Große Kampagne: Stadt Dortmund will Autofahrer zum Umsteigen bewegen

dzVerkehr

Eine aktuelle Erhebung gibt Aufschluss über das Verkehrsverhalten der Dortmunder. Die Stadt setzt auf umweltfreundliche Mobilität – und geht einen nächsten Schritt in Richtung Verkehrswende.

Dortmund

, 30.01.2020, 15:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit den Zahlen ist das immer so eine Sache: 48,7 Prozent der Alltagswege - also fast die Hälfte - legen die Dortmunder mit dem Auto zurück. Das ist das Ergebnis der jüngsten Mobilitätsbefragung der Stadt, an der sich 2019 mehr als 10.000 Dortmunder beteiligt haben.

Eine Verkehrswende hin zu umweltfreundlicheren Verkehrsmitteln wurde nicht erreicht, räumt die Verwaltung selbstkritisch ein - auch wenn der Radverkehrsanteil sich von 6,4 Prozent im Jahr 2013 auf inzwischen 10,1 Prozent erhöht hat.

Große Kampagne: Stadt Dortmund will Autofahrer zum Umsteigen bewegen

Die Grafik zeigt die in einer Bürgerbefragung ermittelte Verteilung der Verkehrsarten - den sogenannten "Modal Split". © Stadt Dortmund

Etwas besser sehen die Zahlen aus, die das Institut für Handelsforschung schon 2014 in der City erhoben hat und bei denen auch Nicht-Dortmunder erfasst wurden. Danach seien 67 Prozent zu Fuß, per Rad oder mit Bus und Bahn, also klimafreundlich, in die City gekommen.

Botschafter gesucht

Auf diese Zahl will die Stadt nun aufsatteln. „Wir wollen, dass bis 2022 75 Prozent aller Wege in die City klimafreundlich zurückgelegt werden“, verkündet Umweltdezernent Ludger Wilde. Um diese „Verkehrswende“ zu erreichen, wird im Rahmen des Landesprogramms „Emissionsfreie Innenstadt“ eine großangelegte Marketing-Kampagne gestartet.

Große Kampagne: Stadt Dortmund will Autofahrer zum Umsteigen bewegen

Verkehrsplaner Andreas Meissner (v.l.), Dirk Pohlmann von DSW21 und Umweltdezernent Ludger Wilde stellten im Rathaus die "Umsteigern"-Kampagne vor. © Roland Gorecki

Durch gute Beispiele sollen die Dortmunder dazu ermuntert werden, vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad umzusteigen - und das „gern“. „Umsteigern. Du steigst um. Dortmund kommt weiter“ ist deshalb das Motto der Kampagne. Das „gern“ in dem Kunstwort soll dabei eine individuelle Handschrift tragen, erläutern die Erfinder der Kampagne von der Agentur CP/Compartner.

16 Maßnahmen

Hintergrund ist das vom Land NRW geförderte und mit 8 Millionen Euro ausgestattete Programm „Emissionsfreie Innenstadt“. 16 Maßnahmen zur Förderung umweltfreundlicher Verkehrsmittel werden daraus finanziert. Dazu gehören mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder in der Innenstadt, bessere Ampelschaltungen für Fußgänger und Radwege am Wall, Mobilitätsberatung für Unternehmen, Schulen und Kitas und die Förderung von E-Mobilität.

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Eine ganz wichtige Rolle spielt aber auch die Marketing-Kampagne, die offiziell im März starten soll. „Das Ganze geht nur, wenn die Menschen mitmachen. Deshalb hängt von der Marketingkampagne ein großes Stück unseres Erfolgs ab“, sagt Ludger Wilde.

Getragen werden soll die Kampagne von ganz normalen Dortmundern, die sich zum Botschafter für die gute Sache machen. Dafür kann man sich über die eigens geschaltete Internet-Seite bewerben.

Angebot statt Verbote

Man wolle Überzeugungsarbeit leisten, nicht mit dem erhobenen „Zeigefinger“ arbeiten, erklärt Jochen Plückelmann von der Agentur CP/Compartner. „Es geht nicht um Verbote, sondern um Angebote“.

Und der Verzicht muss (anfangs) auch nicht allzu groß sein. Das 75-Prozent-Ziel könne schon erreicht werden, wenn Autofahrer auf jede fünfte Autofahrt in die City verzichten, also einmal pro Woche den Wagen stehen lassen, rechnen die Organisatoren vor.

Ein Höhepunkt der Kampagne, die in drei Phasen bis April 2022 unterteilt ist, ist ein „Wall-Still-Leben“ am 26. September 2021, bei dem auf dem autofreien Wallring gefeiert werden soll.

Schlechte Note für Radverkehr

Ein Schwerpunkt des Programms „Emissionsfreie Innenstadt“ liegt auf der Förderung des Radverkehrs. Neue Radwege sollen nicht nur am Wall entstehen. Auch neue Fahrradstraßen sind für 2021 geplant: in der Arndstraße im Kaiserstraßen-Viertel sowie in Nord-, Krim- und Leuthardstraße in der Nordstadt.

Dass das nötig ist, zeigen ebenfalls die Ergebnisse der Mobilitätsbefragung: Denn trotz des gestiegenen Radfahr-Anteils wurden die Radfahr-Bedingungen in Dortmund nur mit der Schulnote 4 bewertet - schlechter als 2013, als die Durschnittsbewertung noch bei 3,2 lag.

Baudezernent Arnulf Rybicki erklärt das mit gestiegenen Ansprüchen. „Die Erwartungen steigen schneller, als wir Radwege bauen können“, sagte er.

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