Streit um Saarlandstraße: Dortmunder schmettern Pläne der Stadt ab

dzStraßengestaltung

Parkplätze, Fahrradwege, Alleecharakter? Die Pläne zur Gestaltung der Saarlandstraße lösen in der Bürgerversammlung Streit aus. Fakt ist: Einigkeit gibt es nicht.

Saarlandstraßenviertel

, 14.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Fragen standen Sylvia Uehlendahl, der Leiterin des Tiefbauamtes, ins Gesicht geschrieben. Hatten sie und ihre Mitstreiter aus der Verwaltung gehofft, nach der knapp zweistündigen Bürgerversammlung am Donnerstag (13.2.) im Gemeindezentrum Nicolai-Kirche ein eindeutiges Votum in Händen zu halten, sahen sie sich getäuscht.

Drei Varianten zur Gestaltung der Saarlandstraße standen zur Auswahl. Doch selbst die Abstimmung per Hand unter gut 100 Besuchern brachte kein klares Bild. Als repräsentativ für die Bürger im Viertel kann sie schon gar nicht gelten.

Was Uehlendahl und die Gesandten aus der Stadtverwaltung mitnehmen durften, waren bestenfalls Anhaltspunkte. Zum Beispiel diesen: Ausgerechnet das von der Verwaltung favorisierte und mit dem „Beirat Nahmobilität“ abgestimmte Modell (4,50 Meter breite Fahrspuren inklusive 1, 75 Meter breiter „Schutzstreifen“ für Radfahrer) fand bei den Bürgern nicht die höchsten Beliebtheitswerte: 21 Besucher votierten dafür.

„Soll das Auto in den Hausflur?"

Andere Stimmen hingegen fürchten hohes Gefahrenpotenzial für Radfahrer. Der Abstand zwischen Radfahrern und Autos sei viel zu gering. Zumal „Schutzstreifen“, ob markiert oder nicht, im Gegensatz zu Radwegen keine vollständige Sicherheit böten. Weil sie in bestimmten Situationen eben auch von Autos genutzt werden dürfen.

Streit um Saarlandstraße: Dortmunder schmettern Pläne der Stadt ab

Zankapfel Saarlandstraße: Ein klares und unmissverständliche Votum hatte sich die Verwaltung von der Bürgerversammlung erhofft. Doch das blieb aus. © Beushausen

Eine andere Variante, die Radfahrern und Fußgängern mehr Raum gibt, dafür aber das Parken auf einer Seite der Saarlandstraße verbietet, erhielt 16 Stimmen. Sie wurde am schwächsten bewertet. Zudem rief sie den Protest zahlreicher Anlieger hervor. „Ich kurv' jetzt schon abends um die Wohnblöcke, soll ich das Auto in den Hausflur stellen?“, beschwerte sich eine Frau.

Das Problem: Die derzeit 88 Parkplätze würden bei dieser Variante glatt halbiert. Was einen Ladenbetreiber zur Bemerkung veranlasste: „Wenn wir so weitermachen, sind bald alle Geschäfte weg und die Leute können woanders einkaufen.“

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Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger auf Kosten der Parkplätze? Oder die Parkplätze lassen, wie sie sind? Die Meinungen prallten aufeinander, es ging hin und her. Ladeninhaber und Anwohner sind genervt von der Dauerbaustelle, die teils erhebliche Einschränkungen mit sich bringt. Anfang des zweiten Quartals will die DEW-Tochter Donetz mit den Leitungsarbeiten fertig sein.

Tempo 20 im Mischverkehr

Im Anschluss lässt die Stadt sofort die Kanalbauer anrücken. Sie werden sich nach akuteller Planung Abschnitt für Abschnitt vorarbeiten. Das soll rund ein Jahr dauern. Ein weiteres Jahr geht dann für die Neugestaltung der Saarlandstraße drauf. Heisst: Im Frühjahr 2022 könnten alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Und wie soll sich die Saarlandstraße dann präsentieren? Als eine Art Allee? Geht es nach der Abstimmung bei der Bürgerversammlung, wäre das die Variante, die von den meisten bevorzugt wird. 30 Besucher hoben ihre Hand für das Modell, das einen Mittelstreifen mit Bäumen vorsieht und je drei Meter breite Fahrspuren.

Streit um Saarlandstraße: Dortmunder schmettern Pläne der Stadt ab

Wirklich überzeugen konnte die Anwohner keines der vorgeschlagenen Modelle zum künftigen Erscheinungsbild der Saarlandstraße. © Beushausen

Der Knackpunkt dabei: Autos und Radfahrer müssten sich den Straßenraum teilen, sie wären im Mischverkehr unterwegs. Dann würde Tempo 20 gelten. Da die Bäume in der Mittelspur kein Überholen zulassen, müsste sich der Auto- dem Radverkehr unterordnen. Busse könnten auch an Haltestellen nicht mehr überholt werden: weder von Autos noch von Radfahrern.

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Die Parkplätze bleiben fast vollständig erhalten. Bemerkenswert dabei: die Variante stammt zwar aus der Verwaltung, genießt bei ihr allerdings nicht die höchste Priorität - auch nicht im Beirat Nahverkehr. Anders der städtische Verkehrsplaner Winfried Sagolla, der sich den ganzen Abend für die "Mittelspur-Lösung" in die Bresche warf. „Das ist meine favorisierte Variante.“

Rufe nach der Einbahnstraße

Einige wenige Anwohner regten sogar an, die Saarlandstraße zur Einbahnstraße zu machen. Was Sagolla allerdings ablehnte: Die täglich von 12 000 Autos befahrene Saarlandstraße sei eine Verbindungsstraße. „Und das soll auch so bleiben.“

Eine Einbahnstraßen-Regelung würde speziell für Anwohner, die zu ihren Häusern wollen, nur mehr Umgehungsverkehr auslösen. Und darüberhinaus einen Teil des Druchgangsverkehrs in die Nebenstraßen lenken. Dann müsse eben ein Konzept für das gesamte Viertel zwischen Sonnen- und Landgrafenstraße her, forderte ein Bürger.

„Ich nehme mit, dass Ihnen ein Verkehrskonzept und die Themen Einbahnstraße und Parkplätze wichtig sind“, fasste Tiefbauamtsleiterin Uehlendahl am Ende zusammen. Was sie ebenfalls mitnahm, waren Einzelvorschläge für punktuelle Änderungen. Etwa den praktischen Vorschlag einer Frau, den Fußgängerüberweg in Höhe des Postgebäudes doch bitte zum Rewe zu verlegen.

Müssen Eigentümer Straßenbaubeiträge zahlen?

Welche Gestaltungsvariante Tiefbauer und Planer den Politikern in der Bezirksvertretung Innenstadt-Ost vorschlagen werden, steht auch nach der Bürgerversammlung erst einmal in den Sternen. Die wahrscheinlichste: Die Verwaltung dürfte wohl mehrere Modelle vorlegen - und bestenfalls eine Empfehlung aussprechen. Entscheiden aber muss die Politik.

Es wird nicht die letzte Bürgerversammlung in Sachen Saarlandstraße gewesen sein, wie Vertreter der Stadt andeuteten. Zumal auch die nächste für hitzige Debatten sorgen könnte: Abhängig von der Variante, für die sich die Bezirksvertreter entscheiden, könnten auf Eigentümer und Grundstücksbesitzer Straßenbaubeiträge nach dem Kommunalabgabengesetz (KAG) zukommen.

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