Stadt Dortmund soll komplett auf Ökostrom setzen – Warum diese Entscheidung so kurios ist

dzEnergie

Nach dem Willen der Politik soll die Stadt ihre Gebäude zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgen. Die Vorgeschichte dieser aktuellen Entscheidung ist durchaus kurios.

Dortmund

, 10.11.2019, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch wenn viele Beschlüsse im Rat mit großer Mehrheit gefällt werden - so viel Lob für einen Antrag einer anderen Fraktion wie im Umweltausschuss gibt es selten. Er habe sich über den CDU-Antrag „unglaublich gefreut“, stellte Grünen-Ratsherr Matthias Dudde fest. Und auch Carla Neumann-Lieven von der SPD zeigte sich „positiv überrascht.“

Was so viel Begeisterung auslöste, war der Antrag der CDU zum Stichwort „Nachhaltige Beschaffung“. Danach wird die Verwaltung beauftragt, die vorhandene Vereinbarung über den Bezug von Ökostrom mit der Stadttochter DEW21 neu zu verhandeln.

„Ziel muss es sein, dass die städtische Stromversorgung kurzfristig vollständig auf zertifizierten Ökostrom umgestellt wird“, heißt es in dem Antrag.

Weniger CO2-Ausstoß

„Hier kann man mit relativ einfachen Mitteln, sehr viel erreichen“, begründete CDU-Ratsherr Uwe Waßmann den Wunsch. „Denn bei vollständiger Umstellung der städtischen Stromversorgung auf Ökostrom würde die Verwaltung ihren CO2-Ausstoß um rund 35.000 Tonnen verringern und damit nahezu halbieren.“

Die Zustimmung der anderen Fraktionen hatte einen besonderen und durchaus kuriosen Grund. Denn die Umstellung der Stromversorgung für die städtischen Gebäude aus Ökostrom war mit rot-grüner Mehrheit schon 2007 beschlossen worden - damals gegen den Widerstand der CDU, wie Grünen-Ratsherr Matthias Dudde süffisant anmerkte. Insofern betrachte man den CDU-Vorstoß als „Erinnerungsantrag“.

Zwölf Jahre Wartezeit

Die Frage ist allerdings auch, warum der Beschluss zur Umstellung auf Ökostrom von 2007 bis heute - also in zwölf Jahren - noch nicht umgesetzt wurde. Darauf gab es von der Verwaltung weder im Ausschuss noch auf Nachfrage unserer Redaktion bis Freitag eine Antwort.

Es seien umfangreiche Recherchen dafür nötig, hieß es. Ein Problem: Das heute zuständige Amt für Vergabe und Beschaffung gab es 2007 noch gar nicht.

Geringer Anteil an Erneuerbaren Energien

Nachholbedarf in Sachen ökologische Stromversorgung hat aber offenbar nicht nur die Stadtverwaltung. Linke und Piraten im Rat hatten zuvor schon darauf hingewiesen, dass der aktuelle Bericht zur Lokalen Agenda 21 für die Jahre 2017 und 2018 für den Strommix in Dortmund nur 5,5% erneuerbare Energien ausweise ähnlich wie in anderen Ruhrgebietsstädten.

Die Fraktion Die Linke/Piraten hält diesen Anteil für „bedenklich niedrig“. „Hier muss sich dringend etwas tun – wir werden zu diesem Thema Initiativen in den Fachausschuss bringen, um die Bilanz Dortmunds in dieser Hinsicht zu verbessern“, kündigte Fraktionssprecher Utz Kowalewski an.

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