In ganz Dortmund haben sich bis zum 17. August 1453 Menschen mit dem Coronavirus infiziert – die meisten haben die Krankheit bereits überstanden. © Hans Blossey (Archivbild)
Corona-Krise

Studie nennt die Gewinner-Städte der Corona-Krise: Wie schneidet Dortmund ab?

Welche deutschen Großstädte werden sich nach der Corona-Krise schnell wieder erholen? 52 Städte wurden analysiert und bewertet. Auch Dortmund wurde untersucht.

Mit einer Studie wurde jetzt der Versuch unternommen, herauszufinden, wie schnell sich deutsche Großstädte wohl von den Nackenschlägen der Corona-Pandemie erholen können. 52 Städte wurden von dem Beratungsunternehmen FTI-Andersch analysiert und auf Basis von 19 Einzelfaktoren miteinander verglichen.

Bonn, Darmstadt, Ingolstadt und Ulm sind einige der Städte, die trotz des anhaltenden Lockdowns gute Chancen auf eine raschere Erholung nach einem Ende der Pandemie haben. Dortmund hingegen zählt nicht zu den Gewinnerstädten.

Das beste Ergebnis erzielte Bonn. Als Wirtschaftsstandort mit einer Vielzahl an Konzernen und mittelständischen Unternehmen, so heißt es in der Analyse, verfüge die Stadt über ein starkes Wachstum der Wirtschafts- und Einwohnerzahlen. Die Kaufkraft sei hoch, die Arbeitslosenquote gering und die Lebensqualität sehr gut.

Dortmund landet in der Schlussgruppe

Und Dortmund? Dortmund werden auf all diesen Feldern nicht so gute Werte attestiert. Im Ranking landet die Stadt auf Platz 47 von 52, also in der Schlussgruppe mit Städten wie Celle, Erfurt, Leipzig und Mannheim. Das heißt, wenn die Studie recht hat, wird die Lebensqualität in Dortmund noch lange leiden und es wird möglicherweise Jahre dauern, bis die Innenstadt mit Handel, Gastronomie und Kulturleben wieder attraktiver wird.

Insgesamt haben die Unternehmensberater 19 Faktoren pro Stadt untersucht, die sich auf Stabilität in der Krise und das sozio-ökonomische Umfeld auswirken. Zu Stabilitätsfaktoren wurden Kennzahlen zum Kultur- und Freizeitangebot, Leerstandsquoten von Gewerbeimmobilien, der digitale Reifegrad, die Existenz einer Universität, die Anzahl der Touristen sowie die Anzahl der Messen gerechnet.

Gerade der Wegfall der Messen hat sich unmittelbar auf die Besucherfrequenzen in der Zeit der Pandemie ausgewirkt. Ebenso das Ausbleiben der BVB-Fans, das in der Studie allerdings so explizit keine Rolle spielt.

Zum sozio-ökonomischen Umfeld zählen Faktoren wie Wirtschaftsleistung, Einwohnerwachstum, die Relevanz als Einzugsgebiet, Kaufkraft, Arbeitslosenquote und Lebensqualität. Die Bewertungen, die dann anzeigen, wie einschneidend die Auswirkungen der Pandemie jeweils sind, basieren auf öffentlich zugänglichen und von FTI-Andersch erhobenen Daten.

Schlechte Bewertung der Kaufkraft

„Natürlich handelt es sich hier um Modellrechnungen, die nicht alle Unwägbarkeiten der nächsten Monate vorwegnehmen können“, sagt Dorothée Fritsch, Leiterin der Studie bei FTI-Andersch. „Es ist jedoch absehbar, dass vor allem die Städte, die stark auf externe Impulse angewiesen sind und gleichzeitig ein eher schwaches wirtschaftliches Umfeld bieten, in den nächsten Monaten deutlich größere Herausforderungen bewältigen müssen. Denn bleiben die Besucher aus, haben lokale Händler, Gastronomen, Freizeit- und Kulturangebote keine Einnahmequellen. Kommt es 2021 zu den erwarteten Insolvenzen, wird dies das sozio-ökonomische Umfeld und lokale Angebot weiter verschlechtern.“

Für Dortmund ist das Erholungspotenzial von der Krise vor allem deshalb vergleichsweise so gering, weil die Kaufkraft als schlecht bewertet wird und diese bei der Gesamtbeurteilung stark ins Gewicht fällt. Ebenso wie der Faktor „Entfernung zur nächsten Großstadt“. Hier kann Dortmund als Teil der Metropolregion Ruhr gegenüber Städten wie Paderborn oder Ulm nicht punkten.

Jeder der 19 Faktoren wurde mit 1 (gering) bis 5 (hoch) bewertet. Die Verkehrsanbindung Dortmunds ist mit 4 bewertet und gilt damit gegenüber negativen Entwicklungen als ein stabilisierender Faktor. Ebenso wie das relativ gute Mietpreis-Niveau oder die Zahl der touristischen Übernachtungen pro Jahr.

Studie soll eine Handreichung sein

„Sicher kann man über die Faktoren und die Gewichtung diskutieren. Die Studie soll eine Handreichung für die Städte sein, sich selbst klar zu betrachten. Die Datenpunkte geben vielleicht einige Impulse“, sagt Dorothée Fritsch.

Infolge ihrer Untersuchungsergebnisse geben die Unternehmensberater von FTI-Andersch den Städten auch einige Empfehlungen für die Zeit der bald wohl schrittweise erfolgenden Lockerungen und die Zeit nach der Pandemie. Diese lauten:

  • die Öffnungszeiten im Einzelhandel deutlich flexibilisieren,
  • unkompliziert Außenflächen nicht nur für die Gastronomie, sondern auch für den Handel ermöglichen,
  • eine schnellere Umsetzung öffentlicher Investitionsfördermaßnahmen,
  • neue Veranstaltungsformate initiieren,
  • öffentliche Steckdosen und Wlan sowie mehr Toiletten oder Pop-Up-Radwege zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität schaffen.

„Die jetzige Phase“, so sagt Dorothée Fritsch, „sollte dafür genutzt werden, eine Strategie für die Post-Corona-Zeit zu entwickeln.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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