Ein Umspannwerk an einem Steag Heizkraftwerk. Der Kohleausstieg hat das Unternehmen in eine schwierige Situation geführt. Den Umstieg auf zukunftsfähige Energieformen soll nun die RAG-Stiftung organisieren. © dpa (Symbolbild)
Energiewende

Steag-Krise: Sanierung durch RAG-Stiftung soll DSW 1,2 Millionen kosten

Die RAG-Stiftung soll den kriselnden Kohleverstromer Steag in die Zukunft führen. DSW21 müsste dafür einiges an Einfluss aufgeben - und für den Rettungsversuch über eine Million Euro zahlen.

Der Ausstieg aus der Steinkohle trifft Steag ins Mark. Das traditionelle Geschäft, die Stromerzeugung mit Steinkohlekraftwerken, bricht peu a peu weg. Auch Steag muss mehr und mehr Kraftwerksblöcke vom Netz nehmen. Das Unternehmen mit Sitz in Essen hat sich inzwischen zwar auf die Energiewende eingestellt und befindet sich in einem Umbauprozess. Der aber kommt nur schleppend voran.

Es mangelt an Kapital für dringend notwendige Investitionen. Kein Wunder: Steag gehört einem Konsortium aus sechs Eigentümern. Dabei handelt es sich um kommunale Stadtwerke und Versorgungsbetriebe aus Dortmund, Duisburg, Bochum, Essen, Oberhausen und Dinslaken. Sie sehen sich nicht in der Lage, weitere Millionen Euro für Steag aufzubringen – und wollen es auch nicht.

Die Kommunalen hatten Steag 2011 und 2014 in zwei Schritten für rund 1,2 Milliarden Euro vom Mischkonzern Evonik übernommen. Doch die Energiewende hat die damals erhofften Erlöse längst versiegen lassen. Weshalb fünf der sechs Steag-Eigentümer seit geraumer Zeit ihre Anteile abstoßen möchten.

DSW21-Aufsichtsrat winkt Vertrag mit RAG-Stiftung durch

Nur: Allzu hohe Einnahmen dürften angesichts der aktuellen Lage von Steag nicht zu erwarten sein. Auch nicht bei einem Verkauf an einen potenziellen Interessenten wie etwa die Rethmann-Gruppe aus Lünen, die seit Längerem ein Auge auf den Stromproduzenten geworfen hat.

DSW21, mit 36 Prozent größter Steag-Gesellschafter, geht erstmal auf Nummer sicher – und wartet ab, was die RAG-Stiftung beim Kohleverstromer bewirken kann.

Ihr Engagement kommt nach Einschätzung von Beobachtern zur rechten Zeit – und erscheint wie ein Rettungsring auf rauer See: Die Stiftung ist offenbar bereit, Steag und den kommunalen Eigentümern zur Seite zu springen. Sie will das Energieunternehmen neu aufstellen und den Umbauprozess hin zu Erneuerbaren Energien beschleunigen. Was den Eigentümern, die untereinander uneins sind, nur helfen kann.

Das Fundament für das Vorhaben bildet ein Treuhandvertrag mit der RAG-Stiftung. Er muss von allen sechs Steag-Gesellschaftern unterschrieben werden. Die DSW21-Aufsichtsräte haben sich am Dienstag (23.2.) über die Eckpunkte gebeugt – und das insgesamt rund 30 Seiten starke Papier am Ende einstimmig beschlossen.

Steag-Umbau soll nach drei Jahren abgeschlossen sein

Kernpunkte: DSW21 und die weiteren fünf Partner treten ihre Gesellschafter-Rechte an Steag treuhändisch an die RAG-Stiftung ab. Das gilt ebenso für Aufsichtsratsposten. Auch DSW21-Chef Guntram Pehlke muss seinen Vorsitz räumen, wie zu erfahren war. All das für die Dauer von drei Jahren – dann will die Stiftung mit dem Umbau durch sein und Steag auf stabile Füße gestellt haben.

Wichtig dabei: Eigentümer der Steag bleiben nach wie vor die kommunalen Gesellschafter. Bei der Sanierung hingegen sitzen sie weitestgehend als Zuschauer auf der Tribüne.

Mit dem Vertrag öffnen sie der RAG-Stiftung die Tür zu Steag und geben ihr freie Hand durchzugreifen. Was die Stiftung auch zu tun gedenkt. Gemeinsam mit der Stiftung wurde bereits ein neuer „starker Mann“ in die Steag-Geschäftsführung geschickt: Carsten König (49) von der internationalen Unternehmensberatung „Alix Partners“ hat die Aufgabe, als „Chief Transformation Officer“ (CTO) den Umbau energisch vorantreiben.

Stiftung macht für Tilgung der Kredite kein Geld locker

Wie zu erfahren war, belaufen sich die Kosten für das Engagement der RAG-Stiftung auf insgesamt 3,5 Millionen Euro. Rund 1,2 Millionen Euro – entsprechend dem Anteil von 36 Prozent – trägt DSW21.

Fest steht: Die Stiftung steigt zwar als „Dienstleister“ für die offenkundig überforderten Eigentümer in die Restrukturierung von Steag ein. Aber für die laufenden Kredite bei den Banken wird die Stiftung kein Geld lockermachen – das bleibt Sache der Kommunalen. 90 Millionen Euro, so war aus Aufsichtsratskreisen zu erfahren, müssen 2021 und 2022 an die Banken zurückgeführt werden.

Zuständig ist dafür die „Kommunale Beteiligungsgesellschaft“ (KSBG). Dort haben die Gesellschafter ihre Steag-Anteile gebündelt. Und dorthin fließen auch die Ausschüttungen von Steag, mit denen die KSBG die Kredite zurückführt.

Für Erstaunen sorgte zuletzt die Ankündigung von Steag, man werde im Zuge der Restrukturierung vorläufig nichts mehr an die Gesellschafter ausschütten können. Was die betroffenen Stadtwerke in arge Bedrängnis bringen würde.

Kommunale Eigentümer pochen auf weitere Ausschüttungen

Im schlimmsten Fall müssten sie die Kreditverpflichtungen aus eigener Kasse bedienen und Millionen Euro in die Hand nehmen. Das wäre politisch kaum durchsetzbar. Im DSW21-Aufsichtsrat hält man ein solches Szenario ohnehin für wenig realistisch: Steag soll nun angeblich doch über ausreichend Mittel verfügen, um weiter an die KSBG abzuführen. Das dürfte die kommunalen Eigentümer erstmal aufatmen lassen.

Das letzte Wort über den Treuhandvertrag mit der RAG-Stiftung bleibt dem Rat der Stadt vorbehalten. Er soll in seiner Sitzung am 25. März entscheiden. Nach dem Verlauf der bisherigen Diskussionen dürfte eine breite politische Mehrheit den Weg für die Stiftung frei machen.

Was die kommunalen Eigentümer nach Abschluss des Steag-Umbaus mit ihren Anteilen an dem Energieproduzenten machen, ist gegenwärtig offen. Ob DSW21 an Steag festhält oder eben doch aus dem Unternehmen aussteigt, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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