Stimmung am Phoenix-See droht wegen Tuner-Szene zu kippen

dzRaser und Poser

Hunderte Platzverweise erteilte die Polizei über Pfingsten am Phoenix-See. Genervte Anwohner werfen teils mit Eiern auf die Ruhestörer. Das See-Quartier driftet ab, sagt eine Gewerbetreibende.

Hörde

, 05.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei den Anwohnern des südwestlichen Seebereichs sind Wochenenden mit schönem Wetter mittlerweile fast ein Angstthema. Denn dann trifft sich die von Ostwall und Phoenix-West leidvoll bekannte Szene am See und dreht ihre Runden über die Straßen Am Kai, Hörder-Bach-Allee und Phoenixseestraße.

Bis tief in die Nacht heulen die Motoren bei immer neuen Touren ums Karree. „Uns liegen zahlreiche Beschwerden vor“, bestätigt Polizeisprecher Peter Bandermann.

Tagsüber sind Ordnungskräfte am See unterwegs.

Tagsüber sind Ordnungskräfte am See unterwegs. © Thomas Thiel (Archiv)

Laut den Anwohnern handelt es sich bei den Ruhestörern oftmals nicht unbedingt um Raser, die dort ihre Rennen fahren, sondern eher um Poser. Mit aufgemotzten Autos, aufgedrehter Musikanlage und lässig aus dem Fenster gelehntem Ellbogen ziehen sie durch die Straßen. „Es geht um Sehen und Gesehen-werden“, sagt eine Beobachterin.

Dabei verlagert sich die Szene offensichtlich schnell und flexibel vom Ostwall Richtung See und zurück, je nachdem, wo gerade die Polizei im Einsatz ist. So tauchten die Poser in der Nacht zum 1. Juni (Pfingstmontag) auf den Seestraßen auf, nachdem es in der Innenstadt an zwei Stellen Überprüfungen mit 220 Platzverweisen gegeben hatte.

„Wie auch bei Kontrollen der Tuner- und Raserszene in der Dortmunder Innenstadt fiel dabei auf, dass fast Dreiviertel aller kontrollierten Autos und Personen nicht aus Dortmund, sondern aus anderen, umliegenden Städten stammte“, teilt die Polizei dazu mit.

Bei schönem Wetter ist rund um den See einiges los.

Bei schönem Wetter ist rund um den See einiges los. © Oliver Schaper

Das Spektakel wird von zahlreichen Fußgängern begleitet, die ebenfalls lautstark aus Hörde Richtung See ziehen, „massenweise und nicht corona-gerecht“, wie eine Anwohnerin sagt. Die Szene verändere das ganze Klima am See.

Eine Gewerbetreibende berichtet von Vandalismus und Müll auf den Straßen, von beschmierten Wänden und „angerotzten“ Schaufenstern. Vom Ständer vor der Tür sei mehrfach Ware gestohlen worden, sodass der Laden darauf inzwischen verzichtet.

Die schwere Außendeko bringt die Inhaberin mittlerweile jeden Abend in Sicherheit. „Wir würden gern einen Olivenbaum aufstellen in einem beleuchteten Blumenkübel“, sagt sie. „Aber das geht gar nicht, der würde nur zerstört oder geklaut.“

Angst vor Attacken

Aus Angst vor denjenigen, die so etwas tun, möchte sie auch nicht, dass ihr Name genannt wird. Aber ihr ist es wichtig, auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen, denn sie fürchtet, dass das schöne Seequartier abdriftet.

Sie berichtet von Urinspuren an den Häusern „in einer Höhe, die nicht von einem Hund stammen kann“; ein Tisch der Hafenkantine landete nachts im See und manche Bewohner der Seepromenade würden in ihrer Verzweiflung Eier aus dem Fenster auf Ruhestörer werfen.

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Auch bei der Bezirksvertretung sind Probleme bekannt, teilweise aus eigener Anschauung. Geschäftsführer Ulrich Spangenberg habe noch am Mittwoch (3.6.) gesehen, dass sämtliche Abfallbehälter im Seebereich umgekippt waren. „Es sah aus wie Hulle“, sagt er. Aber er sagt auch, es gäbe kaum ein Quartier in Dortmund, das so intensiv diskutiert und begleitet würde.

Dazu hat es in der Vergangenheit regelmäßig Bürgerdialoge mit Bewohnern und Vertretern von Verwaltung und Politik gegeben. „Sie waren gut besucht und professionell organisiert“, so Spangenberg. Die Vorschläge wurden auf Machbarkeit abgeklopft und gegebenenfalls umgesetzt. Wegen Corona konnte dieser Austausch in diesem Jahr allerdings nicht stattfinden.

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Die Stadt arbeitet aber an einem Konzept, den Bürgerdialog auf eine andere Art fortzuführen, verrät Stadtsprecher Christian Schön.

Dann können neue Ideen, die zur Beruhigung der ungeliebten Szene in Umlauf sind, diskutiert werden. Eine konkrete Maßnahme ist bereits geplant: Die Straße Am Kai soll zur Fahrradstraße werden, in der dann Zweiräder Vorrang haben.

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