Große Linde in Eving im Visier - muss sie gefällt werden?

dzStraßenbäume

Mehrere Männer machten sich in Eving mit einem Seil und anderem Gerät an einer großen Linde zu schaffen. Der Baum musste einiges aushalten.

Eving

, 17.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer neulich an der Bayrischen Straße / Ecke Deutsche Straße vorbeigegangen ist, könnte sich gewundert haben: An einer der großen Linden auf dem dortigen Spielplatz hing ein langes Seil, das immer mehr unter Spannung gesetzt wurde. Sollte hier etwa kurzerhand ein Baum umgerissen werden?

„Zugversuch“ gibt Auskunft über Standsicherheit von Bäumen

„Nein, auf keinen Fall“, sagt der Bereichsleiter Ost beim Grünflächenamt, Lars Terme. Bei dem für Außenstehende möglicherweise ungewöhnlichen Anblick handelte es sich um einen „Zugversuch“, der darüber Auskunft geben kann, wie gesund der Baum noch ist.

Lars Terme ist Bereichsleiter Ost beim Grünflächenamt der Stadt Dortmund

Lars Terme ist Bereichsleiter Ost beim Grünflächenamt der Stadt Dortmund. © Andreas Schröter

„Wir haben die Verkehrssicherungspflicht für 120.000 Bäume im Stadtgebiet“, sagt Lars Terme. Und weil sein Kollege Tim Wiedemeier, der für die Bäume im Stadtbezirk Eving zuständig ist, beim Abklopfen dieses Baumes ein hohles Geräusch wahrgenommen hat, fiel die Entscheidung für die Überprüfung per Zugversuch. Der funktioniert so: Per Seil wird Druck auf den Baum ausgeübt, und anhand der Schwankungswerte, die am Baum befestigte Sensoren ermitteln, können die Fachleute errechnen, ob der Baum noch standsicher ist oder eben nicht. Die Linde in Obereving steht immerhin im Bereich einer vielbefahrenen Kreuzung und eines Kinderspielplatzes, also in einem sensiblen Bereich mit viel Publikumsverkehr.

Auch hier ist das gespannte Seil, das die Linde unter Druck setzt gut zu erkennen

Auch hier ist das gespannte Seil, das die Linde unter Druck setzt, gut zu erkennen. © Andreas Schröter

Eineinhalb Tonnen sind es, der die Linde bei diesem Versuch ausgesetzt wird. Das sei aber nur ein Bruchteil dessen, was ein solcher Baum zum Beispiel während eines Sturms aushalten müsse, so Terme. Die Gefahr, dass ein kranker Baum schon während einer solche Prüfung umfalle, bestehe nicht. Etwa 20 bis 25 Bäume werden pro Jahr in Dortmund auf diese Weise überprüft. Einer, der sich damit auskennt, ist der Baumsachverständige Hermann Reinartz aus Köln. Der Baum in Eving wirke äußerlich noch sehr gesund, sagt der Fachmann, da kenne er ganz andere Beispiele von Stämmen, die bereits stark verpilzt und vermoost seien.

Der Baumsachverständige Hermann Reinartz prüft den genauen Druck auf den Baum mit Computertechnik

Der Baumsachverständige Hermann Reinartz prüft den genauen Druck auf den Baum mit Computertechnik. © Andreas Schröter

Andere Methoden, Bäume zu überprüfen, seien die Untersuchung des Wurzelwerkes, das Abklopfen mit einem Hämmerchen oder auch eine Schalltomograph-Untersuchung - fast wie beim Arzt.

Jörg Cremer vom Baumsachverständigen-Büro Reinartz spannt das Seil mit einer Winde

Jörg Cremer vom Baumsachverständigen-Büro Reinartz spannt das Seil mit einer Winde. © Andreas Schröter

Schluss mit dem „Angstfällen“

Ziel all dieser Bemühungen sei es, so Lars Terme, so viele alte Bäume wie möglich zu erhalten. Man wolle weg von dem „Angstfällen“, das es in früheren Zeiten gegeben habe. Oftmals wurden also in der Vergangenheit noch weitgehend intakte Bäume aus purer Unwissenheit und Angst gefällt. Alte Bäume sehen nicht nur schön aus, sie seien auch eine wichtige Biomasse, die zum Beispiel einer Vielzahl von Insekten einen Lebensraum biete, so Terme.

Solche Sensoren messen die Schwankungen des Baums, während er unter Druck gesetzt wird

Solche Sensoren messen die Schwankungen des Baums während an ihm gezogen und er unter Druck gesetzt wird. © Andreas Schröter

Die Linde an der Bayrischen Straße wurde nach kurzer Zeit wieder in Ruhe gelassen und das Seil eingepackt. Mit dem Ergebnis des Zugversuchs an der Linde in Eving ist allerdings erst in einigen Tagen zu rechnen.

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