Nein, der Wall ist am späten Samstagabend nicht zur Raser-Kontrolle gesperrt worden. Wegen der Ausgangssperre waren kaum Fahrzeuge unterwegs. © Oliver Schaper
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Stille auf den Straßen: Erster Abend mit Ausgangssperre in Dortmund

Samstag, der 24. April 2021, war ein historischer Tag: Erstmals galt die Corona-Ausgangssperre. Die große Mehrheit hat sich offenbar daran gehalten. Vereinzelt fielen aber Verstöße auf.

Zum ersten Mal seit mehr als 75 Jahren gibt es eine Ausgangssperre in Dortmund. In der britischen Besatzungszeit zum Ende des Zweiten Weltkriegs war sie zuletzt verhängt worden – nun im April 2021 wegen der andauernden Ausbreitung des Coronavirus.

In der Nacht zu Samstag (24.4.) hat es bereits einen Vorgeschmack gegeben: Um Mitternacht ist die Ausgangssperre in Kraft getreten. Bis 5 Uhr morgens durfte man nur mit gutem Grund in der Öffentlichkeit unterwegs sein.

Den ersten nennenswerten entsprechenden Einsatz von Polizei und Ordnungsamt hat es an der Möllerbrücke gegeben, wo eine Gruppe junger Leute sich mit einem Kasten Bier getroffen hatte. Das Treffen wurde aufgelöst.

Der Samstagabend war dann der erste, an dem die Dortmunder (mit diversen Ausnahmen) bereits ab 22 Uhr zu Hause bleiben mussten. Und bereits in der Stunde davor waren merklich weniger Menschen in der Stadt unterwegs.

Treffen sich stattdessen mehr Menschen in Wohnungen?

Am Dortmunder U war die 21-jährige Amelie gegen 21 Uhr mit ihrem Mitbewohner Linus und ihrer Cousine Verena unterwegs. Die Verwandte wohnt in München und war nur für einen Abend zu Besuch. Da stand noch etwas Stadtbesichtigung auf dem Programm – so lange es eben ging.

Von der Ausgangssperre sind alle drei nicht überzeugt. „Man findet Wege, sie zu umgehen“, sagte Verena. Die Gefahr bestehe, dass sich die Menschen dann eben in geschlossenen Räumen treffen, wo die Ansteckungsgefahr deutlich höher ist. Den Eindruck bekräftigte die Beobachtung vom Einkauf in einem Supermarkt kurz vor der Ausgangssperre. An der Kaiserstraße fielen einige junge Leute auf, die sich noch schnell mit Alkohol eindecken.

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Erster Abend mit Ausgangssperre in Dortmund

Ähnlich sahen es zwei junge Frauen, die um kurz vor 22 Uhr mit einigem Abstand auf einer Bank am Phoenix-See saßen und sich unterhielten. Ihre Namen wollten sie nicht nennen, eine der beiden sagte aber zur neuen Regel: „So ist das unnötig. Eine komplette Ausgangssperre wäre besser, bei der man zwei Wochen lang nur zum Einkaufen raus darf.“

Dass es bis Mitternacht noch in Ordnung ist, draußen Sport zu treiben, ist für sie „Quatsch“. Genau wie die Situation in manchen Supermärkten: „In manchen Läden ist es enger als in der Disco.“ Sie und ihre Freundin wohnen am Phoenix-See. Zur Leere bereits kurz vor 22 Uhr fiel der Begleitung sofort ein Wort ein: „Unheimlich.“

Die größte Gruppe bestand aus fünf oder sechs Personen

Tatsächlich waren nach 22 Uhr fast nur noch einzelne Personen am Ufer zu sehen. Ein Paar war eine halbe Stunde später zusammen mit einem Hund unterwegs, ein Polizeiwagen folgte ihnen langsam. Dann bog das Auto aber ab, angesprochen wurde das Paar nicht. Der neuen Regel zufolge dürfte nur eine der beiden Personen mit dem Tier draußen gewesen sein.

Rund um Möllerbrücke und Westpark waren mehrere Autos von Polizei und Ordnungsamt zu sehen. Um 21.30 Uhr hatten dort noch einige Grüppchen auf den Mauern gesessen. Spätestens um 22.05 Uhr waren sie aber verschwunden. Die größte Gruppe, die einer unserer Reporter am Abend sah, umfasste fünf oder sechs Personen an der Münsterstraße.

Die allermeisten Dortmunder haben sich aber offenbar vorbildlich an die neue Ausgangssperre gehalten. Auf der B1, der Märkischen Straße und dem Wall waren gegen 23 Uhr kaum noch Autos zu sehen – erst recht kaum Privatautos.

In der Regel gehörten die Wagen zu Polizei oder Ordnungsamt, Paket- oder Lieferdiensten. Burger-Restaurants, die sonst rund um die Uhr geöffnet haben, waren an der Evinger Straße hingegen beispielsweise geschlossen.

Polizei verzeichnete einen ruhigen Abend

Unter anderem aus beruflichen oder anderen „gewichtigen und unabweisbaren Zwecken“ darf man auch bis 5 Uhr morgens unterwegs sein. Körperliche Bewegung reicht als Ausrede aber nur bis Mitternacht – und man darf sie nur alleine ausüben.

Laut der Leitstelle der Polizei verlief der Abend ruhig, es habe weniger Notrufe als an normalen Wochenenden gegeben. Beamte haben die Ausgangssperre kontrolliert, gegen 1.45 Uhr sei jedoch klar gewesen, dass kaum jemand mehr auf den Straßen unterwegs sei und die Kontrollen seien zurückgefahren worden.

Das Ordnungsamt war noch bis 3 Uhr im Einsatz. Von 18.30 Uhr an sind insgesamt 49 Personalien festgestellt worden, 22 Anzeigen wurden wegen Ordnungswidrigkeiten geschrieben. Darunter fielen aber auch Verstöße gegen die Maskenpflicht oder zu große Ansammlungen vor Beginn der Ausgangssperre, berichtet Stadtsprecher Maximilian Löchter.

„Die Zahlen zeigen deutlich, dass sich der überwiegende Großteil in der Stadt gut verhalten hat“, so Löchter. Zwar sei jede Anzeige eine zu viel, aber: „Wir möchten uns bei den Bürgerinnen und Bürgern bedanken.“ In der Nacht zu Samstag habe das Ordnungsamt zunächst viel Wert auf Kommunikation gelegt, um die Menschen aufzuklären. Am Samstagabend habe man dann schon härter durchgegriffen.

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Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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