit und Fähigkeit etwa bis zum neunten oder zehnten Lebensjahr im Dienst und leben in dieser Zeit bei ihrem Diensthundführer, in der Regel auch danach als vierbeinige Rentner; denn ein Polizeihund gehört ins Privatleben seines Polizisten.

Bei Müdigkeit knickt das Ohr ab

Bis zur Rente ist es für Skadi und Tiu noch ein langer Weg. So hat das Training auf der Atemschutzstrecke die Hunde müde gemacht. Andre Graziola erkennt das mit einem Blick; denn dann knickt das linke Ohr von Skadi ab.

Und schon möchte man rufen „Süßer als die Polizei erlaubt“ – das sehen übrigens die zweibeinigen Polizei-Kollegen von Skadi und Tiu auch so.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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