Der Westfalenpark ist eines der beliebtesten Ausflugsziele in Dortmund, in letzter Zeit aber auch ein Sorgenkind der Politik. Jetzt will die Stadt kräftig in den Park investieren.

Dortmund

, 24.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seinen 60. Geburtstag hat der Westfalenpark im vergangenen Jahr gefeiert, seine aktuelle Gestaltung geht noch weitgehend auf die Bundesgartenschau 1991 zurück. Entsprechend groß ist der Erneuerungsbedarf.

Auf den will die Stadt jetzt reagieren - und kräftig investieren. Investitionen von insgesamt 34 Millionen Euro bis 2027 sieht das neue Gesamtkonzept „Zukunft Westfalenpark“ vor, das zurzeit in der Politik beraten wird.

Schauplatz für IGA 2027

2027 - das ist das Jahr der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in der Region. In Dortmund, als einem der zentralen Schauplätze, steht dann zwar der Zukunftsgarten „Emscher Nordwärts“ rund um die Kokerei Hansa im Mittelpunkt, aber auch die anderen Parks in der Stadt sollen eine Rolle spielen. Unter dem Titel „Unsere Gärten“ sind sie in das Gesamtkonzept der IGA eingebunden.

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Eine große Baustelle gibt es auch jetzt schon im Westfalenpark: Seit gut einem Jahr wird das Sonnensegel saniert, das als eigenwillige Holzbaukonstruktion aus der Zeit der Gartenschau von 1969 inzwischen unter Denkmalschutz steht.

Mit Hilfe der Wüstenrot-Stiftung, die die Hälfte der Sanierungskosten übernimmt, werden fast 2,5 Millionen Euro in die Rettung des Bauwerks investiert. Diese Kosten tauchen in der 34-Millionen-Rechnung für das neue Gesamtkonzept nicht auf.

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Bis zum Sommer sollen die Sanierungsarbeiten am Sonnensegel abgeschlossen sein - etwa ein Jahr später als ursprünglich geplant. Danach soll weiter investiert werden.

750.000 Euro sind 2021 für den barrierefreien Ausbau der Platzfläche unter dem Sonnensegel, den Bau einer kleinen Bühne und neue Wege im Umfeld veranschlagt. Für weitere 200.000 Euro soll ein Neubau für einen Kiosk und eine barrierefreie Toiletten entstehen.

Das Sonnensegel im Westfalenpark wird zurzeit aufwendig saniert.

Das Sonnensegel im Westfalenpark wird zurzeit aufwendig saniert. © Hans Blossey

Größter Einzelposten im Investitionsprogramm mit 21 Punkten ist die Neugestaltung des Eingangsbereichs an der Ruhrallee mit einem Neubau für das bislang in der ehemaligen Florianhalle untergebrachten Kindermuseum MondoMio. 11 Millionen Euro sind dafür veranschlagt. Bis 2022 sollen die Planungen laufen, ab 2023 gebaut werden, heißt es im Konzept.

Ein erster Entwurf für das neugestaltete Kindermuseum Mondo Mio

Ein erster Entwurf für das neugestaltete Kindermuseum Mondo Mio © Stadt Dortmund

Neu gebaut werden sollen auch ein Technikgebäude neben der Seetribüne am Buschmühlenteich mit Kiosk und Toiletten für gut 1,2 Millionen Euro und ein Werkstatt- und Lagergebäude für den Technischen Betrieb des Westfalenparks für 3,2 Millionen Euro.

Eine Technikstation mit Kiosk soll am Buschmühlenteich entstehen.

Eine Technikstation mit Kiosk soll am Buschmühlenteich entstehen. © Stadt Dortmund

Der zentrale Platz mit den Wasserbecken und Vogelvolieren im Herzen des Parks soll für 3 Millionen Euro umgestaltet werden. Zwischen diesem Platz und dem Sonnensegel soll für 1,5 Millionen Euro ein „Wasser-Garten“ entstehen - mit Fontänen, Sprühnebel und Fließbereichen.

Das Umfeld des Seerosenteichs soll für 400.000 Euro saniert werden, ebenso wie die diversen Brunnen im Park, für die noch ein Sanierungskonzept erarbeitet werden soll.

Großer Sanierungsbedarf

Sanierungsbedarf listet das Konzept auch für diverse Gebäude aus früheren Gartenschau-Zeiten auf. Für die denkmalgeschützte Parkakademie wird mit Kosten von 400.000 Euro gerechnet, für das Café an den Wasserbecken mit 645.000 Euro. Auf 450.000 Euro wird der Sanierungsbedarf für Turmterrassen und Turmrestaurant im Florianturm geschätzt.

Größtes Sorgenkind ist bekanntlich die alte Buschmühle, für die der bisherige Gastronomie-Betreiber abgesprungen ist. Hier müssen nicht nur rund 2,9 Millionen Euro investiert, sondern auch neue Nutzer und ein Gastronomiekonzept gefunden werden.

Warten auf Gastronomiekonzept

Ein Konzept dazu soll der Politik noch vor der Sommerpause vorgelegt werden, kündigte die Verwaltung am Dienstag (21.4.) im Ausschuss für Kultur und Freizeit an.

Vor allem die CDU drängte auf die Vorlage des seit langer Zeit angekündigten Gastronomiekonzepts für den gesamten Park. Auch das Gesamtkonzept ist für CDU-Sprecherin Ute Mais noch nicht ausgereift. „Wir vermissen ein klares Ziel und eine Schwerpunktsetzung“, sagte sie.

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Eine ganz klare Festlegung wird es da wohl auch nicht geben, deutete die zuständige Dezernentin Birgit Zoerner an – und verwies auf Konflikt zwischen denjenigen, die den Westfalenpark eher als Ruheort und denen, die ihn als Veranstaltungsort sehen. „Dazu gibt es noch keine einvernehmliche Meinung und wird es wohl auch nicht so schnell geben“, sagte Zoerner.

Park-Chefin Annette Kulozik will sich in der Frage ohnehin nicht festlegen. „Dieser Park lebt von Vielfalt“, stellt sie fest. „Für viele Menschen gehören das Grün und die gärtnerische Gestaltung ebenso zum Park wie Veranstaltungen.“

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Revolutionäre Veränderungen seien mit dem Zukunftskonzept nicht beabsichtigt, stellte Annette Kulozik klar und verwies auf die seit Jahrzehnten gewachsenen Strukturen des Parks. „Wir wollen nicht roden und von vorne anfangen“, sagte die Parkleiterin.

PFERDEGÖPEL SOLL EBENFALLS SANIERT WERDEN

  • Aktuell ist der Westfalenpark wegen der Corona-Krise geschlossen. Ein Ende ist noch nicht absehbar.
  • Im Gesamtkonzept taucht nicht die angekündigte Sanierung des historischen Pferdegöpels auf, der an die Bergbaugeschichte im Park erinnert.
  • Die Kosten wurden zuletzt auf rund 100.000 Euro beziffert.
  • Auf Nachfrage teilte die Verwaltung mit, dass das Ausschreibungsverfahren für die Sanierung des Göpels seit Jahresbeginn laufe. Mit einem Abschluss des Vergabeverfahrens sei bis Mai / Juni 2020 zu rechnen.


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